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„Urlauberabzocke“ in Cuxhaven? Mysteriöse Kosten sorgen für Ärger bei Gästen – Hotel reagiert

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Umweltsteuer oder Bettensteuer – die dubiosen Gebühren, die Touristen in Cuxhaven neben der Kurtaxe zahlen müssen, haben diverse Namen. Dem Nordseeheilbad sind die Hände gebunden.

Niedersachsen – „Ich habe eine Frage zum Cuxhaven-Urlaub“, schreibt eine Frau in eine Cuxhaven-Gruppe bei Facebook. Sie müsse zusätzlich zur Kurtaxe pro Tag eine „Umweltabgabe“ in Höhe von fünf Euro bezahlen. „Ist das richtig?“, möchte sie wissen. Sechs Personen wollen laut ihres Beitrags eine sechstägige Reise nach Cuxhaven in Niedersachsen antreten. Dadurch ergibt sich für alle zusammen ein Gesamtbetrag von 180 Euro. Die Kurtaxe komme noch hinzu. Viele Nutzer sind von dem Betrag schockiert.

Cuxhavens Hotels verlangen dubiose Gebühren: Handelt es sich um „Urlauberabzocke“?

„Urlauberabzocke?“, befürchtet ein Gruppenmitglied. Eine Frau wundert sich: „Fünf Euro Umweltabgabe zuzüglich zum Gästebeitrag? Noch nie was von gehört.“ Manche sind regelrecht erbost. „In dem Fall sollte man, wenn möglich, stornieren und sich etwas anderes suchen. Das ist ja die reinste Abzocke!“, schreibt ein Nutzer und fügt noch einen wütenden Smiley, mit hochrotem Kopf hinzu. Was aber allen Kommentaren zu entnehmen ist: Es gibt diverse Bezeichnungen für Zusatzgebühren, die Gastgeber von ihren Nordsee-Urlaubern verlangen.

Auch der Marktkauf in Cuxhaven, Abschnede, geriet kürzlich in Kritik. Neuerungen machen Stammkunden zu schaffen.

Hotels haben „unternehmerische Freiheit“ – Umweltsteuer ist in Cuxhaven nicht verbreitet

Ob Bettensteuer, Umweltpauschale, Reinigungsgebühr oder Energiepauschale – die Namen für etwaige Zusatzkosten in Hotels oder Ferienwohnungen scheinen ganz unterschiedlich zu sein. Aus den Facebook-Kommentaren geht auch hervor, dass diese Gebühren von Unterkunft zu Unterkunft variieren. Katharina Ziersch, Pressesprecherin Nordseeheilbad Cuxhaven, bringt Licht in das Dunkle: „Die in dem Facebook-Beitrag genannte ‚Umweltsteuer‘ ist in Cuxhaven nicht verbreitet und unterliegt der unternehmerischen Freiheit der Vermieter.“ Dem Gast stehe es frei, sich bei einem Vermieter zu erkundigen, für welche Leistungen er zusätzliche Kosten verlangt.

In verschiedenen Cuxhavener Unterkünften werden offenbar dubiose Gebühren bezogen. Handelt es sich um „Urlauberabzocke“? (Symbolbild)

„Dieser muss die Leistungen belegen, die er mit diesem Geld zu finanzieren gedenkt“, sagt Ziersch. Etwaige Zusatzkosten schon vor der Buchung transparent darzulegen, sei wichtig. Sie erst auf einer Endabrechnung aufzuführen, ist sogar verboten. Auf die Frage, ob es seitens des Cuxhavener Tourismusmanagments eine Art „Deckel“ gibt, der Preise von Zusatzgebühren nach oben abriegelt, antwortet Ziersch: „Einen Deckel, wie Sie es nennen, gibt es dafür nicht.“ Der Markt regele sich selbst: Werden zusätzliche Gebühren von Unterkünften zu teuer, buche diese niemand. „Es wird schnell wieder abgeschafft.“

Keine „Urlauberabzocke“ in Cuxhaven: Hotels verlangen zu Recht Gebühren – Nordseeheilbad klärt auf

