VonChristoph Gschoßmannschließen
Bis zu 5000 Jahre alt sind die Funde, die jetzt in Niedersachsen beim Bau der Suedlink-Trasse gemacht wurden. Mit dabei: menschliche Überreste in eindeutiger Position.
Einbeck – Archäologischer Fund bei Bauarbeiten in Niedersachsen: Während Bauarbeiten für die neue Stromleitung Suedlink haben Forscher nahe dem südniedersächsischen Einbeck archäologische Entdeckungen gemacht, die mehrere Tausend Jahre alt sind. So fanden Archäologen und Archäologinnen entdeckten unter anderem ein Grab sowie Hinweise auf menschliche Siedlungen. Das teilte der Stromnetzbetreiber TransnetBW mit. Die ältesten Funde sind demnach mehr als 5000 Jahre alt. Auch ein tausende Jahre altes Tier-Ei überraschte vor Kurzem Forscher.
Bestattung in Embryonalstellung: Jahrtausend alte Knochen bei Suedlink-Bau in Niedersachsen gefunden
Die Funde würden geborgen, geputzt und dokumentiert. Die Wissenschaftler fanden am Kleinen Heldenberg im Ortsteil Salzderhelden unter anderem Keramikscherben, Teile von Feuersteingeräten und auch wenige Knochen einer sogenannten Hockerbestattung, wie Sabine Stoffner von der archäologischen Fachfirma Streichardt & Wedekind mitteilte. Der Tote wurde demnach mit angezogenen Beinen und Händen in Embryonalstellung bestattet. An seinem Hinterkopf habe sich ein Teil einer Klinge aus Feuerstein befunden. All das deute auf eine Bestattung in der Jungsteinzeit hin.
Wie es weiter heißt, stammen die meisten Funde aber aus der jüngeren Eisenzeit. Zu der Zeit waren den Angaben nach Gefäße mit Fingertupfenverzierungen auf dem Rand typisch. Weiter entdeckten die Forscher dunkle Verfärbungen im Boden, die auf frühere Pfosten oder Vorratsgruben und damit auch auf Hausgrundrisse hinweisen.
Früher Jagd- und Sammelplatz, heute Suedlink: Forscher durchkämmen monatelang den Boden
Alissa Foltin, archäologische Fachexpertin bei TransnetBW, erklärte, dass der Kleine Heidelberg schon vor Jahrtausenden infrastrukturell erschlossen gewesen sei. „Zunächst als Jagd- und Sammelplatz, später entstanden erste Siedlungen.“ Bereits seit 60 Jahren stehe er daher im Fokus archäologischer Forschungen. Die Wissenschaftler hatten den Angaben nach ein halbes Jahr lang die für den Suedlink benötigten Flächen zwischen den Kreisen Hildesheim und Göttingen durchkämmt. In Nordrhein-Westfalen entdeckten Forscher jüngst indes einen alten römischen Palast.
Um diese Forschungen durchführen zu können, musste die Oberschicht des Geländes weichen. Auf der gesamten Länge war auf vier Metern Breite der Oberboden mit Baggern abgetragen worden. Bei Arbeiten für eine ähnliche Stromleitung nahe Göttingen hatten Wissenschaftler im Mai 2022 bereits Hinweise auf eine Siedlungsstätte aus der Jungsteinzeit gefunden.
Suedlink soll Windenergie nach Bayern und Baden-Württemberg bringen
700 Kilometer ist die neue Stromleitung von Norden nach Süden lang. Für das Projekt sind laut TransnetBW zehn Milliarden Euro veranschlagt. Sie soll künftig komplett unterirdisch verlaufen und Energie von Windrädern in Schleswig-Holstein nach Bayern und Baden-Württemberg transportieren – und dabei auch durch Niedersachsen laufen. In Scheeßel im Landkreis Rotenburg waren etwa zuletzt auch erste Anzeichen der künftigen Stromtrasse sichtbar.
Fast 3500 Kilometer neue „Stromautobahnen“ sollen allein 2024 und 2025 genehmigt werden. Die Bundesnetzagentur rechnet so mit einer deutlichen Beschleunigung beim Ausbau des Stromübertragungsnetzes. Durch den Ausbau der Höchstspannungstrassen Ultranet, SuedLink und SuedOstLink soll bewerkstelligt werden, die Strom aus dem windreichen Norden nach Süden transportieren und Engpässe dort zu beseitigen. (cgsc mit dpa)
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