1,50 bis 3 Euro extra

Wegen Putin: Restaurants und Hotels nehmen Eintritt – „Sonst ist der Laden zu“

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Energiepauschale fürs Essen: Erste Hotels und Restaurants verlangen eine Art „Eintritt“. Schuld ist Putin. Sein Ukraine-Krieg treibt die Strom- und Gaspreise zu hoch.

Hannover – Wer ins Restaurant gehen möchte oder im Hotel übernachten will, könnte zusätzlich zur Kasse gebeten werden. Es könnte demnächst eine Art „Eintritt“ verlangt werden. Was ein bisschen komisch klingt, ist in ersten Häusern schon Realität. Ob diese Energiepauschale als Eintritt auch für bereits gebuchte Tische, beispielsweise an Weihnachten oder Silvester gilt, ist unklar. Neben den gestiegenen Gas- und Strompreisen spielt auch die Preisexplosion bei Lebensmitteln eine Rolle.

Doch damit nicht genug. Das Corona-Infektionsgeschehen in Deutschland nimmt langsam wieder an Fahrt auf. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) empfiehlt die Rückkehr der Maskenpflicht in Innenräumen. Dies würde dann auch Restaurants betreffen – und vermutlich werden dann einige Gäste zu Hause bleiben. Erst recht, wenn sie noch Eintritt bezahlen sollen.

Energiepauschale: Restaurants und Hotels kassieren wegen hoher Energiepreise einen Eintritt bei den Gästen ab

Nachdem sie lange unter der Corona-Pandemie litten, folgt für Gastronomen nun die nächste Krise: Erste Restaurants und Hotels in Niedersachsen führen infolge der gestiegenen Kosten eine Energiepauschale für Gäste ein. So muss zum Beispiel jeder Besucher des Restaurants „Zum Grünen Hof“ in Ganderkesee 1,50 Euro draufzahlen und jeder Gast des „The Hearts Hotel“ in Braunlage drei Euro pro Nacht mehr ausgeben.

Weil Putins Ukraine-Krieg die Kosten in die Höhe treibt, kassieren viele Restaurants nun Eintritt.

Energiezuschlag in der Gaskrise: In Deutschland soll der Eintritt die Gastronomie vor der Pleite bewahren

Das Hotel rechnet mit jährlichen Mehrkosten für Wärme und Energie in Höhe von 200.000 Euro. „Spätestens im März wären alle Rücklagen aufgebraucht und der ansonsten kerngesunde Betrieb pleite“, begründete Geschäftsführer Meik Lindberg den Energiezuschlag für die Gäste. Eine weitere Sorge sei die spürbare Vorsicht der Kunden beim Buchen: „Wir beobachten, dass unsere Gäste durch die veränderte wirtschaftliche Lage deutlich preissensitiver als noch vor ein paar Monaten sind. So wird momentan sehr viel kurzfristiger gebucht, und auch unsere höherpreisigen Suiten sind weniger nachgefragt.“

Gaskrise in Deutschland: Energiepauschale als „Eintritt“ eine Ausnahme in Hotels und Restaurants

Nach Angaben des Branchenverbands Dehoga Niedersachsen handelt es sich trotz der drohenden Gaskrise in Deutschland bei den Betrieben mit einer Energiepauschale bisher um „wenige Einzelfälle“. Hauptgeschäftsführer Rainer Balke hat zudem Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer solchen Pauschale. Es könne nicht sein, dass man erst am Ende auf der Rechnung mit dem Zuschlag konfrontiert werde. „Das muss schon bei Betreten des Restaurants kommuniziert werden und sichtbar sein“, sagte Balke der Deutschen Presse-Agentur.

Seine Kollegin Renate Mitulla hat für die Energiepauschale „grundsätzlich sehr viel Verständnis“. Bei den Umsätzen sei noch kein Vorkrisenniveau erreicht. „Zwei Drittel unserer Betriebe haben Existenzängste und müssen schauen, wie sie die Preise abfedern können“, erläuterte die Dehoga-Geschäftsführerin. Generell sei der Grat sehr schmal geworden zwischen nötigen Preiserhöhungen und der Frage, was man den Kunden zumuten könne.

