Das Hochwasser offenbart die Schwachpunkte im Schutzsystem des Landkreises Verden. Die CDU will auch Verbesserungen bei den Deichanlagen in Hönisch und Bierden.
Verden/Achim – Die vergangenen Hochwasserlagen brachten es an den Tag. Fluten im Fischerviertel, schwierige Lagen an Deich-Teilbereichen. Mit einem Antrag an das Verdener Rathaus sowie einer Stellungnahme reagiert die CDU auf die Situation. Für das Verdener Bollwerk soll demzufolge ein mobiler Deich beschafft, die beiden Deich-Sorgenkinder in Hönisch und Bierden sollen verlegt oder zumindest verstärkt werden.
Schon mehrfach wurde an der Flussseite der Verdener Altstadt eine Sicherungsmaßnahme auf den Weg gebracht. Dies allerdings als feste Schutzmauer, als Erhöhung des Bollwerkes, die unter den Anliegern regelmäßig scharfen Widerstand auslöste. Eines der Argumente: Damit werde der malerische Blick auf die Stadtsilhouette verschandelt. „Deshalb jetzt der Vorschlag eines mobilen Deiches“, erklärt CDU-Fraktionschef Jens Richter auf Nachfrage. In Braunschweig habe er sich am Wochenende ein solches Exemplar angesehen, das bis zu einer Höhe von 3,50 Metern emporgearbeitet werden könne, und das Ergebnis sei eindeutig ausgefallen. „Die Einsatzkräfte waren mit der Wirkung sehr zufrieden“, sagt er. „Ideal auch für die Aufbauteams. Ein 100 Meter langer Schutzwall mit 60 Zentimetern Höhe kann von ein bis zwei Personen in etwas mehr als einer halben Stunde errichtet werden“, ergänzt Christdemokrat Lukas Reipert. Allerdings lege sich die CDU nicht schon jetzt auf ein mobiles System fest. Welche Ausführung zu beschaffen sei, solle in kommenden Ausschusssitzungen geklärt werden.
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Fest steht indes, welche Länge zu überbrücken ist. Im Hochwasserschutzkonzept der Stadt, im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht, ist von 385 Metern die Rede, die abzusichern seien. Damals galt im Wesentlichen eine stationäre Wand noch als Ideallösung – mit allen optischen Problemen, die sie mit sich bringt. Das in Braunschweig eingesetzte System indes besteht aus Modulschläuchen, die mit Wasser gefüllt werden, einer Netzhülle und einer darüberliegenden Dichtungsplane. Einsatzmöglichkeiten seien nicht nur Hochwasserlagen, genutzt werden könne das System zudem bei Leckagen, die den Umweltschutz bedrohen, der Bereitstellung von großen Löschwassermengen oder der Löschwasserrückhaltung.
Gleichzeitig weist Wilhelm Hogrefe, CDU-Fraktionschef im Kreistag, auf die Sorgenkinder unter den Deichen im Kreis Verden hin. Es sei zwar in den vergangenen 20 Jahren viel für den Schutz getan worden, allerdings fehlten noch bedeutende Abschnitte, so vor Hönisch der Neubau des Allerdeichs mit der Rückverlegung an die Bundesstraße. Dieser Abschnitt sei wegen des anströmenden Wassers besonders bruchgefährdet. Bei einem Bruch würden das Aller-Weser-Dreieck und die Gemeinde Dörverden überflutet. „Beim Jahrhunderthochwasser 1946 standen die Fluten an der Hönischer Kreuzung mannshoch“, sagt Hogrefe.
Ebenso gefährdet sei der Corporalsdeich in Achim-Bierden, der den westlichen Teil der Stadt und angrenzende Stadtteile von Bremen vor Überflutungen schützt. Auch hier müsse zugig saniert werden. Insgesamt leben 12 000 Menschen im Kreis in den Flutgebieten. Hogrefe warnte davor, die geplanten Kürzungen beim Katastrophenschutz im Bundeshaushalt des laufenden Jahres tatsächlich vorzunehmen. „Im Gegenteil. Die Mittel sollten jetzt unbedingt vom Bund und den Ländern erhöht werden“, so der Christdemokrat.