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Investoren und Anleger an der Frankfurter Börse sind verunsichert. Trumps Zollankündigungen zertrümmern das Vertrauen in die globale Wirtschaftsordnung.
Frankfurt – Die Stimmung an der Frankfurter Börse ist schlecht. Aus dem Rosengarten des Weißen Hauses in Washington kamen am 2. April keine Blumen, sondern dornige Strafzölle. Als „Liberation Day“, den Tag der Befreiung, bezeichnete Präsident Trump diesen nächsten Schritt demonstrativer Abkehr vom Freihandel, hin zu einer an Extremismus grenzenden protektionistischen Handelspolitik.
Die US-Regierung hat angekündigt, Strafzölle gegen mehr als 90 Länder zu erheben. „Zölle, die jeden Maßstab sprengen“, erklärte Anja Kohl, im ARD Börsenupdate Wirtschaft vor Acht.
Trumps Zollhammer schockt die Frankfurter Börse – „Am Ende zahlen alle drauf“
Der extreme Protektionismus Trumps sorgt für tiefe Verunsicherung an der Frankfurter Börse. Mit 20 Prozent werden in Zukunft Waren aus der EU beim Import in die USA besteuert werden. Die EU hat eine Reihe von Gegenzöllen angekündigt. Ein Handelskrieg – rhetorisch bereits in vollem Gange – mit dem ehemaligen Partner USA wird von vielen Anlegern und Investoren befürchtet.
Die Zölle stellen eine Bedrohung für den Wohlstand der EU-Bürger, jedoch gleichermaßen für die Bürger der USA dar. Waren werden teurer werden. Firmen versuchen Teuerungen durch Zölle üblicherweise durch höhere Preise beim Verkauf an Endverbraucher zu kompensieren. Wie Börsenexpertin Anja Kohl erläuterte, führe das in eine wirtschaftliche „Sackgasse“. Höhere Preise hätten zu Umsatzeinbußen zur Folge, „am Ende zahlen alle drauf“.
Trumps Strafzölle gegen deutsche Auto-Industrie – An der Frankfurter Börse macht sich Verunsicherung breit
Ab Samstag (5. April) gilt auf alle Exporte in die USA ein Basis-Mindestzoll von 10 Prozent. Ab dem 9. April werden zusätzliche Strafzölle von 20 Prozent auf Waren aus der EU erhoben.
Die deutsche Wirtschaft wird dabei besonders hart von Trumps Rundumschlag angegriffen. Ab sofort gelten bereits Zölle von 27,5 Prozent auf EU-Auto Exporte. 20 Prozent dieser Exporte gehen in die USA und sind von den Zöllen betroffen. Für die angeschlagene deutsche Automobilindustrie ist das der nächste Schock: von den rund 785.000 Autos, die jährlich aus der EU in die USA exportiert werden, werden mehr als die Hälfte, etwa 445.000 Autos, in Deutschland produziert.
Die Investoren an der Frankfurter Börse reagieren darauf mit Verunsicherung. Das Vertrauen in einen kalkulierbaren Wirtschaftskurs der USA ist massiv beschädigt. Die zu erwartenden Preissteigerungen sind kaum abzuschätzen, entsprechend fiel der deutsche Leitindex DAX am heutigen Handelstag (4. April) in der ersten Handelsstunde bereits um 1,8 Prozent auf 21.378 Punkte und erreichte damit den tiefsten Stand seit Anfang Februar. Im weiteren Verlauf des Tages hat der Kurs die Marke von 21.000 Punkten unterschritten und steht derzeit (Stand 4. April, 14.29 Uhr) auf 20.832 Punkten.
Verunsicherung an der Frankfurter Börse – DAX fällt nach Ankündigung von US-Strafzöllen
Bereits am Vortag der Zollankündigung hatten sich die Anzeichen für eine schwache Börsenentwicklung verdichtet. Die Angst vor Handelskonflikten löste einen Verkaufsdruck aus, der den DAX bereits um 0,7 Prozent auf 22.390 Punkte sinken ließ. Trumps protektionistische Handelspolitik schürt die Sorge, dass die globalen Wirtschaftsströme empfindlich gestört werden und die Konjunktur in Mitleidenschaft gezogen wird – an der Börse in Frankfurt ist diese Entwicklung bereits deutlich zu spüren.
Wie sich die Märkte in den kommenden Tagen entwickeln, hängt stark von den weiteren politischen Entwicklungen und möglichen Gegenmaßnahmen anderer Länder ab. Auch neue Handelsabkommen mit anderen verlässlicheren Partnern auf dem internationalen Parkett, sowie mögliche Verhandlungen mit der US-Regierung sind dabei nicht ausgeschlossen und könnten für Entspannung sorgen. Fürs Erste bleibt die Stimmung an der Frankfurter Börse jedoch angespannt. (Paul Eisbach)
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