VonNiklas Hechtschließen
Auf 130 Hektar beheimatet der Tierpark Sababurg in Nordhessen mehr als 900 Tiere. Geschichte, Natur und Märchen sind hier auf einzigartige Weise verbunden.
Kassel – Wölfe, Adler, Wisente und Wildpferde, die im Schatten eines Dornröschenschlosses leben? Was nach einem Märchen der Brüder Grimm klingt, ist im Tierpark Sababurg Wirklichkeit. Eingebettet in den Naturpark Reinhardswald im Landkreis Kassel beheimatet der Tierpark auf 130 Hektar über 900 Tiere. Mit seiner 450-jährigen Geschichte zählt er zu den ältesten Tierparks in Europa.
Die seltenen und teils vom Aussterben bedrohten Wild- und Haustierarten locken jedes Jahr mehr als 300.000 Besucher ins nordhessische Hofgeismar. Kein Wunder, bieten der Blick auf die historische Sababurg, die dem Grimm'schen Märchen „Dornröschen“ tatsächlich als Vorlage gedient haben soll, und die mehr als 1000 Eichen im Tierpark doch eine einzigartige Kulisse.
Ursprünge des Tierparks Sababurg reichen bis ins Jahr 1571 zurück
Die Anfänge des Tierparks Sababurg reichen bis in das Jahr 1571 zurück. Damals richtete Landgraf Wilhelm IV. am Fuße seines Jagdschlosses Sababurg einen Tiergarten ein, der durch seine Größe und die fremdländischen Tiere schon vor über 400 Jahren beeindruckte. Für mehr als 200 Jahre diente der Tiergarten als Jagdgebiet der jeweiligen Landgrafen. Es war ein Ort, an dem große Jagdgesellschaften stattfanden und das erlegte Wild die festlichen Bankette am Hof bereicherte. Außergewöhnliche oder exotische Tiere wie weiße Hirsche, schwarze Rehe und Rentiere aus dem hohen Norden wurden am Fürstenhof als Forschungsobjekte und Prestigesymbole gehalten.
Ab Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Sababurg nicht mehr als Jagdschloss genutzt und verfiel allmählich. Im Tiergarten wurde fortan vor allem Pferdezucht betrieben, bis der damalige Landkreis Hofgeismar Anfang der 1970er-Jahre begann, innerhalb der heute noch bestehenden historischen Mauern wieder einen Tierpark aufzubauen.
Im Urwildpark des Tierparks Sababurg grasen Wisente und Heckrinder
Heute versteht sich der nordhessische Besuchermagnet als öffentliche Bildungs- und Freizeiteinrichtung, die erfolgreich seltenen oder vom Aussterben bedrohten Tierarten eine Heimat bietet. Der Tierpark teilt sich unter anderem in einen Urwildpark, einen Kinderzoo, eine Greifvogelstation und einen Arche-Park mit dazugehörigem Bauernhof auf. Große und kleine Besucher sollen die Tiere, wo immer möglich, hautnah in sogenannten Kontaktbereichen erleben können. „Die Tiere werden so artgerecht wie möglich in weitläufigen und naturnah gestalteten Anlagen gehalten“, heißt es auf der Internetseite des Tierparks. Ihnen stünden großzügige Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung.
Den flächenmäßig größten Teil des Tierparks macht der Urwildpark aus. Hier grasen Wisente und Heckrinder in naturbelassenen Anlagen und können ohne störenden Zaun beobachtet werden. Auch Wölfe, Luchse, Vielfraße und Fischotter haben im Urwildpark ihr Zuhause. Neben europäischen Tierarten sind in Hofgeismar aber auch einige exotische Tiere wie Alpakas, Kängurus, Pinguine oder Erdmännchen beheimatet, die unter anderem im Streichelzoo der Anlage neben Ziegen und Kaninchen zu finden sind. Für Fans von Adlern, Eulen und Störchen bietet sich ein Besuch der Greifvogelstation und der Wassergeflügelanlage an. Nachwuchs gab es zuletzt bei einigen Wildschweinfamilien.
Öffnungszeiten
► Der Tierpark Sababurg hat ganzjährig an sieben Tagen in der Woche geöffnet
Preise
► Erwachsene und Jugendliche (ab 16 Jahren): 10,50 Euro
► Kinder (4 - 15 Jahre): 6 Euro
► Schüler und Studenten: 6 Euro
► Familienkarte: 27 Euro
Mehr Informationen unter tierpark-sababurg.de/
Neben den vielen pelzigen und gefiederten Bewohnern beherbergt der Tierpark Sababurg mit der „Elch-Lounge“ auch eine Eventlocation, die Interessierte für Abendveranstaltungen anmieten können. Am Tag können sich Besucher in dem 2014 eröffneten Rundstammhaus ausruhen und den Blick über den Tierpark bis hin zum Dornröschenschloss Sababurg schweifen lassen.
Bildungsarbeit leistet der Tierpark neben den vielen Führungen insbesondere durch das Museum, das in einem 400 Jahre alten Fachwerkgebäude untergebracht ist. Hier stehen die im Tierpark beheimateten Tiere, der Reinhardswald sowie die Märchen der Brüder Grimm im Vordergrund. (nhe)
Rubriklistenbild: © Harry Laub/imago

