Um Konsens mit der Politik bemüht

Eher Reformer als Rebell: Hoops wird Landvolk-Geschäftsführer

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Bindeglied zwischen Vorstand, Mitarbeitern und Mitgliedern: Geschäftsführer Carsten Hoops an seinem neuen Arbeitsplatz in der Landvolk-Geschäftsstelle.
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Carsten Hoops aus Bötersen ist neuer Geschäftsführer des Landvolks Rotenburg-Verden. Der 50-Jährige sieht sich als Interessenvertreter der Landwirte, ist aber auch um Konsens mit der Politik bemüht.

Rotenburg – In manchem Dorf hängen noch Stiefel an den Ortseingangsschildern, am Schild der Rotenburger Landvolk-Geschäftsstelle flattert noch rot-weißes Absperrband – gebliebene Zeichen der Bauernproteste im Januar. „Wenn über unsere Köpfe hinweg entschieden wird, werden wir rebellisch“, sagte Niedersachsens Landvolk-Präsident Holger Hennies jüngst auf der Tarmstedter Ausstellung.

In dieser gesellschaftspolitischen Gemengelage hat Carsten Hoops sein Amt als Geschäftsführer des Landvolks Rotenburg-Verden angetreten. Hoops scheint eher ein Mann des Ausgleichs als der Eskalation zu sein. Er sagt zwar fast wie Hennies: „Politik darf nicht über die Köpfe der Landwirte hinweg entscheiden“, aber auch: „Man sollte nicht zu extrem gegen politische Entscheidungen rebellieren, sonst erreicht man keinen Konsens und keinen Informationsaustausch.“

Landwirte müssen sich mehr als Angehörige anderer Branchen für ihre Arbeit rechtfertigen.

Carsten Hoops

Hoops sei bewusst, dass die Stimmung unter den Landwirten nicht gut ist. Nach den Demos und Aktionen Anfang des Jahres habe es eine kleine Reaktion der Politik gegeben, Maßnahmen wurden zurückgenommen, was ein kurzfristiger Erfolg gewesen sei. Und es habe eine große Reaktion der Gesellschaft gegeben, etwa durch die Solidarität des Handwerks. Dennoch fehle weiterhin Wertschätzung: „Landwirte müssen sich mehr als Angehörige anderer Branchen für ihre Arbeit rechtfertigen.“ Ein halbes Jahr nach den Protesten überwiege die Enttäuschung.

Hoops ist nicht nur ein Mann des Ausgleichs, sondern auch Realist. Er sieht weder eine Entbürokratisierungswelle kommen noch eine Revolution im Verhalten der Verbraucher. „Es wäre naiv zu glauben, dass die künftig ganz anders einkaufen als bisher.“ Und auch wenn Verwaltungschefs und Politiker oft von zu viel Bürokratie sprechen: Einmal entwickelte Verordnungen würden nur in Einzelbeispielen zurückgenommen, so Hoops’ Erfahrung. Dass sich daran in Zukunft viel ändert, damit rechnet er nicht. Aus seiner Tätigkeit bei Masterrind hat er in Erinnerung, dass manch Formular von zwei auf zehn Seiten angewachsen seien.

„Viele Themen prasseln auf die Landwirte ein“, sagt Carsten Hoops, der seit 1. Juli Landvolk-Geschäftsführer ist, und sich zu diesen Themen bereits fundiert äußert.

 Ich hatte Lust, die Landwirtschaft im Ganzen zu begleiten.

Carsten Hoops

Dass er jetzt von Masterrind zum Landvolk wechselte, erklärt Hoops so: „Ich hatte Lust und Interesse, die Landwirtschaft nochmal im Ganzen in verantwortlicher Position zu begleiten.“ Seine Verantwortung hat er als Bindeglied zwischen dem Landvolk-Vorstandsgremium und den 70 Mitarbeitenden. „Ein Steckenpferd von mir ist die interne Kommunikation, damit das Landvolk ein attraktiver Arbeitgeber ist.“ In den Geschäftsstellen in Rotenburg und Verden geht es unter anderem um Rechtsberatung, Agrarberatung und Steuerberatung für die 2 200 Landvolk-Mitglieder.

