Stammwerk betroffen

Volkswagen verhindert Stillstand in letzter Minute: Produktion läuft trotz Chipkrise

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  • Max Schäfer
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Volkswagen kann trotz der Lieferprobleme bei Halbleitern vorerst weiter produzieren. Zumindest nächste Woche reichen die Chips noch.

Update vom 24. Oktober, 12.02 Uhr: Trotz der Chipkrise ist es dem Autobauer Volkswagen gelungen, die Produktion an allen deutschen Standorten bis einschließlich Donnerstag (Freitag ist in Niedersachsen und Sachsen ein Feiertag und die Fertigung ruht) weiterzuführen. Dies gelte auch für die VW-Töchter Audi und Porsche, berichtet die Bild.

Der Zeitung zufolge sei der Stillstand in letzter Minute abgewendet worden. „Die Einkäufer haben einige Bestände an Halbleitern auftreiben können“, sagte eine beteiligte Person der Bild. Zudem sei die Aussetzung der Produktion an diesem Donnerstag und Freitag hilfreich gewesen – offiziell wegen einer vorgezogenen Inventur, die aber laut der Zeitung internen Unterlagen zufolge mit den aktuellen Engpässen begründet wurde.

Die Produktion bei VW läuft auch nächste Woche weiter. (Archivbild)

Volkswagen bereitet den Produktionsstopp am Stammwerk in Wolfsburg vor.

Update vom 23. Oktober, 13.37 Uhr: Volkswagen steckt mitten in der Chip-Krise. Nach außen dringt wenig, doch nun vollzieht der Konzern einen Wechsel auf höchster Ebene. Der Vorstand für Beschaffung wird ausgetauscht. Karsten Schnake, bisher Vorstand für den Einkauf bei Skoda, soll den Posten bei der Marke VW übernehmen. Offizieller Termin ist der 1. November.

Der bisherige Amtsinhaber Dirk Große-Loheide scheide dagegen „im Rahmen einer länger geplanten Altersregelung“ aus, teilte die VW-Gruppe mit. Einen Zusammenhang mit den aktuellen Problemen und dem drohenden Produktionsstopp in mehreren VW-Werken soll es damit nicht geben. „In herausfordernden Zeiten hat Dirk Große-Loheide die Beschaffung neu ausgerichtet und eine zukunftsweisende Einkaufsstrategie entwickelt“, würdigte VW-Konzernchef Oliver Blume die Leistung des früheren Vorstandsmitglieds.

VW-Schock fürs Stammwerk: Golf-Produktion ab nächster Woche gestoppt – es droht noch mehr

Update vom 22. Oktober, 14.09 Uhr: Wegen anhaltender Engpässe bei der Halbleiter-Versorgung plant Volkswagen einen Baustopp wichtiger Modelle. Wie die Bild unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, soll bereits am kommenden Mittwoch die Golf-Produktion im Stammwerk Wolfsburg ausgesetzt werden.

Neben dem Golf sind auch weitere Modelle wie der Tiguan von dem geplanten Produktionsstopp betroffen. Laut Bild sollen schrittweise auch die Arbeiten in anderen VW-Fabriken eingestellt werden. Das VW-Management warnte die Mitarbeiter bereits in einem internen Schreiben vor möglichen kurzfristigen Produktionsausfällen, betonte jedoch, dass die Fertigung derzeit noch nicht beeinträchtigt sei.

Der Konzern erwägt zudem die Beantragung von Kurzarbeit. Nach Informationen aus Zuliefererkreisen verfügt VW noch über ausreichend Material für diese Woche - bereits nächste Woche könnten die Halbleiter-Bestände jedoch aufgebraucht sein.

Chip-Mangel bei VW? Umstrittene Hersteller Nexperia im Zoll-Streit

Update vom 22. Oktober: Nach den Berichten um einen drohenden Produktionsstopp bei Volkswagen hat sich das Unternehmen zu Wort gemeldet. Der umstrittene Chiphersteller Nexperia, der derzeit im Fokus des Handelskonflikts zwischen den USA und China ist, sei kein „direkter Lieferant des Volkswagen-Konzerns“, stellte ein Sprecher auf Ippen.Media-Anfrage klar. „Allerdings werden einige Nexperia-Bauteile in unseren Fahrzeug-Komponenten verwendet, mit denen uns unsere direkten Lieferanten versorgen.“

Die Fertigung des VW-Golfs soll im Stammwerk in Wolfsburg „temporär ruhen“. (Archivfoto)

Die Produktion sei dennoch derzeit „unbeeinträchtigt“, erklärte der Volkswagen-Sprecher. „Wir stehen in engem Kontakt mit allen relevanten Beteiligten vor dem Hintergrund der aktuellen Lage, um frühzeitig mögliche Risiken zu identifizieren und über entsprechend notwendige Maßnahmen entscheiden zu können.“ Gleichzeitige erhöhe das Unternehmen „die Transparenz unserer Lieferkette“. Das Ziel sei, „deren Belastbarkeit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten“. Zum Bild-Bericht über die drohende Kurzarbeit für Zehntausende Beschäftigte äußerte sich der Konzern nicht.

