- VonLea Bornerschließen
Mit 76 Jahren ist Heinrich Freytag aus Wehnsen einer der ältesten Wahlhelfer im Wahlbezirk 35 „Rotenburg I – Heidekreis“. Für ihn ist das Ehrenamt eine Freude und Pflicht zugleich. Aus 45 Jahren Erfahrung gibt es viel zu erzählen.
Visselhövede – Es macht Spaß, er trifft viele Leute und es gehöre eben dazu zum Dorfleben. Nein, hier beschreibt Heinrich Freytag nicht das abendliche Bierchen in einer Dorfkneipe, sondern seine Aufgabe als Wahlhelfer. Mit 76 zählt er zu den ältesten Helfern im Bezirk 35 „Rotenburg I – Heidekreis“. Seit rund 45 Jahren ist er bei den Wahlen in seiner Heimat Wehnsen bei diesem „Dienst am Dorf“ mit von der Partie, wenn es wieder heißt, ran an die Wahlurnen.
Kleines Dorf mit nur 90 Einwohnern
Schon sein Vater war Wahlhelfer. Heinrich Freytag ist erleichtert, dass sein Dorf nur etwa 90 Einwohner hat. „In einem größeren Dorf hätte ich da keine Lust zu, wenn tausende Wahlberechtigte kommen“, sagt er. In Wehnsen gibt es in diesem Jahr acht Wahlhelfer, ungefähr zwischen 30 und 76, schätzt er.
Am Wahltag geht es um 7.30 Uhr an die Vorbereitung des Wahlraumes im Kartoffelhus, die Tisch werden arrangiert und die Urne aufgestellt. Der Tag ist in zwei Schichten aufgeteilt, die erste geht von 8 bis 13 Uhr und die zweite von 13 bis 18 Uhr. Manchmal bleibt dann auch Zeit zum Karten spielen und natürlich zum Schnacken.
Wahlgeheimnis zu 100 Prozent geschützt
An einem abgeschirmten Tisch, der als Wahlkabine dient, wird im Kartoffelhus gewählt und der gefaltete Stimmzettel kommt dann in die Urne. Das Wahlgeheimnis sei zu 100 Prozent geschützt. Um 18 Uhr ist dann Schluss und die Auswertung steht an: Also zählen, abhaken und Stimmzettel nach Parteien sortiert häufen. Meistens gehe es auf, sonst sei der Fehler schnell gefunden. Zack, nach nur 15 bis 20 Minuten ist das Ergebnis raus, schätzt der Wahl-Experte.
Trotzdem ist die Verantwortung groß. Als Wahlhelfer muss man schon aufpassen, dass alles korrekt abläuft.
Bei der Auszählung stecken sich die Wehnsener das Ziel, die schnellsten zu sein, die ihre Ergebnisse an die Stadt Visselhövede schicken. Angesichts der Einwohnerzahl scheint kein Sprint nötig, bei den 60 bis 80 Wählern im Dorf. Jetzt bei der Bundestagswahl ist das Auswerten einfach, freut sich Freytag. Wenn bei der Kommunalwahl mehrere Stimmen verteilt werden, wird es komplizierter.
Wahl als bürgerlicher Einfluss auf Politik
„Wir wählen an dem Tag natürlich auch, aber während unserer Schicht, weil wir jedes Jahr einen freundschaftlichen Wettkampf haben, welche Schicht mehr Stimmen sammelt“, sagt er und lächelt. Für den gelernten Landwirt und ehemaligen Handelsvertreter ist sein Wahlrecht bedeutend. „Das ist die einzige Art, als normaler Bürger Einfluss auf die Politik zu nehmen“, sagt er.
Mit 18 war für ihn der Urnengang ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens, er sei etwas nervös gewesen, mittlerweile ist die Wahl längst zur Routine geworden. Trotzdem würde sich der Rentner wünschen, dass Politiker am Ende der Legislaturperiode erläutern, welche Versprechen sie eingelöst haben und welche nicht. Denn für ihn ist klar: „In der Politik braucht es mehr ehrliche Worte.“
Tradition des Wahlessens
Noch zu seiner Zeit als Ortsvorsteher führte Freytag eine Tradition ein. Ein Wahlessen für alle Helfer inklusive ihrer Partner, um sich nach getaner Arbeit zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zu treffen und gemütlich zu schnacken. Die Tradition bestehe bis heute. „Auf meine erste Einladung reagierte eine Frau und meinte, dass sie ja noch nie Wal probiert habe und fragte, ob der wohl schmeckt“, schwelgt der 76-Jährige beseelt in seinen Erinnerungen und lacht auf.
Spaß und Verantwortung als Wahlhelfer
Als Vorbereitung auf den großen Tag, gehen der Wahlvorsteher, sein Stellvertreter und der Schriftführer zur Schulung nach Visselhövede.
So vorbereitet geben sie danach die Informationen dann an ihr Team in Wehnsen weiter. „Dann heißt es schon lange: ‚Du kennst das ja bestimmt auswendig, Heinrich‘. Man kennt sich ja untereinander“, erläutert Freytag. Am Ablauf der Wahl ändere sich schließlich nichts. „Trotzdem ist die Verantwortung groß. Als Wahlhelfer muss man schon aufpassen, dass alles korrekt abläuft.“