Hoops erinnert daran, dass das Landvolk ein Verein ist. Er fühle sich den 2 200 Mitgliedern verpflichtet, als Interessensvertretung, um – bei allem Realismus – politische und gesellschaftliche Dinge verbessern und auf Entwicklungen zu reagieren. „Die Herausforderung ist, dass im Strukturwandel der Landwirtschaft Höfe an die nächste Generation übergeben werden können.“

 Landwirte hätten im Gegensatz zur sonstigen Bevölkerung lieber überirdische Trassen.

Carsten Hoops
Die Energiewende beschäftigt das Landvolk: Erdkabel für Strom von Windanlagen werden verlegt, auch wenn viele Landwirte lieber überirdische Trassen sehen würden.

Für sich hat Hoops, der knapp drei Wochen in Amt und Würden ist, einen guten ersten Eindruck, die Mitarbeiter seien ihm sehr offen begegnet und das Feedback aus der Landwirtschaftsszene sei auch positiv. Landvolk-Vorsitzender Christian Intemann meint, Hoops habe bei Masterrind, „nachdem was man so mitbekommt“, erfolgreich gearbeitet und einen guten Führungsstil an den Tag gelegt. Hoops’ Vorgänger Alexander Kasten arbeitet seinen Nachfolger nun ein, ehe er in sechs Wochen nach Diepholz wechselt. Kasten war stark eingebunden in Rechtsfragen der Landwirte rund um die Energiewende.

In Rotenburg hatte man gehofft, dass Kasten dem hiesigen Landvolk erhalten bleibt, sein Abschied werde nun eine Umstrukturierung nach sich ziehen, so Intemann. Hoops’ Aufgaben sind breiter gefasst, als es die von Kasten waren, wobei er sich zur Bedeutung von Wind-, PV-Anlagen und Stromtrassen äußert. Wohlwissend, dass manche Landwirte Pachteinnahmen erwarten, andere die Erdkabel kritisch sehen, die im Boden für zu hohe Temperaturen für die Vegetation darüber sorgen. „Landwirte hätten im Gegensatz zur sonstigen Bevölkerung lieber überirdische Trassen.“

Viele Themen prasseln auf die Landwirte ein.

Carsten Hoops

Auch das EU-Naturschutzgesetz zur Moorvernässung erschwere die Bewirtschaftung der betroffenen Flächen, in Ortschaften wie Borchel sind es fast 100 Prozent. Da gelte es Lösungen zu finden, je nach Beschaffenheit des Moors, um zumindest eine Teilnutzung zu ermöglichen – oder um zum manchmal sinnvollen Schluss zu kommen, eine Fläche der Natur zu überlassen, bei Entschädigung des Landwirts.

Hoops ist der Ansicht, es sehe gegenüber der Gesellschaft nicht gut aus, wenn man zu viel jammere, auch aufs Wetter will er nicht schimpfen. Für den Mais sei feuchtes Wetter eh gut. Auch bei Wintergerste und Raps würden Ertrag und Qualität passen. Es sei allerdings durchaus eine Last gewesen, die Felder zu bestellen. Und durch das Hochwasser gab es auch einzelne Hektar, auf denen 2024 gar nichts gewachsen sei. Daher doch eine kleine Forderung an Petrus: Für die Ernte brauche es nun eine Gutwetterperiode.

Zur Person

Carsten Hoops stammt aus Bötersen, lebte in Holtum-Geest, ehe er vor 13 Jahren nach Bötersen zurückkehrte. Er ist verheiratet, Vater von drei Kindern und kürzlich 50 Jahre alt geworden. 18 Jahre lang arbeitete er für Masterrind in Verden, zuletzt als Bereichsleiter im Viehhandel. Er kennt den landwirtschaftlichen Betrieb also ebenso wie das Gebiet des Landvolks Rotenburg-Verden. „Es ist das gleiche Netzwerk, die gleiche Region.“ Beim Landvolk löst er als Geschäftsführer Alexander Kasten ab, der im September Justiziar beim Landvolk Diepholz wird. hei

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