VonCarolin Gehrmannschließen
Moorflächen sind nicht nur ein wichtiger Speicher für Treibhausgase. Sie könnten bald auch Hund und Katze glücklich machen. Ein Forscherteam aus Niedersachsen will Tierfutter aus dem Moor herstellen.
Hannover/Quakenbrück – In keinem anderen Bundesland in Deutschland gibt es mehr Moore als in Niedersachsen. Doch nur ein kleiner Teil davon ist noch naturbelassen. Etwa 70 Prozent werden laut BUND Landesverband Niedersachsen für die Landwirtschaft genutzt. Dabei sind funktionsfähige Moore ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, denn sie binden Treibhausgase. In ihrem Naturzustand sind sie jedoch nass – und damit für die Landwirtschaft unbrauchbar.
„Leckere“ Innovation aus Niedersachsen – Moore sollen als Grundlage für Hundefutter dienen
Ein Forschungsprojekt aus Niedersachsen hat sich dieses Problems jetzt angenommen und will neue landwirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten für Pflanzen, die im Moor wachsen, finden. Denn immer mehr Moorflächen in Niedersachsen werden renaturiert, um als natürliche Kohlenstoffdioxidspeicher zu dienen. Um sie dennoch wirtschaftlich nutzbar zu machen, haben die Forschenden vom Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) in Quakenbrück und der Tierärztlichen Hochschule Hannover einen völlig neuartigen Ansatz entwickelt: Holzhaltige Biomasse aus dem Moor soll so aufbereitet werden, dass sie als Nahrung für Insekten dienen kann. Dies ist eine Art Zwischenschritt.
Niedersachsen hat reichlich Moore – Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit müssen sich nicht ausschließen
Denn diese Insekten sollen wiederum zur Produktion von Futter für Hunde und Katzen genutzt werden. So soll ein nachhaltiger Kreislauf geschaffen werden, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung der beiden Forschungseinrichtungen. Pflanzen, die sich im Moor wohlfühlen und dort gut wachsen, sind demnach Schilf, Torfmoose, Rohrkolben, Erle oder Seggen. Dabei handelt es sich um recht holzige Pflanzenarten, die sich gut als Dämmmaterial oder zum Dachdecken eignen. In dem neuen Forschungsprojekt dienen sie jedoch als Nahrung für die Larven der schwarzen Soldatenfliege (Hermetia illucens, Black Soldier Fly), denn Insekten könnten die verholzten Pflanzen, im Gegensatz zu Menschen oder Hunden und Katzen, verdauen, erklären die Wissenschaftler.
Moore in Niedersachsen: „Eine Perspektive für Menschen, die ihre Flächen für Klimaziele umnutzen müssen“
„Moorflächen zu schützen, ist ein Beitrag zum Klimaschutz. Für viele Menschen bedeutet dieser Schritt aber, dass sie ihre Flächen nicht mehr wie bisher nutzen können. In den vergangenen vier Jahrhunderten wurden sie mit viel Aufwand trockengelegt. Mit diesem Projekt möchten wir einen Beitrag leisten, den Menschen eine Perspektive zu bieten, die ihre Flächen wegen der Klimaziele umnutzen müssen“, erläutert Kashif ur Rehman vom DIL.
Moore wurden über Jahrhunderte trockengelegt, vor allem um Torf zu gewinnen. Doch nun werden viele wieder vernässt. Die größten Moorflächen in Niedersachsen sind die Wildeshauser Geest, der Naturpark Moor-Veenland, der sich vom Emsland bis in die Niederlande zieht und das Steinhuder Meer bei Hannover. Aber auch im Harz und in der Lüneburger Heide gibt es große Moore.
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