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Diesen Ostfriesen reicht es: Sie wollen im Juni auf die Straße gehen, um gegen den Wolf zu demonstrieren. Die Initiatoren suchen jetzt Unterstützung.
Update vom 9. Juni 2023, 12:40 Uhr: Wegen der Demonstration gegen die aktuelle Wolfspolitik, zu der mehrere Tausend Teilnehmer angemeldet sind, bereitet sich die Polizei im ostfriesischen Aurich für Samstag auf einen größeren Einsatz vor. Das teilt die Deutsche Presseagentur (dpa) mit. „Wir werden mit entsprechenden Kräften vor Ort sein und Präsenz zeigen“, sagte eine Sprecherin der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund am Freitag gegenüber der dpa. Es werde ein friedlicher Ablauf der Demonstration erwartet. Da es vorher am Samstagabend auch eine sogenannte „Sternfahrt“ mit rund 300 Treckern aus Pewsum, Leer und Wittmund Richtung Aurich geben soll, raten sowohl Stadtverwaltung als auch Polizei, die Auricher Innenstadt ab dem Samstagnachmittag. Es kann zu Verkehrsbehinderungen kommen.
Erstmeldung vom 29. März 2023, 17:43 Uhr: Niedersachsen – „Die große Mehrheit in unserer Region ist ganz und gar gegen den Wolf“, sagt Hansjörg Heeren, Vorstandssprecher des Friesischen Verbands für Naturschutz (FVN). Dieser sei gut vernetzt in der Region, habe sich mit den Bürgerinnen und Bürgern ausgetauscht. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass man ein Zeichen für die Politik setzen muss.“ Deshalb findet am kommenden Sonnabend, 10. Juni, eine Kundgebung statt. Organisatoren sind der FVN sowie der Verein „Land schafft Verbindung“ (LSV) Ostfriesland. Die Kundgebung beginnt um 19 Uhr auf dem Parkplatz der Sparkassen-Arena. Anschließend startet die Demonstration. Bis zu 3500 Teilnehmer werden laut Nord-West-Zeitung von den Veranstaltern erwartet.
Alleine in Niedersachsen lebten nach Zählung der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in 2021/2022 34 Rudel, zehn Paare sowie fünf territoriale Einzeltiere. Nur eines der Wolfspaare lebt in der hiesigen Region, bei Friedeburg.
Wolf-Demo im Juni geplant: Ostfriesland geht auf die Straße – Angstfrei leben ist das Ziel
Die Situation in der Region im Landkreis Aurich, aber auch in anderen friesischen Gebieten sei dennoch prekär, so Heeren: „Wir wohnen auf der einen Seite vom Wald. Schule oder Einkaufsmöglichkeiten liegen auf der anderen Seite.“ Kinder haben Angst alleine zur Schule zu laufen, Erwachsene fürchten sich, wenn sie dort mit dem Rad unterwegs sind. Ein mulmiges Lebensgefühl begleite die Menschen in ihrem Alltag.
Vor wenigen Wochen wurden zudem fünf Pferde bei Aurich von einem Wolf attackiert, eines davon lebensbedrohlich verletzt. Ein Wolf wurde sogar in der Nähe eines Waldkindergartens gesichtet.
Die Kindergarten-Mitarbeiter wollen das Raubtier nun mit Flatterband und Rasseln rundum verscheuchen. Die Begegnung mit einem Wolf ist aber nur ein Teil der Sorgen der Auricher. Hinzu komme: Fast jeder in der Region hat Tiere. Für diese kann eine Wolfsbegegnung bekanntlich tödlich ausgehen. Dabei haben Wölfe keine Scheu nah an den Menschen zu kommen und Tiere zu reißen, so auch bei diesem Pony, dass in der unmittelbaren Nähe eines Wohnhauses von einem Wolf gefressen wurde. Auch Schafe werden immer wieder Opfer von Wolfsrissen.
Initiative möchte andere Verbände, Organisationen oder Firmen für die Demonstration gewinnen
„Meine Kinder fürchten um ihre Ponys“, sagt Heeren. „Überall sind Fragezeichen“, beschreibt er das Gefühl der Auricher. Betroffen sei aber nicht nur die Region, in der Heeren zu Hause ist. Aus Sicht des Naturschutz-Vereins betreffe dieses Leid der Menschen Regionen deutschlandweit.
Deshalb möchten die Initiatoren auch weitere Firmen, Verbände und Organisationen jeglicher Art mobilisieren, sich der Demonstration überall im Land anzuschließen. Einige haben sich laut Heeren schon gemeldet. Es gebe bald ein Vorbereitungstreffen und anschließend einen offiziellen Aufruf zu der Veranstaltung.
Wolf soll nicht verschwinden: „Wolf gehört in ein Gehege, nicht der Mensch und seine Nutztiere“
Dabei soll der Wolf nicht aus Deutschland verschwinden. „Unsere Einstellung ist, dass der Wolf in ein Gehege gehört, nicht der Mensch und seine Nutztiere“, stellt Heeren klar. Der Wolf sei aus seiner Sicht ein wunderschönes Tier, aber in der freien Wildbahn an der Küste Deutschlands fehl am Platz. Es könnten bestimmte Wolfsareale entstehen, in denen der Wolf friedlich leben kann, ohne die Menschen in Ängste und Sorge zu versetzen.
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