Rekordkulisse bei Betriebsversammlung

Nachfrage nach Verbrennern steigt: VW in Baunatal stellt 650 Leiharbeiter ein

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VW-Betriebsversammlung mit über 7000 Mitarbeitern in Baunatal.
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650 Menschen haben einen Zeitarbeitsvertrag bei VW in Baunatal erhalten. Es könnten noch mehr werden, doch an anderer Stelle wird gespart.

Kassel/Baunatal – Die Nachfrage nach Elektroautos stagniert, der Trend geht bei den Kunden aktuell wieder zum Kauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Erstmalig traf der Betriebsrat im VW-Werk Kassel in Baunatal am gestrigen Mittwoch anlässlich einer Betriebsversammlung mit mehr als 7000 Beschäftigten diese klare Aussage. Seit Wochen wird über eine solche Entwicklung in der gesamten Autobranche spekuliert.

Trotz weltweiter Umweltziele gerate die E-Mobilität ins Stocken, sagte Betriebsratschef Carsten Büchling auch bei einem Pressetermin nach der Versammlung am zweitgrößten deutschen VW-Standort mit 15 500 Beschäftigten. Nach Auslauf der Förderung in Deutschland für Fahrzeuge mit Elektroantrieb gelte es, eine schwierige Zeit zu überbrücken. Er sprach von „komplexen Rahmenbedingungen mit Auswirkungen auf das Werk Kassel“.

Gestiegene Nachfrage nach Verbrennern bei VW in Baunatal

Die gestiegene Nachfrage nach Verbrennern sorgt in Baunatal jedenfalls für eine Sonderkonjunktur und damit für die Neueinstellung von Hunderten Leiharbeitern. Getriebe, Abgasanlagen und Leichtmetallgehäuse aus Baunatal werden wieder vermehrt verbaut. „Wir haben richtig viel zu tun“, so Büchling zur Auftragslage beim größten Arbeitgeber der Region.

650 neue Mitarbeiter haben nach Angaben des Betriebsratschefs bereits einen Zeitarbeitsvertrag erhalten. Aus Sicht Büchlings ist kurzfristig sogar mit weiteren Einstellungen zu rechnen. Werkleiter Jörg Fenstermann relativierte die Aussagen Büchlings. Für Volkswagen ändere die aktuelle Nachfragesteigerung nach Verbrennern nichts an der Entscheidung, ab 2035 komplett auf Elektro zu setzen.

Stellvertretender Betriebsratschef Christian Wetekam informierte die Belegschaft während der Versammlung aber auch über das vom Vorstand aufgelegte Sparprogramm „Performance“. Im Volkswagenkonzern sollen demnach bis 2026 insgesamt 20 Prozent Personalkosten in der Verwaltung eingespart werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das beträfe auch am Standort Kassel jede fünfte Stelle, so Wetekam. (Sven Kühling)

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