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Die Hochwasserlage in Weyhe: Angespannt, aber stabil

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Das Hochwasser hat Weyhe weniger hart getroffen als andere Orte. Gemeindeverwaltung und Abwasser-Verband rufen nun dringend dazu auf, kein Fremdwasser mehr ins Kanalnetz einzuleiten.

Weyhe – Die Hochwasserlage bleibt auch in Weyhe angespannt, aber die Wesergemeinde ist mit einem blauen Auge davongekommen. Das war die Botschaft bei einem Pressegespräch am Donnerstag im Rathaus mit Bürgermeister Frank Seidel, Detlef Plate, Fachbereichsleiter für Ordnung und Soziales, sowie dem stellvertretenden Sudweyher Ortsbrandmeister Axel Meyer für die Feuerwehr.

Fotos aus Niedersachsen zeigen Ausmaß der dramatischen Hochwasser-Lage im neuen Jahr

Hochwasser in Niedersachsen - Ems
Blick auf das Hochwassergebiet, nachdem der Fluss Ems über die Ufer getreten ist steht das Wasser auf vielen flachen im Landkreis Emsland. © Lars Penning/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Lilienthal
Sandsäcke liegen auf einem Deich vor evakuierten Wohnhäusern an der Wörpe. In Lilienthal dürfen wegen des Hochwassers auch die Deichanlagen und die deichnahen Bereiche nicht betreten werden. © Sina Schuldt/dpa
Blick auf einen überfluteten Weg.
In Oldenburg werden noch einmal deutlich höhere Pegelstände erwartet – wegen des aktuellen Dauerregens. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Hochwasser-Sicherung: Mehrere Tonnen stehen nebeneinander und bilden ein Deichsystem.
Ein mobiles Deichsystem, bestehend aus zahlreichen mit Wasser gefüllten Behältern, steht in Oldenburg, um ein Wohngebiet vor dem drohenden Hochwasser zu schützen. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Ein Traktor fährt über eine überflutete Straße im Hochwassergebiet. Nachdem der Fluss Ems über die Ufer getreten ist, steht das Wasser auf vielen Flächen unter Wasser.
Ein Traktor fährt über eine überflutete Straße im Hochwassergebiet. Nachdem der Fluss Ems über die Ufer getreten ist, steht das Wasser auf vielen Flächen unter Wasser. © Lars Penning
Ein Hof im Bremer Ortsteil Timmersloh steht unter Wasser (Aufnahme mit einer Drohne).
Ein Hof im Bremer Ortsteil Timmersloh steht unter Wasser (Aufnahme mit einer Drohne).  © Sina Schuldt/dpa
Weite Teile des Deichvorlandes sind überschwemmt. Wasser steht auf den Feldern und zerstört das Saatgut.
Weite Teile des Deichvorlandes sind überschwemmt. Wasser steht auf den Feldern und zerstört das Saatgut. © Bartz
An der Sandkruger Straße wird der mobile Deich aufgebaut.
An der Sandkruger Straße in Oldenburg wird ein mobiler Deich aufgebaut. © Sascha Stüber/Stadt Oldenburg
Mit schwerem Gerät wurden die Deiche gesichert.
Mit schwerem Gerät wurden vielerorts in Niedersachsen die Deiche gesichert.  © dpa/Uwe Arndt
Eine kräftige Pumpe entlastet in Kirchwahlingen das örtliche Schöpfwerk.
Eine kräftige Pumpe entlastet in Kirchwahlingen das örtliche Schöpfwerk. © Meyer
Einige Regionen sind nach wie vor von Überschwemmungen betroffen. Dazu gehört unter anderem der Landkreis Verden.
Einige Regionen sind nach wie vor von Überschwemmungen betroffen. Dazu gehört unter anderem der Landkreis Verden. © Str/dpa
Luftaufnahme: Auf einem Deich bei Haren bilden zahlreiche Menschen eine Sandsand-Kette.
In Haren an der Ems bildeten Hunderte Freiwillige eine Menschenkette und halfen den Einsatzkräften beim Platzieren von Sandsäcken. © dpa/Nord-West-Media TV/Torsten Albrecht
Faeser besucht Hochwassergebiet
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) triff in Sandkrug Einsatzkräfte von Technischem Hilfswerk (THW) und der Bundespolizei.  © Markus Hibbeler
Hochwasser - Niedersachsen
Wasser steht in einer evakuierten Wohnstraße nahe der Wörpe in Lilienthal. © Focke Strangmann/dpa
Hochwasser in Niedersachsen - Achim
Bäume ragen aus dem Hochwasser der Weser in Achim-Baden. © dpa
Hochwasser - Niedersachsen
Sandsäcke und Bigbacks liegen bereit, um mit einem Hubschrauber an die Hunte bei Oldenburg gebracht zu werden. © Jörn Hüneke/xoyo/dpa
Silvester auf dem Deich: Der DLRG ist seit Tagen im Hochwasser-Dauereinsatz.
Silvester auf dem Deich: Der DLRG ist in Niedersachsen seit Tagen im Hochwasser-Dauereinsatz.  © DLRG Landesverband Niedersachsen / Facebook / Screenshot
Blick auf einen unter Wasser stehenden Spielplatz im Butendieker Gehölz.
In Lilienthal im Landkreis Osterholz steht ein Spielplatz im Butendieker Gehölz unter Wasser. © Sina Schuldt/dpa
Der DLRG ist seit Tagen im Hochwasser-Dauereinsatz, hier in Wathlingen, wo mit über 10.000 Sandsäcken ein Deich per Menschenkette gesichert wurde.
Der DLRG ist seit Tagen im Hochwasser-Dauereinsatz, hier in Wathlingen, wo mit über 10.000 Sandsäcken ein Deich per Menschenkette gesichert wurde. © DLRG Landesverband Niedersachsen / Facebook / Screenshot
Hochwasser in Achim: Ein Ortsschild von Baden unter Wasser.
Im Landkreis Verden, hier bei Achim-Baden, ist die Hochwasser-Lage weiterhin kritisch. © dpa

Meyer sprach von einer derzeit stabilen Lage. Die Zusammenarbeit mit dem Rathaus, dem Mittelweser- und dem Abwasser-Verband sowie mit Landwirten und Unternehmen hob er lobend hervor. „Das zeigt, dass Weyhe eine Gemeinde ist, die in solchen Situationen zusammenhält und solche Lagen meistert“, so Meyer.

