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Baustoffrecycling war das Thema eines Vortrags in Eschwege. Eingeladen hatten der Verein Aufwind und der Verein für Regionalentwicklung sowie der Landkreis.
Eschwege – „Wenn die ganze Welt so viele Ressourcen verbrauchen würde wie wir in Deutschland, dann bräuchten wir drei Erden“, sagte die Architektin Ute Dechantsreiter im Eschweger E-Werk. In Deutschland fiel der Erdüberlastungstag in diesem Jahr bereits auf den 4. Mai. Der Verein Aufwind, der Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner sowie der Landkreis hatten deshalb zu einem Informationsabend über Baustoffrecycling eingeladen. Ihr Ziel ist es, Ressourcen zu bewahren und wiederzuverwerten. In Vertretung der Landrätin begrüßte Thomas Eckhardt die Gäste. „Aber nicht nur Nachhaltigkeit treibt uns um“, sagte auch Hartmut Kleiber, Vorstandsmitglied des Vereins Aufwind. „Vielleicht bietet dieses Thema der Bauwirtschaft Möglichkeiten, wie sie aus dem derzeitigen Tal herauskommen kann.“
Der Verein Aufwind hat sich des Themas schon angenommen und seine gemeinnützigen Werkstätten in Eschwege mit einer Sandstrahlanlage ausgestattet, mit der alte Wertstoffe aufbereitet und ihnen neues Leben eingehaucht werden kann. Für die Menschen mit seelischer Behinderung, die dort arbeiten, ist dies eine Aufgabe, die sie ohne Zeitdruck wahrnehmen können. Doch allein geht es im Baustoffrecycling nicht, das machte Ute Dechantsreiter im Vortrag ebenso deutlich. Im Werra-Meißner-Kreis soll deshalb ein Netzwerk aufgebaut werden. Architekten, Bau- und Abbruchunternehmer, Bauhöfe, Recycling-Unternehmen, Handwerker oder Bauherren – alle sollen mit ins Boot. „Wir brauchen ein Netzwerk von lokalen Akteuren mit der Politik“, sagte Sabine Wilke, Geschäftsführerin des Vereins für Regionalentwicklung. „Wir fragen uns, wie wir eine Kreislaufwirtschaft in der Region starten können.“
Zu oft würden Gebäude einfach abgebrochen und der Schutt entsorgt, wie Ute Dechantsreiter klarmachte. Doch die Deponien seien voll. Unter dem Schutt lägen aber noch die ganzen Schätze. Sie plädierte dafür, Gebäude nicht abzureißen, sondern rückzubauen, das heißt, zuerst alle Teile auszubauen, die man wiederverwenden könne. Wie das gehen kann, hat die Bremerin im Norden mit dem von ihr gegründeten Bauteilelager vorgemacht. Die ausgebauten Rohstoffe – Fenster, Türen, Steine, Balken und vieles mehr – werden dort gewinnbringend wieder verkauft. Ein ebenso großes Thema seien Kies und Sand. Anstelle diese im Naturschutzgebiet abzubaggern, solle man auch diese Rohstoffe erneut verwenden. Dies bedeute aber auch, dass die Ressourcen erkannt, geborgen und gelagert werden müssen.
Rückbau koste allerdings Zeit und Geld, wandte ein Bauunternehmer ein. Oder es seinen Materialien in Verbindungen verbaut worden, die nur schwer wieder aufzulösen seien. Dechantsreiter ist überzeugt: „Es muss ein Umdenken in der gesamten Branche einsetzen.“ Und sie ist nicht die Einzige, die das denkt. Matthias Foitzeck vom Kasseler Architekturbüro Foundation5+ zeigte anhand eines Beispiels aus Kassel, wie die Architekten beim Bau eines Hauses nicht nur gebrauchte Teile verwenden, sondern auch so geplant haben, dass das Haus später wieder abgebaut und recycelt werden kann, ohne dass viele Reststoffe übrig bleiben. (Kristin Weber)
Der Abend soll Auftakt zur Gründung eines Netzwerks sein. Wer Interesse hat mitzumachen, kann sich ab sofort beim Verein für Regionalentwicklung und Sabine Wilke melden: E-Mail: sabine.wilke@vfr-werra-meissner.de
