Leitet jetzt die Polizei des Werra-Meißner-Kreises mit Sitz in Eschwege: Christopher Pfaff ist seit sechs Wochen neuer Polizeidirektor und Nachfolger von Reiner Neusüß, der nach Kassel gewechselt ist.
Christopher Pfaff ist der neue Polizeidirektor im Werra-Meißner-Kreis. Wir haben mit ihm über die Polizeiarbeit und seine Ziele als Zuständiger für 218 Beschäftigte gesprochen.
Eschwege – Die Polizeidirektion Werra-Meißner ist unter neuer Leitung. Christopher Pfaff hat das Führungsamt übernommen und steht ab sofort an der Spitze von aktuell 218 Beschäftigten der Polizei im Werra-Meißner-Kreis mit den Polizeistationen in Eschwege (mit dem Polizeiposten Bad Sooden-Allendorf), Witzenhausen, Hessisch Lichtenau und Sontra. Im Interview erklärt er die Unterschiede zwischen Polizeiarbeit in der Großstadt und im ländlichen Raum, welche Herausforderungen auf die Polizeiarbeit der Zukunft warten und wie er dafür sorgen möchte, dass die Kollegen bis zum Ende ihrer Karriere dienstfähig bleiben.
Herr Pfaff, Sie waren sieben Jahre in Frankfurt im Einsatz, später in Kassel. Zuletzt waren sie im Schwalm-Eder Kreis, jetzt im Werra-Meißner-Kreis eingesetzt. Arbeiten Sie lieber in Großstädten oder auf dem Land?
Beides ist reizvoll. In der Stadt hat man sicherlich mehr Großlagen und viel mehr Einsätze. Dementsprechend ist auch die Personallage eine andere. Dort sind viel mehr Spezialisten im Einsatz, was spannend ist. Auf dem Land muss jeder einzelne Kollege mehr Aufgabengebiete abdecken. Hier ist man mehr Generalist. Dafür ist der Kontakt enger. Man kennt sich.
Wie wirkt sich das aus?
Auf der einen Seite arbeitet man enger mit den Kollegen zusammen, es ist persönlicher. Auf der anderen Seite ist man näher dran an den Bürgern.
Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?
Ich finde, es ist ein Vorteil und für unsere Arbeit absolut hilfreich. Das wirkt sich auch in den Statistiken aus. Die Polizeiarbeit im ländlichen Raum profitiert von Hinweisen aus der Bevölkerung. Umgekehrt steigt das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung. Auch, weil – anders als in der Großstadt – viele Kollegen hier vor Ort wohnen. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zur Bevölkerung und das wollen wir bewahren.
Sie waren zuletzt Leiter der Kriminalpolizei Schwalm-Eder. Wie sah ihre Arbeitsweise aus?
Ich war nie Sachbearbeiter bei der Kriminalpolizei, sonder in der Regel mit der Koordination der verschiedenen Fälle betraut. Bei mir liefen alle Fäden zusammen und ich musste Entscheidungen treffen.
Fällt es Ihnen leicht, Entscheidungen zu treffen?
Ja, schon. Ich bin aber kein Bauch-, sondern eher ein Kopfmensch. Ich treffe Entscheidungen, nachdem ich mehrere Meinungen eingeholt und mich beraten habe. Teamarbeit ist entscheidend.
Welche der Fälle sind Ihnen im Gedächtnis geblieben?
Da fallen mir die letzten größeren Fälle aus dem Schwalm-Eder-Kreis ein. In Schwalmstadt gab es ein Tötungsdelikt im Aldi-Markt. Außerdem war ich mit einem Fall von sexuellem Missbrauch von Kindern betraut. In beiden Fällen konnten wir – auch mithilfe einer Öffentlichkeitsfahndung – die Täter überführen.
Wie geht es Ihnen, wenn ein Fall abgeschlossen ist?
Das ist ein befriedigendes Gefühl. Gerade, wenn wir schnelle Erfolge gefeiert haben, weil jedes Rädchen im Team ineinandergegriffen hat.
Seit Oktober sind Sie Leiter der Polizeidirektion im Werra-Meißner-Kreis. Wie haben Sie die Polizeidirektion vorgefunden?
In einem sehr guten Zustand. Mein Vorgänger Rainer Neusüß hat hier gute Arbeit geleistet. Die Statistikzahlen stimmen, bei der Kriminalitätsbekämpfung sind wir gut aufgestellt und es herrscht ein gutes Miteinander. Die Zusammenarbeit mit meinem Stellvertreter Kriminaloberrat Bernd Schanze ist auch sehr vertrauensvoll.
Welche Aufgaben erwartet die Polizei im Ländlichen in den kommenden Jahren?
Neben den bekannten Delikten wird die Online-Kriminalität zunehmen. Zum einen sind das klassische Betrugsfälle, aber auch Sexualdelikte, Beleidigung, Hassrede oder Cyber-Mobbing. Gleichzeitig nutzen wir auch selbst mehr die Digitalisierung.
Wie das?
Straftaten kann man inzwischen ja auch online anzeigen. Das ist immer häufiger der Fall. Das bedeutet auch Veränderung. Für die Kollegen heißt das jetzt, offen zu sein und flexibel zu reagieren. Aber da mache ich mir keine Sorgen.
Was wird sich noch verändern?
Wir legen noch mehr Augenmerk auf die Präventionsarbeit. Das Programm Kompass wurde nach Hessisch Lichtenau, Großalmerode und Waldkappel (als Kompassregion) jetzt auch in Sontra eingeführt. Kommunen, Ordnungsamt und wir arbeiten noch enger zusammen und beziehen auch die Bürger mit ein. Die bisherige Zusammenarbeit wird besser fokussiert und wirkt gleichzeitig präventiv. Das will ich fördern. Wichtig ist aber auch, dass die Öffentlichkeit sieht, dass unsere Maßnahmen umgesetzt worden sind.
Sie sind jetzt Chef von insgesamt 218 Mitarbeitern. Wird sich für sie etwas verändern?
Wir versuchen, interne Prozesse weiter zu optimieren. Ich möchte mich zum Beispiel mehr um die Gesundheit unserer Mitarbeiter kümmern.
Warum?
Das sorgt für eine höhere Motivation und führt zu weniger Dienstausfällen. Das stärkt insgesamt die Mitarbeiterzufriedenheit. Dienst- und Gesundheitssport bieten wir schon an, wir können in diesem Bereich unsere Kolleginnen und Kollegen allerdings noch besser fördern. (Tobias Stück)
Zur Person
Christopher Pfaff (40) ist Polizeioberrat und trat im Februar 2003 in den Dienst der hessischen Polizei ein. Über Stationen in Mühlheim und Frankfurt ging es 2013 nach Nordhessen zurück. Dort leitete von Oktober 2021 bis September 2023 die Kriminalpolizei bei der Polizeidirektion Schwalm-Eder und war hier zuletzt als Leiter der Kripo außerdem stellvertretender Polizeidirektionsleiter. Pfaff geht in seiner Freizeit gerne joggen und wandern und lebt mit seiner Lebensgefährtin und zwei Kindern in einem Ortsteil von Helsa. (ts)