VonJohannes Nußschließen
Wenn es um Erneuerbare Energien wie Windenergie geht, sind Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der Rest von Norddeutschland spitze. Der Süden hinkt hinterher.
Varel – Niedersachsen und Schleswig-Holstein liegen beim Ausbau der Windenergie in Deutschland an Land bundesweit an der Spitze. Besonders das flächenmäßig eher kleine Schleswig-Holstein habe den Bau von Windrädern an Land im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2021 verdoppelt, teilte das Beratungsunternehmen Deutsche WindGuard aus Varel in Niedersachsen am Mittwoch, 18. Januar 2023, mit.
Danach folge Niedersachsen mit einem Brutto-Zubau von 19 Prozent an zweiter Stelle. Das entspreche dem Vorjahresniveau. Trotz windreicher Küstenlage schafft es Mecklenburg-Vorpommern dem Bericht zufolge jedoch lediglich auf Platz zehn im Ländervergleich. Die drei Stadtstaaten Hamburg, Bremen und Berlin sind vom Ranking ausgenommen.
Erneuerbare Energien: Norden bei Windkraft top – Niedersachsen stellte 2022 99 neue Windräder auf
Vergangenes Jahr wurden demnach in Niedersachsen 99 neue Windräder an Land in Betrieb genommen, womit nun insgesamt 6200 Windräder im Nordwesten stehen, berichtet dazu der NDR. Das entspreche einer Gesamtleistung von etwa zwölf Gigawatt (GW). Zum Vergleich: In den Offshore-Windparks in der Nordsee waren es 2022 nur 38, 2021 wurde kein einziges Windrad aufgestellt.
Einzig Mecklenburg-Vorpommern hinkt im Norden weiterhin hinterher. Laut dem von WindGuard veröffentlichten Bericht landete der Nordosten im Jahr 2022 beim Ausbau – abzüglich rückgebauter Anlagen – mit 50 Megawatt Leistung unter den Bundesländern auf dem neunten Platz. Auch beim Gesamtbestand liegt Mecklenburg-Vorpommern hinter den anderen Nordländern: Laut der für den Bundesverband Windenergie (BWE) erstellten Statistik belegt das Bundesland mit absolut 3573 Megawatt installierter Leistung Rang 7 – vor Bayern mit 2613 Megawatt.
Erneuerbare Energien: 77 Prozent des Ausbaus von Windenergie findet im nördlichen Teil von Deutschland statt
Der Bundesverband Windenergie beklagte mit Blick auf die Zahlen ein starkes Nord-Süd-Gefälle beim Ausbau. Im vergangenen Jahr stellten Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen zusammen 77 Prozent des Zubaus. Die zwei südlichsten Bundesländer, Bayern und Baden-Württemberg, hätten bezogen auf ihre Landesfläche besonders wenig neue Leistung installiert. Der Süden müsse nun liefern, hieß es aus den Reihen des Bundesverbands.
Im Jahr 2022 gingen in Deutschland 551 neue Windräder mit einer Leistung von insgesamt 2,4 Gigawatt ans Netz – das waren 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Weil auch alte Anlagen zurückgebaut wurden, lag der sogenannte Netto-Zubau bei rund 2,1 Gigawatt. Der Zubau liegt deutlich unter dem der Rekordjahre 2014 bis 2017.
Erneuerbare Energien: 23 Monate Genehmigungsdauer bei Windkraftanlagen viel zu langsam
Um auf einen Ausbaupfad einzuschwenken, der notwendig sei, um Ziele zu erreichen, sind verschiedene Maßnahmen nötig: Es müssten mehr Flächen bereitgestellt werden, Genehmigungsengpässe überwunden und Transporte erleichtert werden. Das Ziel eines Zubaus von 4,5 Gigawatt (GW) in diesem Jahr sei nicht erreichbar. Das liege daran, dass zu wenig Projekte genehmigt seien. Die Branche prognostiziert einen Zubau von 2,7 bis 3,2 GW.
Die Genehmigungsdauer sei mit im Durchschnitt 23,5 Monaten immer noch viel zu lang, sagte Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie. Die Bundesregierung müsse das angekündigte Gesetz zur Verfahrensbeschleunigung möglichst schnell vorlegen. „Wir brauchen die LNG-Geschwindigkeit auch bei der Windenergie.“ Neue Terminals zum Import von Flüssigerdgas (LNG) in Deutschland waren in weniger als einem Jahr gebaut worden.
Erneuerbare Energien: Anteil des Ökostroms am Stromverbrauch bis 2030 auf mindestens 80 Prozent steigern
Die Bundesregierung hatte 2022 umfangreiche Gesetzesänderungen für einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien beschlossen. Ziel ist es, den Anteil des Ökostroms am Stromverbrauch bis 2030 auf mindestens 80 Prozent zu steigern. Im vergangenen Jahr waren es rund 47 Prozent. Insgesamt gibt es nach Branchenangaben in Deutschland derzeit mehr als 28.000 Windräder an Land mit einer Gesamtleistung von rund 58 Gigawatt.
Ziel der Bundesregierung ist eine installierte Leistung von 115 Gigawatt bis 2030. Die Windkraft an Land spielt eine Schlüsselrolle bei der Energiewende, dem Ersatz fossiler Energien wie der Kohle durch erneuerbare Energien aus Wind und Sonne. (mit Material der dpa)
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