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Das Weser-Hochwasser hat den Jachthafen und mehrere Vereinsheime am Wieltsee umschlossen. Die genauen Schäden sind noch nicht absehbar, aber die Folgen hätten noch schlimmer ausfallen können.
Dreye – Weyhe hat das Hochwasser bisher größtenteils mit dem sprichwörtlichen blauen Auge überstanden. Das war, wie berichtet, eine zentrale Botschaft beim Lagebericht von Feuerwehr und Gemeinde von Donnerstag. Die Wassermassen werden nicht zuletzt durch die Weserdeiche abgehalten. Auf der anderen Seite der Deiche hat sich dafür ein Überschwemmungsgebiet gebildet, in dem der Jachthafen und die Heime mehrerer Wassersportvereine liegen. Das genaue Ausmaß der Schäden wird erst absehbar sein, wenn das Wasser abgeflossen ist, heißt es von dort übereinstimmend. Aber auch, dass es noch schlimmer hätte kommen können.
Axel Budelmann, Hafenmeister der Marina, war „seit Heiligabend jeden Tag im Einsatz“. Seine Helfer und er haben insbesondere die Steganlagen gesichert – die Unterstützung, die sie durch ihre Kunden, auch von weit her, erfahren haben, bezeichnen Budelmann und Marina-Inhaberin Gabi Hartwig als grandios. Wie das Restaurant Smokey Island, das auf Pontons liegt, sind die Stege an Dalben befestigt, also an Pfählen. Und die hätten beim Höchststand noch vielleicht 30, 40 Zentimeter Spiel gehabt. „Viel fehlte nicht“, sagt Budelmann.
Keine Havarien im Jachthafen – Marina soll zur neuen Saison pünktlich wiedereröffnen
Laut Budelmann und Hartwig lagen geschätzt 20 Hausboote und 20 Winterlieger in der Marina (die meisten Besitzer bringen ihre Boote in ein Winterlager an Land). Gekentert sei aber keins. Auch das schwimmende Restaurant, das sich in der geplanten Winterpause befindet, hat wohl keine schweren Schäden davongetragen. Anders sieht es sicherlich mit der Elektrik, wie den Sicherungskästen für den Jachthafen, aus. Pünktlich zum Saisonstart am 1. April soll die Marina aber wieder öffnen, verspricht Hartwig.
Wie andere Gebäude am Wieltsee wäre das Vereinsheim des SV Wiking in der zurückliegenden Woche nur per Boot erreichbar gewesen. Trotzdem äußert Sprecherin Katja Ledertheil die Hoffnung, dass der Segelsportverein das Hochwasser einigermaßen unbeschadet überstehen wird. Denn zum einen steht das Vereinsheim auf Stelzen – an denen das Wasser bis zu einem Meter hoch gestanden habe. Inzwischen sei es auf rund 30 Zentimeter gesunken, sagte Ledertheil am Mittwoch. Andererseits konnte der Verein mit einem Arbeitseinsatz am Vormittag des zweiten Weihnachtsfeiertags – also bevor die Gemeinde die Deichscharten geschlossen hat – noch Boote und Gerät in Sicherheit bringen. Sie mussten dafür bereits mit dem Schlauchboot übersetzen. Aus Sicht des Vereins sei wichtig, dass die Stege heil bleiben, so die Sprecherin des SV Wiking.
Wassersportvereine am Wieltsee unterschiedlich stark betroffen
Manfred Jägeler, erster Vorsitzender des Boots-Sport-Clubs Weyhe bestätigt, dass sein Verein stark vom Hochwasser betroffen ist. Zwar steht das Vereinsheim ebenfalls auf Stelzen, hier war es aber nicht gelungen, unten gelagertes Gerät zu retten. Das Heim wäre zwar theoretisch mit dem Boot zu erreichen gewesen, allerdings ist laut Jägeler die Strömung dort so stark, dass an eine Bergung nicht zu denken gewesen sei. Was der Vorsitzende außerdem erwähnt: Als Zuwegung zum Vereinsheim dient die Landzunge zwischen kleinem und großen Wieltsee. Dort erwartet er ebenfalls größere Schäden.
Das Vereinsheim des Wassersportclubs Weyhe ist kein Stelzenbau. Laut dem zweiten Vorsitzenden Michael Maaß liegt es aber 3,5 Meter über dem normalen Pegel. Nach seinen Informationen reichte das Wasser im Vereinsheim beim Höchststand rund 20 Zentimeter über den Boden. „Es hätte schlimmer kommen können“, sagt Maaß zusammenfassend. Und: „Wir sind froh, dass unsere Boote nicht betroffen sind.“ An den Schwimmstegen hätten sich zwischenzeitlich Befestigungen ausgefädelt. Jetzt hofft der Vereinsvize, dass die nächsten Wellen unterhalb der Höhe bleiben, ab der es für die Stege kritisch wird.
Sorgenvoller Blick auf Wasserstände und Wettervorhersagen
Wie die anderen Anrainer des Wieltsees hat Maaß die Vorhersagen und Wasserstände für die Weser täglich im Blick. Zusätzliche Sorge bereitet ihnen der Frost, der zum Wochenende angekündigt ist.
Rückblickend sagen mehrere Ansprechpartner, dass sie schon Hochwasser an der Weser erlebt hätten – aber, so die Formulierung von Michael Maaß: „Mit der Höhe haben wir nicht gerechnet“, auch die „alten Hasen“ im Verein nicht. Zugleich betont er mit Blick Überschwemmungslagen wie etwa in Verden, dass man in Dreye noch vergleichsweise glimpflich davongekommen sei.
