Noch kein deutscher Wahlkampf

Erste Wahlplakate hängen in Frankfurt schon – aber nicht für die Bundestagswahl

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Ordentlich frisiert und ernster Blick: So zeigt sich George Simion auf Postern in Frankfurt. Wer ist er und was hat es damit auf sich?

Frankfurt – Wer ist dieser Mann?, fragt sich wohl der eine oder die andere in Frankfurt dieser Tage. Sein Konterfei schaut etwa von Laternen am Südbahnhof hinab auf Passant:innen, die ihn womöglich noch nie gesehen haben. Dort ist ein auffälliges Poster mit einem Foto von ihm aufgeklebt: schwarze, ordentlich frisierte Haare, braune Augen und ein ernster Blick.

George Simion ist Mitbegründer und Vorsitzender der Partei „AUR“ und tritt zur Präsidentschaftswahl an.

George Simion ist sein Name. Das Geheimnis darum, wer er ist, lüftet der restliche Text auf dem Poster: Es geht um die rumänischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen, die kurz bevorstehen. Simion ist Mitbegründer und Vorsitzender der Partei „AUR“ und tritt zur Präsidentschaftswahl an. AUR steht für „Alianța pentru Unirea Românilor“, zu deutsch: Allianz für die Einheit der Rumänen.

Die AUR wird laut der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg „verschiedentlich als rechtspopulistisch, nationalistisch oder auch ultranationalistisch eingeordnet“. Simion betont die Bedeutung der nationalen und christlichen Identität für Rumänien. Als Kernwerte gibt die AUR auf ihrer Website „Familie, Heimat, Glaube und Freiheit“ an. Sie setzt sich außerdem für eine Vereinigung mit dem Nachbarland Republik Moldau ein und wettert gegen die ungarische Minderheit im Land.

Rumänische Partei wirbt in Frankfurt mit Wahlplakaten

In Frankfurt wirbt Simion mit dem Slogan „Diaspora e România“ für sich, auf Deutsch etwa: „Die Diaspora ist Rumänien“. Damit spricht er die Auslandsrumän:innen an, derer es zahlreiche in Frankfurt gibt. Sie sind sogar die fünftgrößte Gruppe Ausländer:innen in der Stadt. Jüngste Zahlen des Bürgeramts zeigen, dass im Juni 2024 10.924 Rumän:innen in Frankfurt lebten. Mehr Ausländer:innen kommen übrigens nur aus der Türkei, Kroatien, Italien und Indien. Deutschlandweit stellen Rumän:innen die viertgrößte Gruppe der Ausländer:innen, es sind etwa 909.000 (Statistisches Bundesamt, 31.12.2023).

Für die Menschen mit rumänischem Pass ist 2024 ein Superwahljahr. Im Juni wurde parallel zur Europawahl über die kommunalen Verantwortungsträger abgestimmt. Die AUR erlangte bei der Wahl zum Europäischen Parlament 14,9 Prozent der Stimmen. Am meisten räumte die Wahlliste PSD-PNL (eine Allianz der Sozialdemokraten und liberal-konservativen Partei) mit 48,5 Prozent ab. Bei der Doppel-Abstimmung im Juni wurde aber auch von Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen berichtet.

Nun soll am 24. November über den neuen Präsidenten abgestimmt werden, am 8. Dezember wird das Parlament gewählt und es könnte eine Stichwahl zum Präsidenten dazukommen. Es ist also durchaus möglich, dass demnächst weitere Poster und Plakate auftauchen, die Rumän:innen in Frankfurt ansprechen sollen. Denkbar sind zum Beispiel Poster der führenden Parteien PSD und PNL – dann wären Fotos von Ministerpräsident Marcel Ciolacu und Senatspräsident Nicolae Ciucă zu sehen. Bald könnten aber auch Plakate für die nächste Wahl in Deutschland auftauchen. (anki)

Rubriklistenbild: © Anna Kirschner

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