VonHeinrich Krackeschließen
Möglichst Kilometer-Kosten sparen? Davon kann auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Verden keine Rede sein. Die Pendler-Zahl ist erneut massiv gestiegen.
Verden – Der bange Blick auf die Spritpreise löst offenbar keinen Gegentrend aus. Und das Deutschland-Ticket beflügelt die moderne Form der Völkerwanderung sogar noch deutlich. Im Landkreis Verden sind erneut die Pendlerzahlen massiv gestiegen. Innerhalb eines einzigen Jahres um bemerkenswerte 1 617 Berufstätige, die über Gemeinde- oder Stadtgrenzen hinweg zu ihren Arbeitsplätzen touren. Die stärksten Zuwächse verzeichnete die Stadt Verden, gefolgt von der Stadt Achim. Das geht aus einer aktuellen Erhebung des Landesamtes für Statistik hervor.
Mehr und mehr Pendler im Landkreis Verden: Allerbus will Angebot ausweiten
Und dann sind alle Neulinge an den Arbeitsplätzen mit dem Auto unterwegs und verlängern die nervenaufreibende Blechlawine an den Stadteinfahrten nur noch? Nicht ganz. „Wir spüren schon, es werden mehr Fahrgäste“, sagt etwa Nils Wolter-von Deylen von Allerbus. Einen besonderen Schub habe es mit den Betriebs-Ausweitungen von HelloFresh gegeben, in den übrigen Zeiten läppere es sich halt. Auf jeden Fall wolle Allerbus sein Angebot ausweiten. Mit dem Fahrplanwechsel kommt eine zusätzliche Bus-Tour in Richtung Berufsbildende Schulen dazu.
Allerbus spüre wachsende Pendlerströme indes nicht nur direkt, das Unternehmen spüre es auch indirekt. „Auf der Bundesstraße in Verden zum Beispiel. Das Fahrzeugaufkommen wächst. Es wird für unsere Busfahrer immer schwieriger, die eng getakteten Fahrpläne einzuhalten.“
Auch volle Züge zum Arbeitsbeginn: Fahrgastzahlen der Nordwestbahn wieder auf Vor-Corona-Niveau
Zuwächse stellt auch die Nordwestbahn fest. „Erst die Amazon-Entwicklung in Achim, dann das Deutschland-Ticket, beides hat sich lebhaft ausgewirkt“, sagt Steffen Högemann. Zu Pendler-Zeiten seien die Züge voll. Das Osnabrücker Bahnunternehmen stellte zum Corona-Start erhebliche Rückgänge fest, inzwischen seien die Fahrgäste zurückgekehrt. „Im Raum Bremen bewegen wir uns auf dem Niveau von 2019. In anderen Bereichen unseres Einzugsgebietes sind wir noch nicht soweit.“ Auch Christof Herr vom Zweckverband Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen bestätigt ein wachsendes Aufkommen: „Bei den Septemberzahlen liegen wir schon leicht über dem Stand von 2019.“
Das zusätzliche Aufkommen lässt sich mit Zahlen belegen. „Tagesbevölkerung“ nennen die Landesstatistiker den Wert, der das Aufkommen beziffert. Wegen eines deutlich positiven Pendlersaldos kommt die Stadt Verden auf rund 38 500 Menschen, die Einwohnerzahl wird dabei um mehr als 10 000 überschritten. Alle anderen Kommunen kreisweit kommen auf einen negativen Pendelsaldo. Sogar die Stadt Achim trotz Amazon, die immer noch mit 33 Menschen im Minus steht. Allerdings dürfte sich angesichts des zuletzt rapiden Wachstums bei den Einpendlern schon bald ein Plus einstellen.
In früheren Jahrzehnten gab es je nach Tageszeit nur eine Richtung. Morgens nach Bremen, abends zurück in den Landkreis Verden, für Arbeitnehmer jedenfalls. Jetzt setzt sich mehr und mehr eine Trendwende durch. Zwar sind immer noch weit mehr Personen in Bremen beschäftigt, als Bremer im Landkreis Verden, aber von Jahr zu Jahr verkürzt sich dieser Abstand. Die Einpendler aus der Hansestadt nahmen innerhalb von zwölf Monaten um rund 500 zu, die Auspendler nach Bremen um lediglich noch 150. In der Stadt Verden kehrte sich der Trend inzwischen um. Lag der Saldo aus Ein- und Auspendlern vergangenes Jahr noch bei einem Plus von 70, so fällt das Plus jetzt mit 200 bereits belastbarer aus. 1 799 Arbeitskräfte treten den Weg von Bremen an, 1 593 von Verden.
Immer weniger Menschen können kurze Wege zur Arbeitsstätte in ihrer heimischen Gemeinde oder Stadt nutzen. Die Auspendelquote beginnt bei 64 Prozent in Achim und Ottersberg und reicht bis zu 87 Prozent in Thedinghausen. Die Stadt Verden fällt mit 38 Prozent deutlich aus dem Rahmen.
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