- VonTobias Stückschließen
Die Kurzarbeit der Stiebel-Eltron-Gruppe betrifft jetzt auch den Standort Eschwege. Teilen der Belegschaft wurde in diesem Monat Kurzarbeit verordnet.
Eschwege – Gleichzeitig wird der Baubeginn des Neubaus an der Thüringer Straße verschoben. Das bestätigte Unternehmenssprecher Henning Schulz auf Anfrage unserer Zeitung.
Der Grund für den Engpass liegt auf der Hand. Derzeit besteht eine Marktschwäche in der Sanitär- und Heizungsbranche – insbesondere im Bereich Wärmepumpen. Für Teile verschiedener Gesellschaften der Gruppe wurde Kurzarbeit eingeführt – teilweise ab März, teilweise ab April oder im Mai.
Kurzarbeit bei Stiebel Eltron betrifft 2.000 Mitarbeiter in Deutschland
Insgesamt betrifft die Kurzarbeit etwa 2.000 der rund 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland. Jetzt hat es auch den Standort in Eschwege getroffen. „In Eschwege sind aktuell nur sehr wenige der insgesamt gut 300 Beschäftigten betroffen, der Anteil liegt im einstelligen Prozentbereich“, sagt Sprecher Schulz.
Die Kurzarbeitsquote wurde auf 30 Prozent festgelegt. „Leider sind wir zu diesen Maßnahmen gezwungen, weil die Umsätze auf einem zu niedrigen Niveau verharren“, sagt Firmenchef Dr. Kai Schiefelbein.
Grundstück an der Thüringer Straße gekauft
Die Unternehmensgruppe Stiebel Eltron plant die Erweiterung ihres Kunststoff-Kompetenzzentrums in Eschwege und hatte dafür im Februar ein Grundstück an der Thüringer Straße erworben.
Stiebel will einen zweistelligen Millionenbetrag in Eschwege investieren und plant 115 neue Arbeitsplätze. Schon bei der Vertragsunterschrift hatte die Nachfrage nach Wärmepumpen nachgelassen. Das beeinflusste die Pläne nicht.
Februar war schlimmster Monat für Stiebel Eltron
Die momentane Lage hält Schiefelbein im Gespräch mit der Tagesschau für paradox. Die Zuschüsse für den Kauf einer Wärmepumpe seien so hoch wie nie, dazu gebe es zinsgünstige KfW-Kredite, und die Lieferzeiten seien kurz – und doch schnappe der Kunde nicht so zu wie erhofft. Die Vorbehalte seien „psychologischer Natur“, vermutet Schiefelbein. „Die negative Grundhaltung muss erst wieder verschwinden.“
Der schlimmste Monat sei der Februar gewesen, erklärt der Stiebel-Eltron-Chef. Er rechnet damit, dass die Verkaufszahlen „im späten Sommer, im Herbst“ wieder anziehen. Auch, weil die KfW dann mit der Auszahlung der Zuschüsse beginnt. Auf lange Sicht, da ist sich Schiefelbein sicher, werde der Wärmepumpenmarkt wieder in Schwung kommen.
Baubeginn des Zweitwerks von Stiebel Eltron in Eschwege wird verschoben
Aufgrund dieser Durststrecke werde auch mit dem Neubau des Zweitwerks in Eschwege nicht wie geplant im zweiten Quartal begonnen. Im Idealfall hätten bereits im April die Bagger rollen sollen. Die Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit ist vorerst bis Ende 2024 gültig.
„Wir hoffen natürlich, dass sich die Lage schnell wieder normalisiert, um die Maßnahmen so schnell wie möglich wieder zurückfahren zu können“, sagt Schiefelbein Bis dahin sei der Neubau auf dem neu erworbenen Grundstück in Eschwege vorerst aufgeschoben.