VonUlrike Hagenschließen
Welche Themen bewegen die Menschen in Niedersachsen vor der Bundestagswahl? Eine aktuelle Umfrage zeigt, wo für die Menschen im Norden Prioritäten setzen.
Hannover – Deutschland hat die Wahl – und damit auch die Wählerinnen und Wähler in Niedersachsen. Vor der Bundestagswahl am 23. Februar zeigen nun neueste Umfragen, welche Themen den Ausschlag für die Wahlentscheidung geben könnten. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hat dafür rund 25.000 Niedersachsen und mehr als 3600 Menschen aus Hannover befragt.
Bildung und Wirtschaft im Fokus: Was die Niedersachsen vor der Bundestagswahl 2025 bewegt
Das Ergebnis: Trotz der bundesweiten Debatten rund um Migration und Sicherheit stehen für die Menschen in Niedersachsen andere Themen im Vordergrund, so die Ergebnisse des RND-Wahlkompasses., einer empirischen Online-Umfrage unter bundesweit über 81.000 Lesern und Leserinnen.
An erster Stelle der drängendsten Fragen liegt die Bildungspolitik mit 57 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Wirtschaft und Standortsicherung (52 Prozent) sowie Gesundheit und Pflege (51 Prozent). Erst an vierter Stelle wird Migration genannt.
Bundestagswahl 2025: Niedersachsen fordern vor Investitionen vor allem in Infrastruktur und Bildung
Die nächste Bundesregierung sollte nach Meinung der Niedersachsen vor allem in Infrastruktur investieren. 48 Prozent der Befragten fordern hier mehr Mittel. Folgerichtig auch: Knapp dahinter folgen schon Bildung und Hochschulen (46 Prozent) sowie die Bundeswehr und Verteidigung (44 Prozent).
Bei den Einsparungen sehen die Niedersachsen vor allem die Pensionen für Staatsbedienstete kritisch: Mehr als die Hälfte (52 Prozent) spricht sich für eine Reduzierung dieser Ausgaben aus. Auch beim Bürgergeld (48 Prozent) und den Integrationskosten (34 Prozent) wünschen sich viele weniger staatliche Mittel.
Sorgen vor internationalen Konflikten und gesellschaftlicher Spaltung nehmen zu
Fast jeder dritte Niedersachse empfindet sein Wohnumfeld als unsicherer als früher (29 Prozent). Kriminalität am Wohnort beeinflusst bei einem Viertel das Sicherheitsempfinden. Weit größere Sorgen bereiten jedoch internationale Konflikte (65 Prozent) und eine mögliche gesellschaftliche Spaltung (62 Prozent).
Wahlkompass zeigt: Niedersachsen setzen auf erneuerbare Energien
In der Energiepolitik setzen die Niedersachsen auf erneuerbare Energien. Solarenergie (80 Prozent) und Windkraft (79 Prozent) genießen breite Zustimmung. Atomkraft sehen immerhin 36 Prozent als sinnvolle Alternative, während fossile Energieträger wie Erdgas (21 Prozent) und Erdöl (7 Prozent) kaum noch eine Rolle spielen.
Explodierende Mieten und teure Lebensmittel als drängende Themen
Die steigenden Lebenshaltungskosten stellen viele Niedersachsen vor Herausforderungen. 65 Prozent empfinden die Preise für Lebensmittel als stark belastend, 64 Prozent beklagen hohe Wohnnebenkosten. Steigende Steuern und Abgaben (45 Prozent) sowie Gesundheits- und Pflegekosten (41 Prozent) sind weitere Sorgenfaktoren.
Aussetzen der Schuldenbremse und Vermögenssteuer statt allgemeiner Steuererhöhungen
Eine deutliche Mehrheit von 68 Prozent spricht sich für die Einführung einer Vermögenssteuer aus, um staatliche Aufgaben zu finanzieren. Allgemeine Steuererhöhungen lehnen hingegen 92 Prozent ab. Stattdessen können sich fast 50 Prozent vorstellen, die Schuldenbremse vorübergehend auszusetzen.
Besonders diese Umfrage-Ergebnisse des Wahlkompasses könnten Hinweise darauf liefern, warum Die Linke in den neuesten Umfragen zur Bundestagswahl die größten Zugewinne verzeichnet: Die Partei setzt in ihrem Wahlprogramm vor allem auf soziale Gerechtigkeit und Umverteilung, kündigte einen Kampf gegen Mietwucher und steigende Lebensmittelpreise an – und erreicht damit 9 Prozent und somit ein Plus von 3 Prozentpunkten im Vergleich zur Vorwoche.
| Partei | Umfrage-Ergebnis in % |
|---|---|
| CDU/CSU | 27 |
| AfD | 20 |
| SPD | 17 |
| Grüne | 12 |
| BSW | 5 |
| FDP | 4 |
| Linke | 9 |
| Sonstige | 6 |
Quelle: YouGov. Erhebungszeitraum 14.02. bis 17.02.
Zuwanderung: Dreiviertel der Niedersachsen ist dafür, Menschen Schutz vor Kriegen zu bieten
Die Mehrheit der Niedersachsen steht Zuwanderung positiv gegenüber. 73 Prozent bejahen die Aufnahme von Geflüchteten aus Kriegsgebieten, und 65 Prozent unterstützen die Einwanderung von Fachkräften. Dennoch gibt es auch kritische Stimmen: 43 Prozent befürworten eine feste Obergrenze für Migration, und eine Mehrheit sieht durch Zuwanderung eine Überlastung des Sozialsystems (56 Prozent) sowie Probleme in Kitas und Schulen (62 Prozent).
Gleichzeitig lehnt nur eine kleine Minderheit von knapp 9 Prozent Zuwanderung grundsätzlich ab. Allerdings – so schränkt das RND ein, endete die anonyme Umfrage am 23. Januar – kurz vor der Zuspitzung im Streit um die Migrationspolitik.
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