Wasser versperrt wichtige Strecken im Verdener Kreisgebiet
VonRonald Klee
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Im Landkreis Verden waren am Mittwoch viele Straßen durch das Hochwasser unpassierbar. Für Bürger wurden eine Hilfshotline und Hinweise im Internet bereitgestellt.
Landkreis – Mit den Pegeln von Weser und Aller ist auch die Nachfrage nach Nass- und Trockensaugern und Pumpen im Landkreis enorm gestiegen. Die Bestände in den Baumärkten der beiden Städte im Nord- und Südkreis jedenfalls sind komplett vergriffen. Und der Nachschub leidet mittlerweile auch schon darunter, dass einige Transportwege wegen Hochwassers nicht mehr passierbar sind. Darunter so wichtige Verbindungen wie die Weserquerung bei Hutbergen und die Ueser Brücke zwischen Achim und Thedinghausen. Der Krankenwagen und die Feuerwehr kommen dennoch ungehindert da an, wohin sie gerufen werden. Dafür ist gesorgt, teilt der Landkreis mit.
Die Information über die aktuelle Lage und die Entwicklung bietet nicht nur das Internet (siehe Infokasten!). Vor dem Hintergrund des aktuellen Hochwassergeschehens hat die Kreisverwaltung vorsorglich ein Bürgertelefon eingerichtet. Unter der Nummer 04231/15-815, so eine Pressemitteilung vom Mittwoch, können sich Bürgerinnen und Bürger täglich von 8 bis 16 Uhr über hochwasser-bedingte Straßensperrungen sowie Verhaltensmaßnahmen informieren, aber auch beobachtete Auffälligkeiten an Deichen und in überfluteten Bereichen melden.
„Wir beobachten einen zunehmenden Hochwassertourismus auf den Deichen“, erklärt die Erste Kreisrätin Regina Tryta. Dadurch würde aber auch die den Deich schützende Grasnarbe und damit der Halt der Deiche insgesamt gefährdet werden. Auch aus Eigenschutz sollten sich keine Personen in unmittelbarer Nähe von Hochwasser führenden Flüssen oder von überschwemmten Flächen aufhalten, da mit gefährlichen Strömungen und Untiefen zu rechnen sei, so Tryta weiter.
Die Katastrophenschutzplanung des Landkreises hatte sich rechtzeitig auf eine solche Zuspitzung eingestellt. Um die Leistungsfähigkeit des Systems auch im Raum Blender/Thedinghausen zu gewährleisten, war neben Verden und Achim ein zusätzlicher Standort für Rettungsfahrzeuge auch auf der Weserseite geschaffen worden. Die Leitstelle im Kreishaus berücksichtige die Verfügbarkeit der Verbindungen bei der Koordination der Einsätze, erklärte Kreispressesprecher Ulf Neumann auf Anfrage.
Hochwasser in Norddeutschland – Die Bilder der extremen Wetterlage
Ähnlich verfahren die Disponenten in der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle im Kreishaus, wenn Bürger den Feuerwehrnotruf 112 wählen. Um der besonderen Situation Rechnung zu tragen, hat der Landkreis die Rettungswache Morsum im Tagdienst um einen zweiten Rettungswagen ergänzt. Um dieses eigentlich in Achim stationierte Fahrzeug auszugleichen, wurde in Zusammenarbeit mit dem Johanniter-Ortsverband Verden ein ehrenamtlich besetzter Rettungswagen bis zu einer Entspannung der Hochwassersituation in Achim in Dienst genommen.
Seit Samstag diverse Hochwassereinsätze im Landkreis Verden
Für die Feuerwehren im Kreisgebiet zeichnen sich seit Samstag diverse Hochwassereinsätze ab. Bis zum Mittwochnachmittag haben sie 82 Einsätze abgearbeitet. Dabei steht die Leitstelle in ständigem Austausch mit der Technischen Einsatzleitung, der Unteren Wasserbehörde, der Kreisstraßenmeisterei und den Verantwortlichen in den Städten und Gemeinden. Da im Kreis 59 Ortsfeuerwehren vorgehalten werden, können die Orts- und Strukturkenntnisse genutzt werden.
Die Kreisfeuerwehr hat vor den Feiertagen eine Sandsackreserve von 14 000 befüllten Säcken angelegt. Weitere 24 000 unbefüllte Säcke liegen als Reserve bereit. Die Säcke sind nur für den Deich- und Hochwasserschutz an gefährdeten Deichabschnitten bestimmt, eine Abgabe an Privatpersonen ist nicht möglich.
Wer sich privat mit Sandsäcken versorgen will, wird sich allerdings auf eine längere Suche einstellen müssen. „Keine Säcke, kein Sand“, muss Mark Meyer der stellvertretende Marktleiter beim Hönischer Hagebau-Markt mit Bedauern berichten. Im Achimer BBM gab’s die weißen Säcke noch, aber für die Füllung müsse man sich eine andere Quelle suchen, hieß es gestern.
Wer schon mit dem Nass im Keller kämpft, wird sich in noch einem größeren Umkreis für die Suche nach Pumpen und Sauggeräten umsehen. „Schon vor Weihnachten haben wir es aufgegeben, eine Liste von Vormerkungen zu führen“, berichtet Meyer. Das habe auch damit zu tun, dass der Nachschub wgen der unsicheren Transportwege stockt. „Wir haben versucht nachzudisponieren, aber der Erfolg ist nicht sicher.“