Regionale Wirtschaft

Kein Payback bei Edeka in der Region: Kunde äußert Verwunderung

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Die Regionalgesellschaft Hessenring verzichtet auf eine Kooperation mit Payback. Das sorgt bei einigen Kunden für Verwunderung. Doch Verbraucherschützer kritisieren die Bonusprogramme.

Kassel/Melsungen – „An Payback kommt bei Edeka wirklich niemand vorbei“, heißt es in einer Pressemitteilung der Einzelhandels-Gruppe – doch ganz richtig ist das nicht. Seit Anfang Januar können Kunden auch bei dem genossenschaftlich organisierten Unternehmensverbund an Deutschlands größtem Treueprogramm teilnehmen. Die Regionalgesellschaft Edeka Hessenring mit Sitz in Melsungen hat sich, im Gegensatz zu den anderen Regionalgesellschaften, gegen eine Kooperation mit Payback entschieden. Zu Hessenring gehören Märkte im gesamten HNA-Verbreitungsgebiet. 

Verwunderung bei Kunden: Kein Payback bei Edeka Hessenring

„Das widerspricht dem, was Edeka kommuniziert“, sagt Edeka-Kunde Silvio Zeibig aus Schauenburg. Zeibig kauft oft in den Märkten der Gruppe ein und hatte sich gefreut, auch dort Punkte sammeln zu können. Doch an der Kasse wurde ihm gesagt: „Tut mir leid, das geht bei uns nicht.“ Dabei bewirbt die Edeka-Gruppe derzeit mit großem Aufwand die Partnerschaft mit Payback. Das habe ihn irritiert. Ein Anruf bei Edeka Hessenring bestätigte dann: Die Märkte, die der Regionalgesellschaft angehören, sind beim Bonusprogramm außen vor. 

Payback und Edeka haben eine gemeinsame Kooperation gestartet. Doch Edeka-Hessenring nimmt nicht teil.

Für Zeibig ist das schade, er löse seine gesammelten Punkte gern für neue Literatur ein, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Silvio Zeibig ist nicht der einzige Edeka-Kunde, der im Bereich der Edeka-Hessenring Punkte sammeln würde, mittlerweile existiert auf der Internetplattform Change.org sogar eine bislang mäßig erfolgreiche Petition, die sich für eine Teilnahme an dem Bonusprogramm ausspricht.

Edeka: Kein Kommentar zum Thema Payback

Wieso sich Edeka Hessenring gegen eine Teilnahme am Payback-Programm entscheiden hat, wollte man in der Zentrale in Melsungen auf Anfrage nicht beantworten. Doch allzu überraschend ist die Entscheidung nicht. Denn auch beim Bonussystem Deutschlandcard machte Edeka Hessenring, im Gegensatz zu den anderen Regionalgesellschaften, nicht mit.

Konkurrent Rewe stieg zum Jahreswechsel bei Payback aus und führte ein eigenes Bonusprogramm ein. Ein Grund war laut Medienberichten der Preis: Knapp 150 Millionen Euro soll die Supermarktkette pro Jahr an Payback gezahlt haben. Auch Fressnapf, ein Händler für Tiernahrung und -zubehör, hat sich dazu entschieden, ab März 2025 aus dem Payback-Programm auszusteigen.

Unternehmen zahlen Gebühr an Payback

Payback verdient zum einen daran, dass die beteiligten Unternehmen eine Gebühr zahlen, zum anderen geht es darum, mit den gesammelten Kundendaten zielgerichtete Werbung auszuspielen, erklärt Melanie Seibt von der Verbraucherzentrale in Kassel. „Wir sehen solche Programme kritisch“, sagt die leitende Beraterin. Denn: „Nichts ist umsonst. Bei Payback bezahlen Kunden mit ihren Daten.“

Payback und Apps: Sparpotenzial oft gering

Ob man mit Treuepunkte-Systemen wie Payback tatsächlich sparen kann, ist allerdings fraglich, so die Beraterin. Studien hätten gezeigt, dass die durchschnittliche Ersparnis bei circa einem Prozent liege – verglichen mit dem Einkauf im selben Markt ohne Teilnahme am Bonusprogramm. In einigen Fällen könnten Kunden tatsächlich sparen, aber das könne auch schnell ins Gegenteil umschlagen. Etwa, wenn man sich nur aufs das Sammeln von Punkten fixiere und die Angebote der Konkurrenz nicht prüfe oder ein Produkt deswegen kaufe, weil man damit Punkte sammeln könne. Besser sei es, die Preise zu vergleichen. Gerade Kunden, die kein Smartphone besitzen, hätten zudem oft das Nachsehen. Die Verbraucherzentrale appelliert grundsätzlich an die Supermarkt-Kunden, sparsam mit den eigenen Daten umzugehen. (von Daniel Seeger)

Auch Sparkasse ab 2025 dabei

Sparkassen-Kunden werden künftig automatisch Payback-Punkte sammeln können – beim Bezahlen mit der Debitkarte bei teilnehmenden Händlern. Die Kasseler Sparkasse bestätigte auf Anfrage, dass der Start der Kooperation für 2025 geplant ist. Die Teilnahme sei freiwillig, Kunden könnten das Programm nur dann nutzen, wenn sie es selbst aktivieren. Eine neue Karte sei nicht notwendig. „Kundendaten werden nur dann verarbeitet und weitergegeben, wenn der Kunde der Teilnahme am Payback-Programm ausdrücklich zugestimmt hat“, teilt eine Sprecherin mit. Ob und in welchem Umfang durch die Kooperation Kosten für das Geldinstitut entstehen, beantwortete die Sprecherin nicht. Geplant ist, dass auch beim Abschluss von Finanzprodukten Payback-Punkte gesammelt werden können, die Ausgestaltung werde derzeit noch diskutiert. „Wir respektieren die Kritik der Verbraucherzentralen. Unsere Kunden entscheiden selbst, ob sie Payback nutzen möchten“, so sie Sprecherin. Gleichzeitig biete die Kooperation mit Vorteile durch das Sammeln von Punkten, insbesondere bei lokalen und regionalen Händlern, was zusätzlich die regionale Wirtschaft stärke.

Rubriklistenbild: © IMAGO/BODE

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