Niedersachsen und Schleswig-Holstein: Überall gibt es schon den Energiekostenzuschlag in Hotels und Restaurants

Dass ein Energiekosten-Zuschlag erhoben wird, ist kein reines Phänomen in Niedersachsen. Auch in anderen Bundesländern wie Schleswig-Holstein wird dieses Modell diskutiert. Ein Teil der dortigen Hotels fordert von Gästen mittlerweile für Übernachtungen den Zuschlag. Das betreffe nach grober Schätzung etwa zehn Prozent der Hotels im Land, sagte der Landesvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Axel Strehl.

Gilt bald wieder eine Maskenpflicht im Restaurant? Davon hängen die Corona-Zahlen in Niedersachsen ab.

Wie lange die Pauschale von drei Euro in dem Hotel in Braunlage erhoben wird, ist noch nicht klar. „Wir werden uns den Gegebenheiten anpassen. Je nach Gestaltung der Gaspreisbremse kann die Pauschale auch wieder ausgesetzt werden“, meinte Karolin Turck vom „Hearts Hotel“.

Das Restaurant „Zum Grünen Hof“ in Ganderkesee erhebt 1,50 Energiepauschale pro Gast. Er habe die Einführung der Pauschale offen kommuniziert und Zuspruch erhalten, sagte Inhaber Gerhard Menkens. „Meine Gäste sind alle auf meiner Seite und haben sogar gesagt, ich hätte noch mehr als die 1,50 Euro nehmen können.“

Strompreis, Gaspreis und Lebensmittel: Putins Ukraine-Krieg lässt die Kosten um bis zu 80 Prozent steigen

Die Frage, wie es zur Einführung der Pauschale kam, reicht er weiter: „Fragen Sie mal Herrn Putin. Seit seinem Krieg sind die Lebensmittel- und Nebenkosten sowas von nach oben geschnellt.“ Im Lebensmittelbereich gebe es eine Inflation von bis zu 80 Prozent, zudem hätten sich seine Energiepreise verdoppelt, so Menkens. „Woher soll ich das Geld nehmen? Entweder mache ich den Laden zu oder ich lege die Kosten auf meine Gäste um.“

Fragen Sie mal Herrn Putin. Seit seinem Krieg sind die Lebensmittel- und Nebenkosten sowas von nach oben geschnellt.

 Gerhard Menkens, Gastronom

Abgesehen von Kindern bis 14 Jahren erhalten die Gäste auf ihrer Rechnung eine Pauschale von 1,50 Euro pro Person, wovon 19 Prozent wiederum als Mehrwertsteuer abgeführt werden müssen. So wisse der Kunde wenigstens, woran er ist. „Wenn ich jede Woche meine Preise erhöhe, fragt der Gast ja auch irgendwann mal: ‚Geht’s noch?‘“.

Strompreisbremse und Gaspreisdeckel: Bundesregierung verspricht Entlastungen in der Energiekrise

Menkens Dehoga-Ortsverband hatte sich Ende September für eine solche Pauschale entschieden. Wenige Tage später verkündete die Bundesregierung einen „Abwehrschirm“ über 200 Milliarden Euro. Darin enthalten ist auch ein Gaspreisdeckel und eine Strompreisbremse. Daher führten einige Gastronomen die Pauschale nicht ein, wie der Geschäftsführer der „Klosterschenke“ in Hude, Jens Burgdorf. Da aber bisher keine Zahlungen geflossen sind, macht sich auch Burgdorf Sorgen: „Es ist genauso wie bei Corona. Keiner weiß wie, keiner weiß wann. Wir sind damals gut unterstützt worden, wir können uns nicht beschweren. Aber, wie das jetzt mit der Energiepauschale läuft, können wir noch gar nicht sagen.“

Rubriklistenbild: ©  Gavriil Grigorov/Christian Charisius/dpa/Seva Levitsky/imagoMontage

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