Außerdem seien nicht alle im Beitrag genannten Gebühren oder Steuern automatisch Einnahmen der Gastgeber. Ziersch sagt: „Die Übernachtungssteuer, auch Bettensteuer genannt, ist eine kommunale Abgabe des Vermieters an die Stadt.“ Diese müsse nicht auf der Rechnung für den Gast ersichtlich sein. Sie beträgt immer 2,75 Prozent des Zimmerpreises. Eine Endreinigungsgebühr sollte immer im Zimmerpreis enthalten sein. „Die Gebühr mit einem festen Betrag zusätzlich auszuweisen, ist unzulässig“, sagt die Pressesprecherin. „Es sei denn, der Gast hat die Option, das Ferienobjekt selbst zu reinigen.“

Hotel äußert sich: Vermeintliche „Urlauberabzocke“ in Cuxhaven ist technischer Fehler

Unsere Redaktion hat das Hotel ausfindig gemacht, das die Urlauberin in ihrem Beitrag kritisiert. Namentlich möchten die Cuxhavener Betreiber nicht genannt werden. Das Ausweisen der Umweltpauschale habe bereits für genug Aufruhr gesorgt. Es handelt sich allerdings um ein großes Missverständnis. „Wir haben die Umweltpauschale im letzten Winter aufgrund der Energiekrise bei booking.com angegeben“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Hotels gegenüber kreiszeitung.de.

Niedersachsen und Schleswig-Holstein: Die 9 schönsten Strände für eine Reise mit dem 49-Euro-Ticket

