VonChristopher Hessschließen
Milder Winter, das nasseste Jahr seit Beginn der Wetter-Aufzeichnung - die besondere Gemengelage der Witterungsverhältnisse bietet Mückenlarven perfekte Bedingungen. Experten sprechen von „dem schlimmsten Mückenjahr seit Jahren“. Auch in der Region Fulda und im östlichen Hessen sind viele Mücken unterwegs.
Kreis Fulda - Erst summt es, dann juckt es: Egal, ob beim Spaziergang an Gewässern, im heimischen Garten oder in den eigenen vier Wänden - überall trifft man derzeit wieder auf Mücken und Menschen, die über Juckreiz klagen. Die knapp fünf Millimeter großen Zweiflügler, von denen es in Deutschland rund 50 Arten gibt, hinterlassen Stiche - und sie werden immer mehr.
Nach Experteneinschätzung gibt es in diesem Jahr eine besonders starke Mückenplage. In der Region sind dieser Tage viele Mücken unterwegs, bestätigt Hans-Ulrich Sprenger, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Fulda und Künzell. „Es ist definitiv mehr geworden als in den vergangenen Jahren.“
Regen-Wetter sorgt für hohes Mücken-Aufkommen im Kreis Fulda
Die Gründe für das hohe Mücken-Aufkommen in diesem Jahr nennt Dirk Reichle, Direktor der „Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage“, kurz KABS in Hessen „Viel Regen, hohe Luftfeuchtigkeit und vor allem Starkregen und Überschwemmungen haben den Stechtieren beste Bedingungen beschert, um ihre Eier zu legen.“
2023 war deutschlandweit das nasseste Jahr seit Messbeginn 1881. Auch bei uns in Osthessen waren die vergangenen zwölf Monate die nassesten seit langem, sagt Meteorologen Oliver Klein: „Wir haben deutlich mehr Niederschlag als in den Vorjahren: 860 bis 1000 Liter pro Quadratmeter waren es seit Juli 2023. 2018 waren es lediglich 500 Liter pro Quadratmeter, 2019 und 2020 jeweils 600 bis 700 Liter.“
So ein Mückenjahr habe ich in mehr als 35 Jahren noch nicht erlebt.
Laut dem Meteorologen ist die Rhön in Region ein Niederschlagsschwerpunkt. „Die Rhön hat für Regenwolken und Gewitter häufig einen Staueffekt, das heißt die Wolken bleiben dort hängen und regnen sich aus. In Wüstensachsen und Seiferts regnet es laut unserer Wetterdaten besonders viel.“
Der Wetter-Experte Starkregenereignisse - die die Mückenverbreitung begünstigen - „bedingt durch den Klimawandel zunehmen“ werden - nicht nur in ihrer Häufigkeit, sondern auch in ihrer Intensität. Auch bei uns in der Region. Doch zurück zur KABS. Deren Aufgabe st es, die Vermehrung der Blutsauger - einschließlich derer, die Krankheiten übertragen, einzudämmen - um eine Plage zu verhindern.
Dafür versprühen Mitarbeiter des KABS ein für die Mückenlarven toxisches Protein. Die Mückenplage in diesem Jahr beflügele laut Reichle, dass der Winter besonders mild gewesen sei - und die vergangenen zwölf Monate mit zahlreichen Starkregenereignissen deutschlandweit der nasseste Zeitraum seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881 gewesen war.
Waren die vergangenen Jahre mit viel Trockenheit eher mückenarm, so sieht das in diesem Jahr anders aus. Der Experte ergänzt: „So ein Mückenjahr habe ich in mehr als 35 Jahren noch nicht erlebt.“ Den maximal 15 Millimeter großen Insekten begegnet er in großer Zahl vor allem an Gewässern. Denn: „Die Eier legen sie auf der Wasseroberfläche oder in der Nähe eines Gewässers ab.“
Dort werden sie erst zu Larven, verpuppen sich und werden schließlich zur Stechmücke. Pro Liter schlüpfen rund 50 bis 100 Mückenlarven, schildert Reichle. Nach der Befruchtung gehen die Weibchen ab dem Frühjahr auf Beutezug, um eine Blutmahlzeit zu sich zu nehmen und dadurch an Eiweiß zu gelangen. „Wenn man gestochen wird, dann also von weiblichen Mücken“, sagt der Experte.
