VonMarcel Priggeschließen
In Wilhelmshaven soll ein Meteorit einen Balkon eines Wohnhauses getroffen haben. Das berichtet eine Frau in den Sozialen Medien. Experten klären über den angeblichen Sensationsfund auf.
Wilhelmshaven – Einmal einen Meteoriten finden: Nicht erst seit den Meteoriten-Funden aus Elmshorn im Mai dieses Jahres ist dies der Traum vieler Menschen. Eine Person aus Wilhelmshaven hätte sich diesen quasi durch Zufall erfüllt. Wie sie in den sozialen Medien berichtet, sei ein Meteorit auf ihren Balkon gefallen. Experten hätten ihr die Echtheit des Steins bestätigt. Eine Lüge, wie sich auf Nachfrage von kreiszeitung.de zeigt.
Meteorit soll Balkon in Niedersachsen getroffen haben: Experten erklären den „Sechser im Lotto“
In der Facebook-Gruppe „Unsere Stadt Wilhelmshaven“ postete eine Nutzerin ihren Sensationsfund. Auf einem Bild ist ein schwarz-schimmernder Stein zu sehen. Die Oberfläche erinnert an Glas. Sie schreibt, es hätte gegen 23 Uhr einen Schlag gegeben, am nächsten Tag habe sie den Stein auf ihren Balkon gefunden. Google habe ihr dann verraten, dass es sich um ein „Oxydian“ handeln soll. Das Szenario klingt zwar zunächst absurd, vor dem Hintergrund, dass in Schleswig-Holstein ein Haus von einem Meteoriten getroffen wurde, jedoch durchaus plausibel.
Sollte es sich tatsächlich um einen Meteoriten handeln, wäre dies „ein Sechser im Lotto“ beschreibt eine andere Facebook-Nutzerin in den Kommentaren. Die Verfasserin des Posts erklärt, sie habe sich mit dem Planetarium in Bremen in Verbindung gesetzt. Und sogar einen Anruf von dessen Leiter, Andreas Vogel, erhalten. „Dr. Vogel hat mich gerade zurückgerufen, es ist definitiv ein Stück Meteorit, im Emsland sind gestern auch welche runtergekommen und wurden gemeldet“, heißt es unter dem mittlerweile von der Verfasserin gelöschten Post.
Meteoritenexperte über Zufallsfunde: Aus 5000 angeblichen Himmelskörpern nur 3 echt
Wie sich herausstellt, ist dies eine glatte Lüge. Auf Nachfrage von kreiszeitung.de erklärt Andreas Vogel: „Einen Meteoriten habe ich ausschließen können, aber es hätte sich unter Umständen noch um Weltraummüll handeln können.“ Ein hinzugezogener Meteoritenexperte habe dann aber auch diese Möglichkeit ausgeschlossen. Realer und definitiv bestätigt ist jedoch eine Meteoritensichtung aus Twistringen. Ein heller Lichtblitz ist in einer Zufallsaufnahme über Niedersachsen zu sehen gewesen.
Dieter Heinlein vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), ist zuständig für angebliche Meteoritenfunde aus ganz Deutschland. Im Gespräch mit kreiszeitung.de gibt er Einblick in die Seltenheit solcher Zufallsfunde. „Aus meiner persönlichen 15- bis 20-jährigen Erfahrung in diesem Bereich kann ich sagen: In den allermeisten Fällen handelt es sich bei solchen Entdeckungen nicht um echte Meteoriten“, erklärt er. Mehr als 5000 verschiedene Objekte habe er im Laufe dieser Zeit untersucht. Drei von ihnen entpuppten sich als echt.
Steine, die von Vögeln fallen gelassen werden: angebliche Meteoriten mit häufig irdischem Ursprung
Ein häufiges Problem sei, dass die Menschen etwas finden würden und Goolge ihnen sage, dass es ein Meteorit sei. Dabei könnte man die meisten Funde auf ganz irdische Ursachen zurückführen. Kleinere Steine könnten vom Dach abbrechen und herunterfallen. Auch getrocknete Dichtmittel seien schon als Meteoriten verwechselt worden. Im vorliegenden Fall jedoch habe er mit der Verfasserin des Posts in der Facebook-Gruppe jedoch persönlich telefoniert. „Sie hatte gesagt, es könne nicht vom Dach stammen“, so Heinlein.
Eine weitere Möglichkeit könnten dem Experten zufolge Tiere sein. Es sei schon öfter beobachtet worden, dass Krähen und Raben Steine und ähnliches sammeln, und diese Objekte im Flug aus großer Höhe fallen lassen. Ein solches Szenario sei nicht das wahrscheinlichste, aber durchaus plausibel. Vor allem, da der „Fund“ aus Wilhelmshaven aussah, wie ein Stück Schlacke oder etwas Teer.
Für alle Menschen, die denken, Sie hätten einen Meteoriten gefunden, hat der Experte noch einen Tipp auf Lager: „Auf der Internetseite des DLR findet sich eine Checkliste zur Überprüfung des Fundes.“ Auch eine Mailadresse ist angegeben, über die man Fundstücke melden kann. „Die landen dann alle auf meinem Tisch“, so Heinlein.
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