Juist Strand Niedersachsen Ostfriesische Inseln
Weißer, feiner Sand und Dünengras zeichnen den Strand der Ostfriesischen Insel Juist aus. Auch dieser Strand ist mit Regionalbahnen und somit durch das Deutschlandticket einfach erreichbar. Ähnlich wie bei der Insel Norderney ist die Endhaltestelle der Züge der Bahnhof Norddeich (Mole). Regionalzüge aus Bremen über Oldenburg steuern diesen Bahnhof an. © IMAGO / Wirestock
Norderney Strand Sonnenuntergang
Die Ostfriesische Insel Norderney ist wohl ein Strand-Klassiker. Ausgezeichnet durch feinen Sand, erstreckt sich der Strand ganze 15 Kilometer. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Deutschlandticket ist die Insel gut zu erreichen. Direkt am Fähranleger befindet sich die Bahnstation. Der RE 1 klappert auf dem Weg dorthin direkt mehrere Orte ab, in denen Urlauber zusteigen können – unter anderem Emden, Oldenburg, Delmenhorst oder Bremen Hauptbahnhof.  © Imago/JanisMEYER/Priller&MAUG
Strand in Cuxhaven Duhnen Döse
Mit dem Wattwagen nach Neuwerk, zum Wattwandern oder in der Nordsee baden – wer aus Bremen oder Hamburg kommt und einen Kurzurlaub an der Küste plant, bekommt in Cuxhaven sogar mehr als nur Sandstrand geboten. Von Hamburg aus fährt der RE5 direkt bis nach Cuxhaven. Wer aus Bremen mit dem Deutschlandticket anreist, wählt die NWB RS2 und steigt in Bremerhaven in den Zug EVB RB33. © IMAGO/Torsten Krüger
Sandstrand Neuharlingersiel
Es mutet an, wie der Strand einer Ostfriesischen Insel, ist aber Neuharlingersiel. Bei 10 Hektar Fläche ist genug Platz am Strand, um zu entspannen und dem Meer zu lauschen. Wer von Oldenburg aus mit dem Deutschlandticket anreist, steigt in den RE1 Richtung Norden und hat dann nur noch eine kurze Busreise vor sich. Alle, die am Bremer Hauptbahnhof ankommen, steigen in den Bus F20. Dieser fährt bis zum Anleger, Neuharlingersiel. Von dort aus ist es zu Fuß nicht mehr weit. Die Buslinie K1 fährt aber auch in zwei Minuten direkt zum Strand. © IMAGO / Panthermedia
Strand Küste Ostfriesland Schillig
Ebenfalls ein echter Geheimtipp ist der zweieinhalb Kilometer lange Sandstrand von Schillig. Nördlich von Wilhelmshaven gelegen, ist er gut vom Oldenburger Hauptbahnhof aus mit dem Deutschlandticket zu erreichen. Die NWB RE18 bringt Urlauber nach Wilhelmshaven Hauptbahnhof. Von dort aus fährt die Buslinie 121 direkt in den kleinen Ort an der Nordsee. © IMAGO / imagebroker
Strandabschnitt zwischen Wenningstedt und Kampen auf Sylt
Ob Westerland, List oder Kampen, Sylt lockt jährlich bis zu 4,8 Millionen Übernachtungsgäste auf die Insel. Doch keine Sorge, Platz ist genug: Ungefähr 40 Kilometer lang misst der weiße Sandstrand. Der RE6 fährt direkt von Hamburg Altona durch, ohne Umstieg. Aber auch von kleiner Orten aus Schleswig-Holstein wie Bredstedt und Niebüll fahren Regionalzüge, in denen das Deutschlandticket gültig ist, zur Insel. © IMAGO/Chris Emil Janssen
Strand Pellworm
Es muss nicht immer Sandstrand sein, um ein maritimes Urlaubsgefühl zu bekommen, oder? Die Insel Pellworm ist zwar beliebt, aber längst nicht so populär wie ihre „großen Schwestern“ Sylt und Föhr. Dabei ist Pellworm genauso leicht mit dem Deutschlandticket zu erreichen: Wie bei der Anreise nach Föhr, müssen Urlauber von Hamburg aus lediglich einmal in Niebüll umsteigen.  © IMAGO / Panthermedia
Steg bei Sonnenuntergang auf der Insel Föhr
Wyk auf der Nordfriesischen Insel Föhr verfügt nicht nur über einen malerischen Sandstrand, sondern auch über eine gute Zuganbindung. Direkt am Fähranleger befindet sich die Bahnstation Dagebüll Mole. Zwar steuern diesen vorwiegend Intercity Züge als Direktverbindung an, mit dem RE 60 und einem Umstieg in Niebüll können Hamburger aber ebenfalls per Deutschlandticket den Fähranleger erreichen. © IMAGO / imagebroker
Strandkorb in Sankt Peter Ording
Lange Stege, die vom Ortskern über die Dünen zum Strand führen sowie die Pfahlbauten, sind das Markenzeichen von St. Peter-Ording in Schleswig-Holstein. Wer hier in der Sonne auf dem Handtuch liegen oder im Strandkorb sitzen möchte, kommt entspannt von Kiel, Hamburg oder Westerland (Sylt), mit einem Umstieg in Husum in die RB 64, per Deutschlandticket zum Urlaubsglück. © CHROMORANGE / Karl-Heinz Spremberg

Die Gebühr sei bereits zuvor im Preis enthalten gewesen und komme nicht on top dazu. „Wir haben keine Vorteile dadurch“, sagt er. Ganz im Gegenteil entpuppe sich die vorherige gute Absicht mittlerweile eher als Belastung. Einige Gäste seien bei der Buchung verwirrt und fragen sich, ob sie jetzt mehr bezahlen müssen. Sie rufen in der Buchungsabteilung an. „Die meisten haben Verständnis.“ Aber nicht alle. Eine Lösung für das Problem gebe es allerdings bislang nicht. Es sei sehr schwierig, diesen Eintrag aus dem Buchungsportal löschen zu lassen. Darum bemüht haben sich die Hotel-Betreiber vehement, aber erfolglos.

„Ich könnte es jetzt auch Inflationsausgleich nennen.“ Die Betreiber haben trotz Inflation die Zimmerpreise nicht erhöht. Laut stellvertretender Geschäftsführung liegen sie damit sieben Prozent unter dem Cuxhavener Durchschnitt. Im Preisvergleich steht das Hotel mit 90 Euro pro Nacht im Konkurrenz-Vergleich tatsächlich günstiger da. Ihren Urlaub an der Cuxhavener Nordseeküste hat die Verfasserin des Facebook-Beitrags trotz der Verwirrung in die Tat umgesetzt, schreibt sie in den Kommentaren.

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / imagebroker

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