VonUlrike Hagenschließen
Die Gurkenfische sind da! Der Stintfang ist in Elbe und Weser schon im Gang. Der zarte, kleine Fisch wurde jedoch auf die rote Liste gesetzt und gilt als stark gefährdet.
Bremen – Der zarte Stint, auch aufgrund seines charakteristischen Gurkengeruchs als „Gurkenfisch“ bekannt, wuselt wieder in den Flüssen Elbe und Weser, an der ein Passant jüngst einen rätselhaften Fund machte. Mit einer Länge von etwa 15 bis 20 Zentimetern zieht das für einen Speisefisch winzige Flossentier zwischen Februar und April die Aufmerksamkeit auf sich und bevölkert die norddeutschen Gewässer. Noch. Denn der kleine Stint, der bei Traditionalisten und Fischliebhabern als Delikatesse beliebt ist, wurde letzten Herbst in Niedersachsen auf die Rote Liste der bedrohten Tierarten gesetzt, da seine Bestände dramatisch gesunken sind.
Der Gurkenfisch ist da – die Stinte ziehen flussaufwärts
Ursprünglich in den europäischen Küstengewässern beheimatet, zieht es den Stint zum Laichen in die Flüsse. Das Wasser muss dabei mindestens neun Grad Celsius warm sein. In den Monaten von Februar bis April strömen die Schwärme aus der Nordsee flussaufwärts in Richtung Elbe und Weser, um ihre Laichgründe zu erreichen – ein Signal für den Start der Stint-Saison im Norden Deutschlands – und die Liebhaber dieser nordischen Delikatesse können wieder ihrem Genuss frönen.
Doch der Stint, ist akut gefährdet, denn seine Bestände sind stark rückläufig. Innerhalb von 15 Jahren hat die durchschnittliche Anzahl der Stinte in der Elbe um ca. 85 Prozent abgenommen. Das melden Umweltschutzverbände unter Berufung auf Monitoringberichte zur Umsetzung der europäischen Wasserrahmen-Richtlinie.
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Die Karriere des „Gurkenfisches“ alias Stint: Vom Arme-Leute-Essen zur Delikatesse
Einst war er in der Elbe, die zuletzt historisch niedrige Wasserstände verzeichnete, in großen Mengen zu finden, wie es Straßennamen wie „Stintfang“ in Hamburg oder „Stintmarkt“ in Lüneburg bezeugen. Doch aufgrund von Wasserverschmutzung und anderen Umweltfaktoren verschwand der Stint zeitweise fast vollständig. In den 1990er Jahren, nach einer Verbesserung der Wasserqualität, kehrte er zwar zurück, aber in den letzten Jahren wurden immer weniger Stinte gefangen.
„Forscher und Fischer beobachten den drastischen Rückgang der früher einmal immensen Stintbestände in der Elbe seit mehreren Jahren. Mit schwindender Lebensraumqualität und der ständigen Baggerei geht auch der Stint verloren und das hat Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem“, meldete der BUND in einer Mitteilung. Das sei höchst problematisch, weil an dem eher unscheinbaren Fisch ein komplettes Ökosystem hänge: „Schon jetzt fehlen den Seeschwalben, die an der Elbmündung brüten, Stinte als Hauptnahrung für ihre hungrigen Küken“.
Stint: Vom Speisefisch zur Rote-Liste-Art – Population sinkt bedrohlich
Früher galt der „Gurkenfisch“ als einfache Nahrung für die ärmeren Schichten der Bevölkerung. An den Ufern der Elbe wurde er in solchen Massen gefangen, dass die Bauern ihn sogar als Viehfutter oder Dünger verwendeten. In Hamburg strömten die Stinte einst in Schwärmen bis vor die Wallanlagen und wurden dort in großen Mengen gefischt, was zu der Namensgebung des Hamburger Stintfangs führte, heute auch die Adresse einer Jugendherberge am Hafen.
BUND, NABU und WWF appellieren nun gemeinsam: „Die im Rahmen der Elbvertiefung ausgebaggerte Fahrrinnentiefe darf nicht auf Kosten von Stint, Seeschwalbe und des ganzen Lebens in der Elbe aufrechterhalten werden. Der Stint, der in Hamburg noch auf den Tisch kommt, kommt nicht aus der Elbe, sondern aus anderen Gewässern. Es wird Zeit, dass wir Verantwortung für die Arten und Lebensräume vor unserer Haustür übernehmen.“
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