VonUlrike Hagenschließen
VW bereite sich auf einen Produktionsstopp an niedersächsischen Standorten vor. Tausenden Mitarbeitern drohe die Kurzarbeit, so Medienberichte. VW nimmt Stellung.
Update vom 24. Oktober, 14:55 Uhr: Eine Sprecherin des Volkswagen-Konzerns nimmt zur aktuellen Situation Stellung: „Nach heutigem Stand (Freitag, 24. Oktober) ist die Fahrzeug-Produktion an den Standorten Wolfsburg, Emden, Zwickau, Osnabrück und Dresden in der kommenden Woche abgesichert – und zwar bis einschließlich Donnerstag, 30. Oktober“. Am Freitag, 31. Oktober, ruhe die Produktion aufgrund eines Feiertags in Niedersachsen und Sachsen ohnehin: „Auch in allen anderen deutschen Produktionsstandorten des Volkswagen-Konzerns ist der Betrieb in der kommenden Woche nach heutigem Stand abgesichert.“
Vor dem Hintergrund der dynamischen Lage könnten „kurzfristige Auswirkungen auf das Produktionsnetzwerk des Volkswagen-Konzerns jedoch weiterhin nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden“.
Erstmeldung vom 23. Oktober 2025, 17:32 Uhr: Wolfsburg – Die Chip-Krise erreicht Volkswagen mit voller Wucht: Wegen Lieferproblemen beim niederländischen Hersteller Nexperia droht dem VW-Stammwerk in Wolfsburg ein Produktionsstopp schon ab nächster Woche. Tausende Mitarbeiter in Niedersachsen könnten in Kurzarbeit geschickt werden, so Medienberichte. Nun äußerte sich VW zu den Gerüchten. Auch Ministerpräsident Olaf Lies schlägt Alarm.
Es ist eine Meldung, die Tausende Familien in Niedersachsen in Unruhe versetzt: Volkswagen bereite sich auf einen möglichen Produktionsstopp im Stammwerk Wolfsburg vor, berichtete die BILD mit Verweis auf Zuliefererkreise. Der Grund sei ein dramatischer Mangel an Halbleitern, der durch den Handelsstreit zwischen China und den USA ausgelöst wurde. Der umstrittene Chiphersteller Nexperia stehe dabei im Fokus des Handelskonflikts. Bereits ab kommender Woche könne die Produktion wichtiger Modelle wie Golf und Tiguan zum Erliegen kommen, heißt es.
Vor dem Hintergrund der dynamischen Lage können Auswirkungen auf die Produktion kurzfristig nicht ausgeschlossen werden.
Chip-Krise spitzt sich zu: VW äußert sich zu möglichem Produktionsstopp in Niedersachsen
Eine Sprecherin der Volkswagen-Gruppe sagte dazu auf Anfrage von IPPEN.MEDIA: „Nexperia ist kein direkter Lieferant des Volkswagen Konzerns. Allerdings werden einige Nexperia-Bauteile in unseren Fahrzeug-Komponenten verwendet, mit denen uns unsere direkten Lieferanten versorgen“.
Derzeit sei die Produktion noch unbeeinträchtigt: „Vor dem Hintergrund der dynamischen Lage können Auswirkungen auf die Produktion kurzfristig jedoch nicht ausgeschlossen werden“. Man stehe in engem Kontakt mit allen relevanten Beteiligten „vor dem Hintergrund der aktuellen Lage, um frühzeitig mögliche Risiken zu identifizieren und über entsprechend notwendige Maßnahmen entscheiden zu können“.
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Der VW-Betriebsrat erklärte, dass sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen lasse, in welchem Maße der Volkswagen-Konzern von den Lieferproblemen des Weltmarktführers Nexperia betroffen sei, der Gesamt- und Konzernbetriebsrat jedoch im engen Austausch mit den Verantwortlichen stehe: „Ziel muss es sein, die Situation gleichermaßen im Sinne des Unternehmens und der Beschäftigten zu bewältigen“. Dabei sei klar: „Hier geht es um einen politischen Konflikt. Wirtschaftliche Akteure allein können ihn nicht lösen. Dies muss auf höchster politischer Ebene passieren.“
In der Handelsauseinandersetzung zwischen China und den USA geraten jetzt die europäischen Autobauer und ihre Zulieferer zwischen die Fronten. Das sind längst keine Kollateralschäden mehr.
„Zeit drängt“: Niedersachsens Ministerpräsident fordert europäische Lösungen ein
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) äußerte sich am Donnerstag (23. Oktober) besorgt: „Die Zeit drängt; in diesem konkreten Fall braucht Europa schnell eine Lösung – eher heute als morgen, bevor Bänder stillstehen.“ Resiliente Lieferketten seien kein Luxus, sondern ein zentraler Standortfaktor: „Das führt uns die aktuelle Entwicklung bitter vor Augen“. Abhängigkeiten in Schlüsseltechnologien seien in jeder Hinsicht misslich und machten verletzlich: „In der Handelsauseinandersetzung zwischen China und den USA geraten jetzt die europäischen Autobauer und ihre Zulieferer zwischen die Fronten. Das sind längst keine Kollateralschäden mehr.“
Mittelfristig gelte: Um die dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit der europäischen und der deutschen Zulieferindustrie zu sichern, gehe es nicht nur um Energiepreise und bessere Rahmenbedingungen für die Elektromobilität, sondern auch darum, „dass wir in Europa eigene Kapazitäten bei der Produktion von Schlüsselkomponenten wie Halbleitern, Batteriezellen und grünen Materialien aufbauen und strategisch absichern“.
Ebenso müssten Partnerschaften mit befreundeten Industriestandorten vertieft werden: „Nur wenn wir technologische Souveränität und internationale Vernetzung zusammendenken, sichern wir die Zukunftsfähigkeit unseres Industriestandorts.“
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