Das zeigt, dass Weyhe eine Gemeinde ist, die in solchen Situationen zusammenhält und solche Lagen meistert.

Axel Meyer, Freiwillige Feuerwehr

„Hochwasser und Katastrophen gucken nicht in den Kalender“, sagte Frank Seidel. Der Bürgermeister unterstrich das Ziel, „vor der Lage“ zu bleiben – also auf Ereignisse vorbereitet zu sein, statt nur auf sie zu reagieren.

Die Deiche halten: Während weserseitig „Land unter“ herrscht, muss man sich auf der Landseite laut Gemeinde keine Sorgen machen.

80 Hochwasser-Einsätze für die Freiwillige Feuerwehr in Weyhe

Laut Axel Meyer hat die Freiwillige Feuerwehr Weyhe durch das Hochwasser rund 80 Einsätze verzeichnet. Unter anderem seien vollgelaufene Keller ausgepumpt und Häuser mit Sandsäcken gesichert worden. Meyer erinnerte daran, dass die Feuerwehr bei Wasser im Keller, das nur einige Zentimeter hoch ist, schon aus technischen Gründen nur bedingt helfen könne.

Zusammen mit Mitgliedern der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) habe die Feuerwehr auf dem Bauhof rund 4000 Sandsäcke befüllt. Von denen sei bisher nur kleiner Teil gebraucht worden. Detlef Plate erklärte, dass diese Sandsäcke für den Katastrophenschutz vorgehalten und nicht an Privathaushalte abgegeben werden. Diesen empfahl er den „örtlichen Handel“, um an Sandsäcke zu kommen. Sowie generell, sich schon vor Krisensituationen vorzubereiten. Hinweise lieferten Broschüren des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Renaturierung und Auslauffläche an der Hache in Weyhe haben sich bezahlt gemacht

Als Flüsse, die die Feuerwehr besonders im Auge hat, nannte Axel Meyer den Süstedter Bach, die Hache und den Hombach. Auf deren Anstieg sei das große Hochwasser der Weser gefolgt, die Deiche seien aber in gutem Zustand. „Derzeit müssen sich die Menschen keine Sorgen machen, dass wir Probleme mit der Weser bekommen“, sagte auch Plate und verwies auf die Bauweise aus Klei (entwässertem Schlick) der Weserdeiche. Bezahlt gemacht hat sich aus Sicht der Feuerwehr und der Gemeinde zudem die Renaturierung der Hache und dass dabei eine Auslauffläche angelegt worden sei.

Zusammen mit dem Lagebild hat die Gemeinde Hinweise zum Umgang mit Wasser abgegeben. Mit dem Abwasser-Verband ruft sie dazu auf, den Verbrauch gering zu halten – um eine Überlastung der Kanalisation zu verhindern (die in anderen Kommunen bereits eingetreten ist). Bei hohen Ständen des Grundwassers sowie von Gräben und Gewässern werde dem Abwasserkanalnetz sehr viel Fremd- und Regenwasser zugeführt, heißt es zur Erklärung. Dies führe zu einer Überlastung der Abwasserpumpstationen, die das Abwasser ins Kanalnetz nach Bremen fördern. Trotz Dauerbetriebs der Pumpen und der Anstrengungen des Personals beim Abwasser-Verband könne es zu Problemen kommen.

Verband warnt vor Überlastung: Kein Regen- oder Drainagwasser in den Abwasserkanal einleiten

„In diesem Zusammenhang weisen wir nochmals darauf hin, dass kein Niederschlagswasser beziehungsweise Drainagewasser in den Schmutzwasserkanal eingeleitet werden darf. Sofern Grundwasser in die Kellerräume eindringt, darf dieses Wasser beim Abpumpen ebenfalls nicht dem Abwasserkanalnetz zugeführt werden“, heißt es vom Abwasser-Verband. Abgepumptes Wasser ist also kein Fall für den Abfluss oder die Toilette (Schmutzwasserkanal), sondern für den Regenwasserkanal.

Die Pumpen im Schmutzwasserkanalsystem sind der Mitteilung zufolge nur in der Lage, anfallendes Schmutzwasser aus dem Sanitärbereich (Waschmaschine) störungsfrei zu fördern. Jegliche Einleitung von Niederschlag beziehungsweise Drainagewasser (Fremdwasser), mache eine störungsfreie Abwasserableitung schier unmöglich, lautet die Warnung.

Gemeinde: Keine Handhabe geben Grundwasser, das in Keller drückt

Zudem nutzte die Gemeindeverwaltung die Mitteilung für eine Klarstellung: Sie könne nichts dagegen unternehmen, dass derzeit Grundwasser aufgrund hoher Stände in viele Keller eindringe. Denn dies liege in der Regel an der Beschaffenheit der Gebäude beziehungsweise der jeweiligen Kellerräume.

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