Tierheim Bergedorf

Erziehung, Rasse, Kosten: 10 Tipps, die zukünftige Hundehalter unbedingt beachten sollten

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Kosten, Zeitaufwand und natürlich die richtige Rasse: Es gibt viel, was ein künftiger Hundehalter beachten muss. Aus diesem Grund gibt ein Tierheim nun zehn Tipps, für die problemlose Anschaffung eines Hundes.

Ganderkesee – Ob geschlagen und weggegeben, wie beim Hund Shaco oder ein Auslauf, der viel zu klein ist, wie beim Hund Rex: Immer wieder gibt es traurige Meldungen, aus Tierheimen. Dabei sind meistens die Halter überfordert, weiß auch das Tierheim Bergedorf aus Ganderkesee. In einem Facebook-Post widmen sich die Tierfreunde dem Thema und erklären: „Meist zeigen sich Verhaltensauffälligkeiten nicht plötzlich, sondern es fängt eben schleichend an.“ Deshalb teilen die Experten jetzt zehn Tipps, die jeder künftige Hundehalter beachten sollte.

1. Woher hole ich den Hund? Seriöser Züchter, Tierheim oder lieber vom Vermehrer aus dem Kofferraum? 

Es gibt klare Unterschiede in der Qualität der Aufzucht, erklärt das Tierheim. So steht bei einem illegalem Vermehrer das verdiente Geld im Vordergrund und meistens nicht das Tier. Das wurde auch kürzlich bei einem illegalen Tiertransport, deutlich, bei dem ein Hund starb. Bei seriösen Züchtern sieht das jedoch ganz anders aus. Dort sollte man die Umgebung, in der die Tiere aufwachsen, sehen dürfen und auch die Elternteile begutachten können. Die ersten Monate im Leben der Tiere sind enorm wichtig und von entscheidender Bedeutung im späteren Lebensverlauf der Hunde. 

„Holt euch niemals (!!!) ein Tier aus Mitleid von einem unseriösen Züchter/Vermehrer“, lautet der Appell der Tierfreunde. „Habt ihr Bedenken, was die Haltungsbedingungen bei diesem Züchter/Vermehrer angeht, schaltet unbedingt das Veterinäramt ein, aber kauft diese Tiere nicht! Für eben diese Vermehrer ist ein Kauf auch gleichzeitig der Anlass noch mehr Geld in Form von Welpen zu ‚produzieren‘.“

2. Welche Rasse passt zu mir? Warum möchte ich überhaupt einen Hund? 

Eine weitere wichtige Frage, die sich jeder zukünftige Hundehalter stellen soll: Welcher Hund, beziehungsweise welche Rasse, passt überhaupt zu mir? Ein klassisches Beispiel, das jedes Tierheim vermutlich schon einmal mitbekommen hat: Der Besitzer ist eher „Couchpotato“, besorgt sich aber einen Hund, der das so gar nicht ist. Zum Beispiel einen Australian Shepard oder einen Husky. Diese Rassen möchten sehr viel mehr unternehmen, als mit dem Herrchen gemütlich fernzusehen.

„Da ist der Konflikt vorprogrammiert. Vielleicht ist man in so einem Fall besser mit einer ruhigeren Rasse angesiedelt, oder aber auch mit einem älteren Hund, der ‚einfach da sein möchte‘“, lautet der Tipp der Experten.

Klar, Welpen sind süß, können aber auch eine Menge Arbeit bedeuten. Es gibt einige Dinge, die ein künftiger Hundehalter beachten muss. Das Tierheim Bergedorf nennt 10 Tipps, die es zu beachten gilt.

3. Wofür wurde die Rasse gezüchtet? Welche rassespezifischen Probleme können auftreten? 

Außerdem sollte man sich darüber Gedanken machen, wofür die Hunderasse eigentlich ursprünglich gezüchtet wurde. „Jeder Hund hat eine ursprüngliche Aufgabe“, wissen die Tierfreunde. Holt man sich einen Herdenschutzhund, dann wird dieser auch eher den Drang haben zu beschützen, als ein kleiner Pudel. 

Aber auch Rassekrankheiten sollte man nicht außer Acht lassen. Während Französische Bulldoggen oft Schwierigkeiten mit der Atmung haben, haben viele Schäferhunde Probleme mit der Hüfte. Bestimmte Rassen können durch ihre Zuchtform in der Finanzierung deutlich teuer werden. So kann die Fellpflege bei sehr plüschigen Hunde auch zu häufigen Besuchen beim Hundefriseur führen.

4. Kann ich mir einen Hund finanziell leisten? 

Etwas, was viele Leute unterschätzen, ist der finanzielle Aspekt eines Hundes. Die Kosten für ein Tier begrenzen sich natürlich nicht nur auf die Anschaffung, heißt es vom Tierheim Bergedorf. „Tierarztkosten können schnell mal die 1000 Euro knacken. Vielleicht muss ein Tier auch speziell ernährt werden. Kann ich mir den Hund auch noch leisten, sollte ich arbeitslos werden?“ Ein Tipp: Es gibt verschiedene Versicherungen für Tiere, die gegebenenfalls für Tierarztkosten aufkommen. Wer keine Versicherung möchte, der sollte sich konsequent Geld für Notfälle bei Seite legen. 

