Schifffbau an der Ems

„Ein starkes Signal“: Niedersachsens Politik setzt sich für Rettung der Meyer Werft ein

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Trotz voller Auftragsbücher kämpft die Meyer Werft mit einer Finanzierungslücke. Regierung und IG Metall versprechen Beistand.

Papenburg/Hannover – Die Meyer Werft, die um ihr Überleben kämpft, kann auf die Unterstützung der Landespolitik in Niedersachsen zählen. Bei einem Krisentreffen am Mittwochabend, 19. Juni, versprachen Minister und Landtagsabgeordnete von SPD, CDU und Grünen, parteiübergreifend, sich für die Rettung der Werft einzusetzen.

Die Meyer Werft an der Ems.

„Wir kämpfen jetzt zusammen um einen Neustart für die Werft“, erklärte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Jedoch stellte Finanzminister Gerald Heere (Grüne) klar, dass Niedersachsen alleine die Probleme nicht lösen könne. Er forderte die Bundesregierung und das Unternehmen auf: „Für eine echte Zukunftsperspektive der Meyer Werft brauchen wir dringend die Unterstützung des Bundes und eine zukunftsfähige Konzernstruktur.“

Hilfe für die Meyer Werft: „Davon hängt die Zukunft des deutschen Schiffbaus ab“

Ulf Thiele, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, betonte die Notwendigkeit staatlicher Unterstützung, um der Werft eine sichere und dauerhafte Zukunft zu ermöglichen. „Davon hängt die Zukunft des deutschen Schiffbaus ab. Davon hängt die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Emsregion ab. Und davon hängt die Existenz Tausender Familien ab“, sagte Thiele.

Die Meyer Werft, einer der weltweit führenden Hersteller von Kreuzfahrtschiffen und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Niedersachsen, steht vor einer großen finanziellen Herausforderung. Trotz voller Auftragsbücher muss das Unternehmen bis 2027 eine Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro schließen. Dies ist auf die Nachwirkungen der Corona-Pandemie und Preissteigerungen infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine zurückzuführen.

Laut Informationen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ bleiben für die Rettung nur noch drei Monate, da Mitte September eine Umfinanzierung von Krediten ansteht. Wirtschaftsminister Lies betonte, dass die Diskussionen um eine Erhöhung des Eigenkapitals und die Absicherung von Krediten mit Bürgschaften gehen.

Betriebsratschef der Meyer Werft fordert schnelle Entscheidungen

Andreas Hensen, Betriebsratschef der Meyer Werft, forderte nach dem Krisentreffen schnelle Entscheidungen. „Die Beschäftigten erwarten möglichst schnell positive Entscheidungen für eine sichere Zukunft“, sagte er. Rund 7000 Menschen arbeiten für die Meyer Gruppe, davon sind etwa 3000 Stellen in Papenburg. Weitere Werften befinden sich in Rostock und im finnischen Turku.

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Ralf Schmitz, ein Sanierungsexperte, der im Frühjahr in die Geschäftsführung der Werft berufen wurde, lobte das konstruktive Miteinander bei dem Treffen, „auch wenn wir wissen, dass noch ein Weg zu gehen ist, bis mittel- und langfristige Lösungen gefunden sind“. Schmitz hatte Anfang Juni angekündigt, 440 Stellen in Papenburg streichen zu wollen, was auf den Widerstand von Betriebsrat, IG Metall und Landesregierung stieß.

Wirtschaftsminister Lies fordert neue Strukturen für die Meyer Werft

Vor dem Krisentreffen hatte die Landesregierung bereits Erwartungen an die Werft geäußert. Wirtschaftsminister Lies betonte im Landtag, dass die Meyer Werft als international tätiger Konzern entsprechende Strukturen benötige: „Es braucht einen mitbestimmenden Aufsichtsrat, es braucht eine Konzernstruktur.“

Die Tatsache, dass der Sitz der Meyer-Holding in Luxemburg liegt, sorgte für Diskussionen. Lies erklärte, dass man erwarte, dass das Unternehmen seinen Sitz nach Deutschland verlege. Die Entscheidung für Luxemburg wurde 2015 von der Meyer Werft getroffen, um keinen Aufsichtsrat einrichten zu müssen.

In Papenburg ist die Sorge um das wirtschaftliche Aushängeschild groß. Die Bürgermeisterin Vanessa Gattung von der SPD erklärte auf Anfrage der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, wie wichtig die Werft für viele Menschen in der Region sei. „Insofern ist auch insgesamt eine Verunsicherung wahrzunehmen“, schrieb sie. (dpa)

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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