Immense Mehrkosten

„Nix, außer unnötige Kosten“: Spediteure rechnen vor, wie teuer die Lkw-Maut bald wird

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Die Erhöhung der Lkw-Maut samt CO₂-Aufschlag kommt bei Prinzhöfter Firmen nicht gut an. Sie rechnen an Beispiel die Mehrkosten vor.

Prinzhöfte – Die Lkw-Maut wird zum 1. Dezember teurer. Ein Aufschlag in Höhe von 200 Euro pro Tonne CO₂ wird eingeführt. Die Bundesregierung plant dadurch mit Mehreinnahmen von etwa sieben Milliarden Euro pro Jahr. Diese Einnahmen sollen in den Schienenverkehr investiert werden, weil der Güterverkehr von der Straße auf die klimafreundlichere Schiene verlegt werden soll. Unsere Zeitung hat bei Speditionsfirmen in der Samtgemeinde Harpstedt nachgefragt, wie sich dieser Aufschlag auf ihr Unternehmen auswirkt und welche Meinung sie zur neuen Lkw-Maut vertreten.

Lkw-Maut steigt stark: Kiste Bier könnte „bald einen Euro mehr kosten“

„Bei uns verdoppeln sich die Mehrkosten“, sagte Christoph Mengel, Standortleiter des Speditions- und Logistikunternehmens Borchers Nordwest in Prinzhöfte. „Wir können diese Mehrkosten nicht tragen, am Ende muss das der Endkunde. Das heizt nur unnötig die Inflation an. Der Staat tut so, als würde er etwas tun. Doch es bleibt nix, außer unnötigen Kosten“, schimpfte er.

Für die vielen Fahrten mit ihren Lastwagen müssen die Firmen Borchers Nordwest und Vossmann in Prinzhöfte bald mehr Geld bezahlen.

Borchers Nordwest ist vor allem für die Lieferung von Getränken zuständig und Teil einer der größten deutschen Getränkelogistik-Gruppen, der Deutschen Getränke Logistik (DGL). Diese besteht aus einer Kooperation der Radeberger Gruppe und der Veltins Brauerei.

Mengel würde es nicht wundern, „wenn bald die Kiste Bier einen Euro mehr kostet“. Der Standortleiter rechnete ein Beispiel vor, in dem er die zukünftigen Mehrkosten miteinbezog: Wenn ein Lastwagen aus Prinzhöfte Leergut zur etwa 750 Kilometer entfernten Firma Erdinger nach Bayern transportiert und mit einem vollen Lkw wieder zurückkommt, seien das Mehrkosten von insgesamt 300 Euro – 300 Euro also auf 1500 Kilometer. Etwa 19 Cent muss die Firma Borchers Nordwest pro Kilometer mehr zahlen. „Das ist erheblich. Wir steuern etwa 50 Lastwagen“, erklärte Mengel.

Bei zwei weiteren Speditionsfirmen in der Samtgemeinde Harpstedt, die namentlich nicht genannt werden wollen, war der Ärger über die Maut-Erhöhung ebenfalls groß. Sie rechnen ebenfalls mit einer Verdopplung der Kosten.

Um Waren von A nach B zu bringen, werden die Kosten steigen. Im Zweifel muss das der Kunde bezahlen.

Auch Jonas Vossmann, Geschäftsführer der Speditionsfirma Vossmann Logistik aus Prinzhöfte, gab eine Beispielrechnung an: „Wenn wir eine Lieferung nach Hamburg bringen, sind das insgesamt 300 Kilometer. Für Hin- und Rückfahrt werden es Mehrkosten von 50 Euro für einen Lkw“, sagte er. Hochgerechnet wären das etwa 250 Euro auf 1500 Kilometer, also ähnlich viel wie bei Borchers Nordwest.

„Windschnittigere Lastwagen“ oft ohne Schlafkabine

Vossmann ist, im Gegensatz zu Borchers Nordwest, nicht so nah dran am Endkunden. Deswegen könne der Geschäftsführer keine „großartigen Angaben dazu machen, was jetzt wie viel teurer für den Endkunden wird“. Die Firma Vossmann ist vor allem im Schwerlasttransport aktiv und liefert zum Beispiel Geräte für Windkraft.

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Jonas Vossmann weist darüber hinaus darauf hin, dass die Bundesregierung mit dem CO2-Aufschlag auch erreichen wolle, dass sich Firmen „windschnittigere Lastwagen“ kaufen, die nicht so viel verbrauchen. „Dann rutscht man in eine bessere Kategorie. Das Problem ist: Diese Lastwagen haben meist keine Schlafkabine. Da können wir keine Anreize für unsere Mitarbeiter schaffen. Das ist also schwer umsetzbar.“ Was ihn ebenfalls ärgert, ist, „dass alles gebündelt kommt. Ab Januar erhöht sich ja auch die CO2-Steuer. Da zahlen wir vier Cent mehr für den Liter Sprit.“

Rubriklistenbild: © Vorwerk, Marten

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