Ein Jahr Deutschland-Ticket: „Vertrauen in den ÖPNV ist zurück“

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Neue Perspektiven hat das Deutschlandticket in der Branche der Verkehrunternehmen eröffnet.
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Ein Jahr nach Einführung des Deutschlandticket bleiben bei Allerbus Erfahrungen mit Licht und Schatten. Zwar biete das Ticket Chancen für die Verkehrswende, doch gerade in Sachen Finanzierung bestehe weiterhin Ungewissheit.

Verden – Den ersten Geburtstag hat das Deutschlandticket schon mal geschafft. „Ein revolutionäres Angebot, das die Art und Weise, wie wir reisen, nachhaltig verändert hat“, jubelt der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Elf Millionen-Mal wurde das Abo gebucht. Für Allerbus-Geschäftsführer Henning Rohde bringt das Deutschland-Ticket Licht, aber auch ein paar Schatten. Für die Verkehrswende mit mehr ÖPNV müsse das Angebot dauerhaft abgesichert sein, ist seine Ansicht.

Das Verkehrsministerium in Berlin ist gut gestimmt: Laut Erhebungen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) seien 95 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer zufrieden mit dem Angebot und 75 Prozent wollen es dauerhaft nutzen.

Das Infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft allerdings beobachtet stark voneinander abweichende Anteile verschiedener Nutzergruppen. Für einige versteht es sich demnach eher als ein Nice-to-have: „Somit funktioniert das Ticket zumindest für einen nicht unerheblichen Teil dieser Gruppe als eine Art Zündschlüssel für den ÖPNV, stets in der Tasche und unkompliziert nutzbar.“

Die Leute steigen wieder ein. Die Branche sieht darin einen Effekt des Deutschland-Tickets.

Auch die Bilanz von Henning Rohde fällt differenziert aus. Die Einführung im vergangenen Jahr habe bewirkt, dass die Krise aus der Corona-Zeit überwunden wurde. „Der Run auf das 9-Euro-Ticket war damals groß und dessen Fortführung mit einem 49-Euro-Ticket sicherlich ein Grund für die raschen Fahrgastrückgewinne.

Das Vertrauen in den öffentlichen Verkehr ist wiederhergestellt.“ Der Zweckverband des Verkehrsverbunds Bremen-Niedersachsen (ZVBN) hatte bereits vor einem Jahr ermittelt, das 15000 Neukunden gewonnen wurden.

„Das D-Ticket revolutioniert den Öffentlichen Nahverkehr und bietet Chancen im Sinne der Verkehrswende“, sieht Geschäftsführer Rohde auf lange Sicht einen Beitrag zum Umbau der Gesellschaft in Richtung Klimaneutralität.

Zugleich aber sei die nicht gesicherte Finanzierung die Schattenseite. „Das D-Ticket benötigt eine langfristige Finanzierungszusage, damit bei stetig steigenden Kosten für die Leistungserbringung der Nutzen nicht auf der Strecke bleibt.“

Länder wollen eine Absicherung bis 2036 beim Deutschlandticket

Ähnlich sehen das offenbar auch die Verkehrsminister der Länder, die eine Absicherung bis 2036 anstreben. Für dieses Jahr helfen nicht abgerufene Mittel aus dem vergangenen Jahr bei der Finanzierung. Um auch den Ausbau des ÖPNV auf lange Sicht finanzieren zu können, fordern die Länder, aber auch die Branche mehr Sicherheit.

Der Geschäftsführer des kommunalen Unternehmens Allerbus beziehungsweise der Verden-Walsroder Eisenbahn hat dabei natürlich den ländlichen Raum besonders im Blick, in dem die Busse fahren. Die Versorgung da erfordert größere Anstrengungen, als in den Zentren.

Ein stetiges Wachstum ist aber nötig und das gelingt nur, wenn im ländlichen Raum der Nahverkehr so ausgebaut wird, dass es als Alternative zum Pkw akzeptiert wird.

Henning Rohde, Geschäftsführer bei Allerbus

Nicht von ungefähr hat der Landkreis als Gesellschafter schon vor Jahren angefangen, die Nahverkehrsversorgung mit finanzieller Unterstützung verbessern zu helfen. Kreistag und Verwaltung haben sich auch vertraglich dem Ziel verpflichtet, weitere Verbesserungen nach Bedarf zu unterstützen.

„Ein stetiges Wachstum ist aber nötig und das gelingt nur, wenn im ländlichen Raum der Nahverkehr so ausgebaut wird, dass es als Alternative zum Pkw akzeptiert wird. Dabei mangelt es ganz sicher nicht an Ideen. Dies bedingt jedoch weitere erhebliche finanzielle Mittel für den Ausbau des ÖPNV“, sagt Henning Rohde.

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Direkt betroffen ist Allerbus vom Deutschland-Ticket eigentlich nicht. Der Vertrieb läuft digital. Aber bei der Nutzung müssen die Busfahrer und Verwaltungskräfte Kontrollen et cetera übernehmen. „Das D-Ticket kann als digitales, monatlich kündbares Angebot für 49 Euro im Abonnement erworben werden. Es ist über Apps und Vertriebskanäle der Verkehrsunternehmen und Verbünde zu erwerben, erklärt Rohde.

Das kommunale Unternehmen Allerbus ist Mitspieler im Konzert des öffentlichen Nahverkehrs.

Die digitale Kontrolle werde über die entsprechend aufgerüsteten Bordrechner im Bus gewährleistet. „Hinsichtlich der Vorgabe, dass das D-Ticket nur als Abonnement herausgegeben werden darf, bedienen wir uns des Vertriebs- und Verwaltungssystems der Verkehrsverbünde“, erklärt Rohde.

Einer der wichtigsten in der Region ist da sicher der Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen (VBN). Und der bestätigte schon vor einem Jahr kurz nach dem Start einen positiven Effekt auf die Kundschaft: „Das Deutschland-Ticket wurde im VBN im Mai rund 40 000-mal verkauft.

Für den Juni haben sich 50 000 Kundinnen und Kunden für das Deutschland-Ticket entschieden. Gegenüber dem Monat April konnten die Zeittickets im Abo damit um circa 23 000 Abos gesteigert werden.“

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