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Ab dem 1. Juni sind nachts auch im Hauptbahnhof Frankfurt gefährliche Gegenstände tabu. Zahl der Gewaltdelikte mit Waffeneinsatz im Bahnhof hat sich von 2019 bis 2022 mehr als verdoppelt.
Frankfurt – Frankfurt weitet seine Waffenverbotszone bei Nacht auf den Hauptbahnhof aus. Vom 1. Juni an wird es dort wie im Bahnhofsviertel auch verboten sein, zwischen 20 und 5 Uhr Messer oder andere gefährliche Gegenstände mit sich zu führen. Klaus Vornhusen, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn, lobte die Ausweitung bei einem Ortstermin am Mittwoch: „Wir wollen den Hauptbahnhof zu einem noch sichereren Ort machen.“ Bislang sei das Drehkreuz der Deutschen Bahn mit täglich rund 450 000 Reisenden „nicht immer eine gute Visitenkarte“, räumte Vornhusen ein.
Die Initiative zur Ausweitung der Waffenverbotszone ging von Frankfurts Polizeipräsident Stefan Müller aus. Er hatte im vergangenen Herbst, einige Tage vor dem Inkrafttreten des Waffenverbots im Bahnhofsviertel, den Präsidenten der für Frankfurt zuständigen Bundespolizeidirektion in Koblenz angerufen und für das Vorhaben geworben. Viel Überzeugungskraft brauchte er nicht, wie Präsident Georg Pelzl verriet: „Es spricht nichts dagegen, sondern vieles dafür.“ Pelzl präsentierte Zahlen, die belegen, dass die Menschen seit der Pandemie häufiger Waffen mit sich führten und auch einsetzten. So seien 2019 bei 415 Gewaltdelikten im Hauptbahnhof in 80 Fällen Waffen im Spiel gewesen.
Waffenverbot im Bahnhofsviertel: Zone wird auf Hauptbahnhof Frankfurt ausgeweitet
2022 wurden bei 530 registrierten Waffendelikten im Hauptbahnhof in 176 Fällen Waffen eingesetzt und damit mehr als doppelt so oft wie noch drei Jahre zuvor. Die Bundespolizei hatte in der Vergangenheit zu besonderen Anlässen wie Silvester oder einem Public Viewing im Stadion bereits temporäre Waffenverbote in Frankfurter Bahnhöfen erlassen. Für ein dauerhaftes Verbot bedarf es rechtlich gesehen allerdings der Zustimmung der Stadt Frankfurt.
Als Pelzl vor einigen Wochen Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) darauf ansprach, hat dieser laut eigener Aussage „nicht lange gezögert.“ Die Auswertung zeige, dass es sich um eine erfolgreiche Maßnahme handele, betonte Josef, der sich der Rückendeckung seiner Ordnungsdezernentin Annette Rinn (FDP) gewiss sein konnte: „Es war nur konsequent.“
„Nur konsequent“: Waffenverbotszone in Frankfurt gilt auch im Hauptbahnhof
Ähnlich sieht es auch Polizeipräsident Müller, der schon die Waffenverbotszone im Bahnhofsviertel vorangetrieben hatte. Bahnhofsviertel und Hauptbahnhof seien „ein kriminalgeografischer Raum“, vor allem, wenn zur Fußball-Europameisterschaft wieder Zugänge zur B-Ebene geöffnet würden. Seit Einführung der Waffenverbotszone im November habe die Polizei aufgrund der Verfügung bereits 62 gefährliche Gegenstände eingezogen, darunter 49 Messer.
Müller versicherte, mit der EURO 2024 habe die Ausweitung der Waffenverbotszone nichts zu tun. Im Übrigen, so ergänzte Stadtoberhaupt Josef, hätten auch die jüngst vorgestellten Verbesserungsmaßnahmen für das Bahnhofsviertel nichts mit einem reißerischen Artikel im britischen Boulevardblatt „Sun“ zu tun. „Das Vertrauen in die Verwaltung scheint groß zu sein, wenn man meint, dass wir drei Tage nach so einem Artikel tätig werden könnten“, so Josef süffisant. (Oliver Teutsch)
