Windenergie auf See

Energiewende: Windenergiebranche schlägt Alarm – Ausbauziele in Gefahr

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Die Windenergiebranche in Deutschland fordert von der Bundesregierung mehr Unterstützung beim Ausbau der Offshore-Windturbinen.
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Nachdem 2021 in Deutschland kein einziges Windrad zur Stromerzeugung ans Netz gegangen war, waren es 2022 immerhin 38 Stück. Zu wenig, sagen Branchenverbände.

Berlin/Bremerhaven – Die Windenergiebranche in Deutschland fordert von der Bundesregierung mehr Unterstützung beim Ausbau der Offshore-Windanlagen und Erneuerbaren Energien. Um die Ziele im Ausbau zu erreichen, müsse es vonseiten der Bundesregierung einfacher gemacht werden, Investitionen zu tätigen, unterstreicht Heike Winkler, Geschäftsführerin des Windindustrieverbands und Wasserstoffnetzwerks WAB in Bremerhaven. Aus ihrer Sicht müssten auch die Ausbildung und Produktionsstandorte gefördert werden. Darüber hinaus forderte sie Unterstützung für die Werften, damit diese in die Lage versetzt werden, die notwendigen Spezialschiffe bauen zu können.

Windenergiebranche fordert Unterstützung von Bundesregierung: Ausbauziele sind sonst in Gefahr

„Die für das Erreichen der Ausbauziele notwendigen Produktionskapazitäten und Fachkräfte fehlen bisher in substanziellem Maße. Ein Plan allein reicht hier nicht. Wir müssen gemeinsam mit der Politik umgehend eine realistische Grundlage für die Umsetzung der Ausbauziele im Bereich Windenergie auf See für Strom und grünen Wasserstoff schaffen“, fordert ihr Branchenverband WAB. Dafür ist es laut Winkler dringend notwendig, dass die Politik noch im ersten Quartal 2023 mit der Branche eine Vereinbarung trifft.

Ein weiterer wunder Punkt ist aktuell die geplante Wasserstoffproduktion auf See, für die es laut Branchenverband noch kein Geschäftsmodell gebe. Dieses könne nur durch Ausschreibungen von mindestens 500 Megawatt (MW) pro Jahr ab 2023 gelingen. „Die Offshore-Windindustrie benötigt eine große und von der Bundesregierung unterstützte Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive, einfache Investitions- und Finanzierungsbedingungen und die Förderung neuer Produktionskapazitäten, die für die erforderliche Liquidität in der herstellenden Industrie sorgen, sowie international faire Wettbewerbsbedingungen“, hieß es bei der Vorstellung einer Analyse des Beratungsunternehmens Deutsche Windguard im Auftrag mehrerer Branchenverbände am Montag, 16. Januar 2023, in Berlin.

Energiewende: Windenergiebranche schlägt Alarm – Ausbauziele in Gefahr

Konkret geht aus der Analyse hervor, dass nach einem zeitweise kompletten Stillstand der Bau neuer Windräder auf See im vergangenen Jahr langsam wieder in Schwung gekommen ist. Aus Sicht der Branchenverbände aber noch nicht genug. Insgesamt 38 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 342 Megawatt (MW) sind im vergangenen Jahr ans Netz gegangen.

Zum Jahresende waren demnach in Deutschland 1539 Windräder mit einer Leistung von insgesamt 8,1 Gigawatt (GW) in Betrieb. Ein Jahr zuvor waren es 1501 Anlagen mit einer Leistung von knapp 7,8 GW. 2021 war keine einzige Anlage zusätzlich ans Netz gegangen.

Die weitaus meiste deutsche Offshore-Windenergie kommt von Anlagen in der Nordsee (7,0 GW). Unter den Bundesländern hat Niedersachsen klar die Nase vorn, gefolgt von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, dem die Windparks in der Ostsee mit einer Leistung von 1,1 GW zugerechnet werden. Die meisten Windparks haben demnach einen Abstand von mindestens 40 Kilometer zur Küste.

Energiewende: Windenergiebranche schlägt Alarm – Ausbauziele in Gefahr

Die Windräder werden immer größer und damit leistungsfähiger. Im Schnitt hatte ein Windrad zum Jahresende nach Branchenangaben eine Leistung von knapp 5,3 Megawatt (MW). „Die im Jahr 2022 in Betrieb genommenen Anlagen stellen mit je 9 MW die bisher leistungsstärksten Offshore-Windenergieanlagen in Deutschland dar“, heißt es in dem Bericht. Bei den bis 2025 geplanten Anlagen liege die Durchschnittsleistung im Schnitt bei über elf MW. Neue Räder erreichen eine Höhe von bis zu 145 Meter bis zur Nabe und einen Rotordurchmesser von bis zu 236 Metern.

Deutschland hat seine Offshore-Ziele im vergangenen Jahr hochgeschraubt. Vorgesehen ist nun eine installierte Leistung vor mindestens 30 GW bis 2030, mindestens 40 GW bis 2035 und mindestens 70 GW bis 2045 – und zwar jeweils mit Netzanschluss. Mit den aktuell zur Ausschreibung vorgesehenen Flächen könnte das Ausbauziel für 2030 der Analyse zufolge erreicht werden, die beiden weiteren Ziele noch nicht. (jon/(dpa)

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