Tatsächlich soll jedoch die Produktion im Wolfsburger Stammwerk auf den Linien der Modelle Golf und Tiguan „temporär“ ruhen. „Etwaige Auswirkungen aufgrund eines möglichen Engpasses bei der Verfügbarkeit von Bauteilen stehen damit in keinem Zusammenhang“, stellte der Volkswagen-Sprecher klar. Grund sei dagegen eine „vorgesehene Inventurmaßnahme“. Diese soll am Freitag, 24. Oktober, beginnen. Anfang der kommenden Woche plant VW wieder den Regelbetrieb in der Fertigung.

Medienbericht: VW bereitet Produktionsstopp vor – Tausenden Mitarbeitern droht Kurzarbeit

Erstmeldung, 21. Oktober: Wolfsburg – Volkswagen soll einen Produktionsstopp wichtiger Modelle vorbereiten. Zunächst soll die Produktion des Golfs am Hauptstandort in Wolfsburg gestoppt werden, danach soll es den Tiguan treffen. Das berichtet die Bild-Zeitung mit Verweis auf Kreisen der Zuliefererindustrie.

Grund für den drohenden Produktionsstopp bei VW sei demnach ein Engpass bei der Versorgung mit Halbleitern. Dieser könnte nicht nur den Wolfsburger Autobauer treffen, sondern die gesamte Autoindustrie, heißt es in der Meldung. Hintergrund soll der Streit um den Chiphersteller Nexperia sein. Dessen Bauteile werden laut Bild nicht von den Autobauern selbst, sondern von Zulieferern eingebaut.

Volkswagen droht der Produktionsstopp: Streit um Chiphersteller ist Ursache

Im Streit um die wichtigen Bauteile zwischen den USA und China hatten die Niederlande die Kontrolle über Nexperia übernommen. Diese gehört jedoch zum chinesischen Technologieunternehmen Wingtech. Als Reaktion hat China den Export von Teilen aus dem Land untersagt. Konsequenz: Die Produktion von Chips ruht teilweise.

Für Volkswagen und andere Autobauer hat das Folgen. Denn für bestimmte Chips von Nexperia gibt es keine wirklichen Alternativen. Für die laufende Woche soll VW noch ausreichend Material haben, um die Produktion aufrechterhalten zu können, berichtet die Bild mit Verweis auf Konzernkreise. Bereits in der kommenden Woche könnten die Halbleiter jedoch verbaut sein. Dann wäre der Produktionsstopp für einige Modelle die Konsequenz.

VW hat genug Material für die kurzfristige Produktion – doch Beschäftigten droht Kurzarbeit

Die Situation am Halbleitermarkt werde kontinuierlich analysiert, zitierte die Bild einen Volkswagen-Sprecher. Für die kurzfristige Produktion sei Material vorhanden.

Ein Produktionsstopp hätte für die VW-Beschäftigten Konsequenzen. Vertreter des Unternehmens haben dem Bericht zufolge bereits mit der Arbeitsagentur Kontakt aufgenommen, um für Teile der Belegschaft Kurzarbeit zu beantragen. Zunächst wären „einige Tausend Beschäftigte“ betroffen, „später könnten es Zehntausende Mitarbeiter sein, die in Kurzarbeit geschickt werden müssen“, will die Bild aus „Branchenkreisen“ erfahren haben.

Produktionsstopp könnte Krise bei VW noch verschärfen

Volkswagen hat ohnehin Probleme. Das Unternehmen muss den Rückgang auf den wichtigen Märkten in China und den USA verkraften, die Trump-Zölle erschweren die Lage bei VW, hinzu kommen hohe Investitionen in Produkte und Technologien. Allein für das kommende Jahr benötige das Unternehmen für diese Investitionen elf Milliarden Euro, soll Finanzchef Arno Antlitz intern gewarnt haben.

Bereits in der Corona-Pandemie hatten deutsche Autobauer Probleme, an Chips für ihre Produktion zu kommen. Auch da setzten die Konzerne auf Kurzarbeit. Als Reaktion hatten Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW ihre Versorgung breiter aufgestellt.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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