Zur raschen Verbreitung der Tiere trage bei, dass sie sehr wanderfreudig seien. „Die Mücken wandern zur Blutaufnahme 10 bis 15 Kilometer und pflanzen sich dann wieder fort.“ Blut finden sie vor allem in Siedlungsgebieten, wo sie dann auch vermehrt umherfliegen. Bis Ende September sind die Mücken meist unterwegs.
Die Asiatische Tigermücke
Die Asiatische Tigermücke ist eine Stechmücke, dessen Verbreitungsgebiet ursprünglich im Asiatisch-Pazifischen Raum hat. Aufgrund des internationalen Waren- und Personenverkehrs hat sie sich laut Angaben des Umweltbundesamtes in den vergangenen Jahren allerdings massiv ausbreiten können. Auch in Deutschland tritt sie mittlerweile regelmäßig auf. Anders als andere Mückenarten ist sie nicht nur nachts, sondern auch tagsüber auf der Suche nach Blut.
Während in dem Zeitraum 2007-2013 überwiegend Einzelexemplare gefunden wurden, werden mittlerweile in den Sommermonaten auch größere Populationen nachgewiesen. Während die Asiatische Tigermücke im Main-Kinzig-Kreis 2023 bereits erstmalig nachgewiesen wurde, hat sie sich im Kreis Fulda noch nicht angesiedelt. „Umso wärmer die Jahre werden, umso wahrscheinlicher ist es aber, dass sie sich auch hier ansiedeln wird“, sagt Hans-Ulrich Sprenger vom Nabu Fulda und Künzell.
Die Asiatische Tigermücke ist ein invasives Insekt und kann - anders als in den meisten Fällen bei heimischen Mückenarten - Überträger verschiedener Krankheitserreger wie Fadenwürmer und zahlreicher Viren sein. Das Übertragungsrisiko umfasst laut Umweltbundesamt mehr als 20 Viren, darunter die humanpathogenen West-Nil-, Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren.
Dass viele Blutsauger auch in unserer Region vor allem an Gewässern - aber auch in besiedelten Gebieten - anzutreffen sind, bestätigt Matthias Müller, Zweiter Vorsitzender des Nabu Kreisverbands Fulda. Müller habe zudem von einigen Viehbesitzern gehört, die vermehrt über Mückenstiche an ihren Tieren klagen. Dennoch sagt er: „Es ist trotzdem noch ein völlig normales Vorkommen. Die Population entwickelt sich, und damit müssen wir umgehen.“
Müller betont zudem, dass die Tiere für das Ökosystem eine wichtige Rolle spielen: So seien sie eine wichtige Beute für andere Tiere. Beispielsweise sind Spinnen, Fische, Amphibien, Libellen und Vögel auf das Vorkommen von Mücken angewiesen. Würden Mücken aus dem Ökosystem verschwinden, so hätte dies für eine Vielzahl von anderen Tieren gravierende Folgen.
Welche Tipps gibt es indes zum Schutz vor Mückenstichen
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt folgende Maßnahmen zum Schutz vor Mückenstichen: Tragen Sie Kleidung, die so viel Haut wie möglich bedeckt, beispielsweise lange Oberteile, lange Hosen und Socken. Schutz bieten auch Sprühmittel für den Körper (Autan oder ähnliche Anti-Mücken-Sprays).
Auch Kleidung kann mit Mückenschutzmitteln abweisender gemacht werden. Durch Insektengittern an den Fenstern und Tieren oder Klimaanlagen können Stechmücken aus Innenräumen ferngehalten werden. Um die Verbreitung von Stechmücken im Wohnumfeld einzudämmen, sollten Brutplätze für Mücken (offene Wasserbehälter oder kleinere Gefäße, in denen sich Wasser sammelt) beseitigt oder abgedeckt werden.
Vogeltränken sollten regelmäßig gereinigt und neu befüllt werden. Am Fuldaer Frauenberg gibt es unterdessen die sogenannte Frauenbergmilbe schon seit mehr als 100 Jahren. Bis heute bekommen die Anwohner in den Sommermonaten Besuch von dem Spinnentier, das für juckende Biss sorgt.
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