5. Was mache ich, wenn ich mal krank werde und ins Krankenhaus oder in die Reha muss? 

„Das ist ein Punkt, an dem viele Menschen das erste Mal überlegen, den Hund vor die Tür setzen“, lautet der nüchterne Befund der Experten. „Einen Plan für Notfälle zu haben, ist ein absolutes Muss.“ Gibt es Familie und Freunde, bei denen der Hund unterkommen könnte? Und kann man sich die Pension, in denen der Hund für einen bestimmten Zeitraum unterkommen kann, leisten? 

Welche Hunderasse passt zu mir? Auch das ist eine Frage, die sich jeder künftige Hundehalter stellen sollte.

6. Wie sieht mein Alltag aus? Passt ein Hund da rein? 

Kann ich meinen Hund überall mit hinnehmen? Auf die Arbeit zum Beispiel? „Falls nein, muss man sich bewusst sein, dass es durchaus zu unerwünschtem Verhalten kommen kann“, erklärt das Tierheim Bergedorf und nennt das lautstarke Bellen oder das Zerstören von Dingen in der Wohnung aus Frust als Konsequenzen. Dieses Verhalten sei dann für beide Seiten ärgerlich, aber auch gefährlich, da für den Hund auch eine gewisse Verletzungsgefahr durch das Verschlucken von Kleinteilen besteht. 

7. Habe ich Hundeerfahrung, oder ist es mein erster Hund? 

Hier liege nach Experten-Meinung großes Potenzial für Fehler zugrunde. Man sollte den Hund händeln können und wissen, wie man mit diesem Tier oder der Rasse umgeht. „Macht man hier einen Fehler, passiert dies meist zum Leid des Hundes. Denn oft sind es genau diese Hunde, die später auffällig werden und schnell wieder abgegeben werden wollen, weil es zum Beispiel zu einem Beißvorfall kam, weil man grundlegende Fehler in der Erziehung oder Haltung gemacht hat.“ 

8. Hundeerziehung und die Frage: Was soll mein Hund lernen?

Mit eines der wichtigsten Themen bei der Anschaffung eines Hundes ist natürlich seine Erziehung. „Macht euch im Vorfeld über gute Hundeschulen schlau, und vor allem auch darüber, welche Trainingsmethoden ein No-Go sind.“ So kann eine Strafe mit der Wasserspritzpistole bei dem einen Hund funktionieren, bei dem anderen jedoch definitiv nach hinten losgehen und Ängste schüren. 

„Macht euch auch Gedanken, was eurer Hund lernen soll. Wie man ihn am besten fördert und fordert, aber eben nicht überfordert. Wie motiviert man den Hund richtig? Wie zeigt man dem Hund richtig, dass ein Verhalten falsch ist?“

9. Darf ich den Hund überhaupt halten? 

Klingt zwar banal, machen aber trotzdem Viele erst zu spät: Darf ich den Hund überhaupt bei mir in der Wohnung halten? „Klärt unbedingt im Vorfeld mit eurem Vermieter, ob er auch mit der Hundehaltung einverstanden ist. Tatsächlich eine Sache, die wir hier im Tierheim ganz oft hören“, erklären die Experten aus Ganderkesee weiter. So falle häufiger der Satz: „Wir müssen den Hund leider wieder abgeben, der Vermieter möchte das nicht“.

„Außerdem ist es für bestimmte Rassen ein absolutes Muss, sich zu informieren, ob die Haltung der Rasse in eurem Bundesland/Stadt überhaupt erlaubt ist“, erklärt das Tierheim Bergedorf weiter. Eine Rasseliste gebe es beispielsweise in Bremen und Bayern. Die genauen Reglungen der Haltung können von Bundesland zu Bundesland variieren. 

10. Was ist, wenn etwas schiefläuft?

Es gibt viele Gründe, wie es zu einem Beißvorfall oder anderem unerwünschten Verhalten kommen kann. „Sowas passiert meist nicht von jetzt auf gleich, sondern es beginnt schon lange vor einem Vorfall irgendwo zu kriseln.“ Was mache ich, wenn es wirklich dazu kommen sollte? Was ist, wenn das Training nichts bringt? Kann ich damit umgehen? Wie werde ich damit umgehen? 

„Dieser letzte Punkt ist unfassbar wichtig“, schreibt das Tierheim. Ist ein Hund erstmal auffällig geworden, habe er leider kaum noch Chancen. „Es ist wichtig, frühzeitig zu erkennen, ob ein Verhalten zum Problem werden kann. Hat ein Hund mal geschnappt und man hat nichts unternommen, kann es durchaus sein, dass dies nicht das letzte Mal war, dass er schnappen oder beißen möchte.“ Geht möglichst früh Maulkorbtraining an, auch wenn euer Hund einen friedlichen Eindruck macht, lautet die Lösung des Tierheims. „Es ist immer besser, wenn ein Hund das kennt. Auch wenn man vielleicht niemals einen Maulkorb brauchen wird.“

Rubriklistenbild: © Jan Pietruszka/Imago

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