Es drückt von allen Seiten: Feuerwehr im Dauereinsatz
VonPetra Holthusen
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Die Weihnachtsfeiertage hatten sie sich ganz anders vorgestellt – sowohl die Menschen, denen Abwasser retour ins Haus flutete, als auch die Ottersberger Feuerwehrleute, denen die aktuelle Hochwasserlage seit dem Tag vor Heiligabend Einsätze am laufenden Band beschert, vor allem am Kiebitzweg im Ortsteil Bahnhof.
Ottersberg – Der wird überspült von Regen- und hochdrückendem Grundwasser, das die Entwässerungssysteme nicht mehr aufnehmen können oder das aus den überfüllten Kanälen an die Oberfläche drängt. Regelmäßig pumpen die freiwilligen Einsatzkräfte das Wasser auf dem Kiebitzweg ab, um die dortigen Wohnhäuser und den angrenzenden Wümmedeich zu schützen.
Das Warten auf das Sinken des Pegels: „Wenn das Wasser um einen Meter abflacht, haben wir kein Problem mehr“
„Heute ist der Wümmestand erstmals wieder um zwei Zentimeter gesunken“, vermeldet Ottersbergs Ortsbrandmeister Markus Witkowski am Mittwoch einen Hoffnungsschimmer. „Wenn das Wasser um einen Meter abflacht, haben wir kein Problem mehr“, so Witkowski. Darauf warten die Feuerwehrleute, die im Ortsteil Bahnhof jeden Tag stundenlang gegen mögliche Gebäudeflutungen anpumpen, genauso wie die Anwohner.
Hochwasser in Norddeutschland – Die Bilder der extremen Wetterlage
In dem Ortsteil drückt das Wasser einerseits vom Hochwasser führenden Wümme-Südarm und aus der anderen Richtung vom Ottersberger Moor. „Und von unten drückt das Grundwasser hoch“, sagt Bauamtsleiter Ralf Schack. Hochwasser kenne der Ortsteil, ungewöhnlich aber sei der hohe Grundwasserstand.
Fremdwasser findet bei der angespannten Lage auch den Weg in die Abwasserkanalisation. Dass das Abwasser in der Kanalisation höhe stehe als bei den Keller-Anschlüssen, „das hatten wir noch nie“, so Witkowski. Deshalb hatte die Feuerwehr im Ortsteil Bahnhof neben den vollgelaufenen Grundstücken zusätzlich mit drückendem Abwasser in Kellerräumen zu kämpfen. Nicht ablaufendes oder sogar zurückflutendes Abwasser stellte die Einsatzkräfte vor erhebliche Probleme. Für Entlastung sorgt das landwirtschaftliche Lohnunternehmen Dirk Gieschen, das am Pumpwerk Verdener Straße seit Tagen regelmäßig Abwasser aus dem Kanal pumpt und abfährt, um es an höhergelegener Stelle wieder in den Kanal einzuleiten. „Das entlastet das System spürbar“, so Ralf Schack von der Gemeindeverwaltung.
Für die Ottersberger Ortsfeuerwehr bleibt der Kiebitzweg ein Einsatzschwerpunkt: Dort laufen immer wieder große Bereiche mit Wasser voll. Zu den täglichen Pumparbeiten dort gesellte sich jetzt noch ein nächtlicher Einsatz andernorts: Die Feuerwehr räumte mit Motorsägen und Manpower zwei umgestürzte massive Bäume von der Langen Straße. Laut Witkowski wird das nicht der letzte Einsatz dieser Art gewesen sein: „Durch die aufgeweichten Böden haben die Bäume aktuell wenig Halt.“
Der Ortsbrandmeister ist froh, für die derzeit täglichen Einsätze „immer genügend Leute zusammenzukriegen“. Um die Lage am Kiebitzweg unter Kontrolle zu halten, haben sich die Ottersberger aber auch schon Nachbarschaftshilfe von den Ortsfeuerwehren aus Fischerhude-Quelkhorn, Posthausen und Otterstedt geholt. Auch in Oyten bescherten die Folgen von völlig überlasteten Entwässungssystemen der Freiwilligen Feuerwehr zusätzliche Einsätze an den Feiertagen – beispielsweise ein vollgelaufener Fahrstuhlschacht.