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Das Umweltministerium des Landes Hessen empfiehlt Verfahren zur Sanierung des Werratalsees. Anfang September waren hier zahlreiche Fische verendet.
Eschwege/Meinhard – Das Umweltministerium des Landes Hessen empfiehlt für die Sanierung des Werratalsees eine Absenkung der Werra bei gleichzeitiger Anhebung des Wasserpegels im Werratalsee. Beides solle moderat erfolgen. Als Sofortmaßnahme schlägt das Ministerium den Einsatz von Fällmitteln vor. Die Kosten würden sich hierbei auf rund drei Millionen Euro belaufen. Gleichzeitig lässt das Ministerium verlautbaren, für den Werratalsee nicht zuständig zu sein. „Die obere Wasserbehörde beim RP Kassel hat bislang keine Maßnahmen ergriffen bzw. angeordnet, da eine Zuständigkeit nicht besteht“, sagt Umweltministerin Priska Hinz.
Die Ministerin antwortet damit auf eine Anfrage des Landtagsabgeordneten Knut John (SPD), der das Fischsterben Anfang September zum Anlass genommen hat, die Landesregierung auf den Werratalsee aufmerksam zu machen. Wie die Ministerin schreibt, sei der Werratalsee aber im „Maßnahmenprogramm 2021 – 2027 zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Hessen“ aufgeführt. Hier heißt es auf Seite 94, dass der Einfluss der Werra auf den See verminderbar sei. „Dies kann über eine moderate Erhöhung des Wasserspiegels im Werratalsee und durch eine Absenkung des Wasserspiegels in dem Fließgewässer Werra erreicht werden.“ Den Wasserspiegel des Werratalsees dürfe man aber nur so weit anheben, dass das Hochwasserrisiko nur unwesentlich erhöht werde.
Die Anhebung des Wasserpegels war auch Wunsch eines Geheimtreffens zwischen Eschwege, Meinhard, Werra-Meißner-Kreis und Regierungspräsidium Ende September. Eschwege und Meinhard hatten sich darauf verständigt, in Zukunft mit einer Stimme zu sprechen. Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill hat für die nächste Gemeindevertretersitzung am Donnerstag einen Antrag eingebracht, in dem Meinhard die Stadt Eschwege bei der Sanierung des Sees mehr unterstützen will. Für eine Erhöhung des Wasserspiegels will die Gemeinde Retentionsräume suchen, damit Grebendorf vor Hochwasser geschützt wird. Gleichzeitig wird in dem Antrag gefordert, dass die Kosten der Sanierung für den See geteilt werden. „Zehn Prozent sollen beim Kreis, 40 Prozent beim Land und 50 Prozent bei den Eigentümern des Sees liegen“, sagt Brill.
Die drei Millionen Euro teure Restaurierung mit Fällmitteln wäre laut Umweltministerium eine Sofortmaßnahme, die aber eventuell wiederholt werden müsste. (Tobias Stück)
So bewertet das Umweltministerium den See
Der Werratalsee ist, wie die meisten flachen künstlichen Seen, ein sehr nährstoffreicher See. Diese Gewässer kämpfen häufig in dieser Jahreszeit (Ende August bis Ende September) mit dem Problem, dass die absterbende pflanzliche Biomasse zu einem Sauerstoffdefizit führt. Bei vergleichbaren Gewässern (Bugasee, Fuldasee in Fulda) sind ähnliche Schwierigkeiten bekannt. Hochwasserschutz, Fischerei, Badesee, Stromgewinnung oder Regattastrecke führten zu Nutzungskonflikten. (ts)