- VonManfred Bechtschließen
Ausweichflächen könnten Abhilfe schaffen. Nun soll ein Konzept für den Stadtteil Frankfurter Berg entstehen. Es könnte als Muster für Frankfurt dienen.
Frankfurt – Der Kreisverband Frankfurt des BUND hat schon im Sommer nach einer Auswertung der Starkregenkarte für Frankfurt darauf hingewiesen, welche Folgen heftige Regenfälle haben können. Ein Szenario ergibt, dass sämtliche U- und S-Bahn-Tunnels in der Innenstadt mit mindestens einem Meter Regenwasser geflutet würden – Züge könnten nicht mehr fahren, die Bewegungsfreiheit für Bewohner:innen und Auswärtige wäre erheblich eingeschränkt. Zumal bei derart starken Regenfällen ein Umsteigen auf das eigene Auto wegen der Überflutung vieler Straßen auch keine Option wäre.
Nun skizziert die Starkregenkarte, die schon seit Jahren vorliegt, dieses Szenario für Regenfälle, wie sie in mehr als 100 Jahren nur einmal vorkommen. Freilich ist das eine statistische Aussage, auf die man sich kaum noch verlassen kann. Auf jeden Fall hat es in der ganzen Region in den vergangenen Jahren mehr Hochwasserereignisse gegeben, als nach diesen Prognosen zu erwarten waren. Die Folgen des Klimawandels sind sichtbar.
Neues Starkregen-Konzept für Frankfurt geplant – Ein Stadtteil geht voran
Wer als Bürger oder Bürgerin bei Politiker:innen nachfragt, der bekommt den Hinweis, dass private Vorsorge unerlässlich sei. Ein Ventil im Keller zum Beispiel, das das Eindringen von Wasser aus der Kanalisation verhindert, ist zwar nicht vorgeschrieben, aber nützlich.
Andere Maßnahmen müssen eher von der öffentlichen Hand ergriffen werden. Beispielsweise multifunktionale Retentionsflächen – abgekürzt Muriel. Konkret geht es darum, nicht bebaute Flächen wie Grünanlagen oder Spielplätze auch als Retentions-, also Ausweichflächen, für Regenwasser zu nutzen. Hat der Bach übermäßig Hochwasser, wird zunächst eine Grünanlage überflutet, ohne dass dort große Schäden angerichtet werden. Dies verringert die Überschwemmung bachabwärts gelegener Gebiete. Muriel ist eine rund 100 Seiten starke Hilfe der Starkregenkarte für Verantwortliche, mit Hinweisen zu Planung und Bau, Genehmigung, Unterhalt und Kosten.
Gefährliche Punkte in Frankfurt: Neues Starkregen-Konzept kommt
Solche Konzepte seien auch in Frankfurt umsetzbar, heißt es dazu in der Antwort des Magistrats auf eine Anfrage der Römer-Koalition. Multifunktionale Flächennutzung gebe es schon, zum Beispiel im Stadtteil Riedberg. Dort gibt es muldenartige Rückstauflächen zwischen den Häusern, die sich sonst als ganz gewöhnliche Grünfläche präsentieren. Nur: Auf die Flächen im Stadtteil Riedberg wird in allen Veröffentlichungen hingewiesen – und immer nur auf diese. Dies spricht dafür, dass es sich eher um eine Ausnahme handelt. Immerhin, in Arbeit befindet sich derzeit ein Starkregenkonzept für den Stadtteil Frankfurter Berg. Dabei wird geprüft, ob an gefährdeten Punkten durch Retentionsflächen oder Notwasserwege – dort fließt das Wasser nur im Überschwemmungsfall – Risiken verringert werden können.
Es handele sich um ein Pilotprojekt, um Erfahrungen für weitere Maßnahmen zu sammeln, heißt es. Wo solche Projekte noch sinnvoll sein könnten, wird aber nicht flächendeckend untersucht, sondern nur, wenn ohnehin Baumaßnahmen bevorstehen. Der Magistrat lässt durchblicken, dass diese Untersuchungen mit erheblichem Aufwand verbunden sind. Es sei aber bei jeder Neuplanung sinnvoll, dieses Thema im Auge zu behalten, so die Verwaltung. Wird ein Spielplatz um zwei Meter abgesenkt, um notfalls als Retentionsraum dienen zu können, fasst diese Fläche große Mengen Wasser, aber der Umbau kostet auch große Summen. (Manfred Brecht)
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