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Ein bisschen Überwindung hat es Niklas Meibert aus Kassel schon gekostet, als er kurz vor Weihnachten sein Leben dem Hannoverhaus in den österreichischen Alpen widmete.
Kassel/Mallnitz –Der 29-Jährige aus Kassel ist Hüttenwirt – genau wie Lukas Decker, sein enger Freund aus Kindheitstagen, der die Kasseler Hütte im Zillertal bewirtschaftet. In den vergangenen Monaten hat Meibert einiges erlebt und gelernt. Sein Fazit: Das Leben in den Bergen ist genau sein Ding.
„Ich vermisse tatsächlich recht wenig hier oben“, sagt er. Es sei die absolut richtige Entscheidung gewesen, das Abenteuer Hüttenwirt in die Tat umzusetzen. Zuvor habe Meibert häufig Probleme gehabt, einen Beruf zu finden, der ihn komplett erfüllt. „Ich habe schon vieles ausprobiert.“
Eine Ausbildung zum Industriekaufmann, ein duales Studium im Bereich Logistikmanagement, eine Tischlerlehre, Jobben in einer Bar – im Hüttenalltag auf 2565 Metern kommen ihm diese verschiedenen Berufszweige nun zugute. Damals aber habe er oft gehadert.
„Ich konnte mir nicht vorstellen, mein ganzes Leben lang jeden Tag das Gleiche zu machen und mich immer nur auf den nächsten Urlaub zu freuen“, erklärt der 29-Jährige.
Nach einer Sommersaison bei Kumpel Lukas im Zillertal stand es dann fest: Er braucht die Berge, um glücklich zu werden. Meibert brach die Zelte in Bremen, wo er zuletzt gewohnt hatte, ab. „Letztes Jahr war ich kurz hier oben, um mir alles anzuschauen.“ Und dann ging es einfach los? „Es gab noch eine kurze Übergabe, und im Winter habe ich mir gemeinsam mit meinem Team eigentlich alles selbst beigebracht.“
Das Besondere am Hannoverhaus ist, dass es auch in den Wintermonaten geöffnet hat, weil es mitten im Ankogelskigebiet nahe einer Seilbahnstation liegt. Der junge Hüttenwirt ist selbst begeisterter Skifahrer. Allerdings spielen eigene Hobbys bei einer Sieben-Tage-Woche mit jeweils rund 16 Stunden Arbeit nur eine untergeordnete Rolle.
Alltag auf einer Berghütte schlaucht körperlich
Gerade zu Anfang sei es eine enorme Herausforderung gewesen, die Abläufe kennenzulernen und sie sich einzuprägen. „Das schlaucht körperlich schon ziemlich“, sagt Meibert. Ein großer Gewinn sei sein fünf- bis siebenköpfiges Team, das vor allem aus engen Freunden besteht und sich mit seiner Übernahme des Hannoverhauses komplett neu zusammengesetzt hat.
„Die meisten von uns haben Gastro-Erfahrung.“ Das sei natürlich viel wert. Auch wenn man derzeit durchaus mehr Personal gebrauchen könnte.
Auf dem Hannoverhaus ist gerade Sommer-Hochsaison. Dementsprechend ist ordentlich was los. Tagsüber kommen rund 300 Gäste. Etwa 50 Menschen schlafen auf der modernen Berghütte, die nach einem Brand vor zehn Jahren neu errichtet wurde.
„Da wir nur zehn Minuten von einer Seilbahnstation entfernt liegen, sind die Besucher bunt gemischt“, erklärt Meibert. Zwischen Bergsteigern kämen immer wieder auch Turnschuh-Touristen vorbei, die ein schickes Bergrestaurant erwarten. Der Kasseler mag es, unter Menschen zu sein. In Bremen hat er sich öfter abends mit Freunden in einer Bar getroffen.
Hüttenwirt merkt oft, was er am Hannoverhaus hat
Vielleicht sei es das, was dem Hüttenwirt doch ab und an ein wenig fehle. Wenn er zwischendurch kurz im Tal sei, merke er aber wieder schnell, was er an seinem Hannoverhaus hat. Vor allem im Sommer sei es ihm unten in der Gemeinde Mallnitz (Kärnten) viel zu heiß.
Ohne seine Familie ist er nie allzu lange. „Mein Vater war im Winter schon öfter mal zum Skifahren hier oben.“ In der Heimat Kassel kann er seine Eltern vermutlich im Herbst wieder besuchen. Bevor Meibert die Türen des Hannoverhauses im September für zwei Monate schließt, hat er noch einen großen Wunsch.
Niklas Meibert: „Ich möchte die Bergregion gerne selbst etwas besser kennenlernen. Vielleicht klappt das nach der Saison.“ Wenigstens einen der umliegenden Hausgipfel will er dieses Jahr noch besteigen. Womöglich müsse er dafür demnächst einfach mal um 4 Uhr aufstehen – bevor der ganz normale 16-Stunden-Alltag beginnt. (Daria Neu)

