VonMichael Krügerschließen
Die Regenfälle der vergangenen Wochen haben Spuren hinterlassen am Weichelsee. Trotzdem wird sich gekümmert - gegen jede Kritik.
Rotenburg – Der Zustand des Weichelsees sorgt aktuell in Rotenburg für kontroverse Debatten. Nach wochenlangen Regenfällen lädt das Gelände derzeit nicht unbedingt dazu ein, es als Naherholungsgebiet zu nutzen. Der Strand ist in einem schlechten Zustand, die Wege sind matschig und aufgeweicht, viele Uferbereiche zertrampelt, Bänke zugewachsen. Bürgermeister Torsten Oestmann bezieht nach gewohnt unflätigen Worten in sogenannten Sozialen Medien im Stadtrat öffentlich Stellung, Roland Nielebock als Betreiber des Beachclubs Strandgold mahnt zu einer gewissen Gelassenheit und kritisiert die Schuldzuweisungen.
„Das ist unfair“: Stadt und Beachclub-Betreiber zur Kritik am Weichelsee-Gelände
Während die einen hochemotional lautstark Vorwürfe machen, Stadt und Strandgold-Betreiber kämen ihren Aufgaben nicht nach, muss zunächst ganz nüchtern festgehalten werden: Ja, Wege und Uferbereiche sind aufgrund der jüngsten Wetterlage tatsächlich in eher schlechtem Zustand. Mehr Matsch als feiner Sand am Strand, dazu zugewucherte (oder natürliche?) Bereiche. Fußgänger am See haben derzeit mehr damit zu tun, tiefen Pfützen auszuweichen als die Idylle zu genießen. Und im Wasser sieht es auch nicht überall ganz lecker aus – der Zufluss trägt manches herein, die Enten und Gänse, die über Wochen weitgehend ungestört waren, haben so manches hinterlassen.
Roland Nielebock ärgert sich darüber weniger als über die Vorwürfe. „Die Stadt kümmert sich“, sagt er. Natürlich weiß er auch, dass „ein glücklicher Strandbesucher auch ein glücklicher Gast“ in seinem Beachclub ist, aber der Stadt jetzt auch noch den „Schwarzen Peter“ für die Wetterlage zuzuschieben, sei „unfair“. Auch der Bauhof müsse schauen, was zu schaffen ist. Das Pachtgelände und damit die Verantwortung des Beachclubs ende übrigens am Strand. Trotzdem habe man mit der Stadt vereinbart, für die zeitweilige Zusatznutzung des Bereichs diesen über die Sommersaison auch sauber zu halten. Mehr als 12 000 Euro, sagt Nielebock, habe er zum Beispiel selbst in ein Reinigungsgerät für den Sand investiert. Das könne aber nur vor allem nach Zigarettenkippen, Kronkorken und Scherben sieben, wenn der Strand auch trocken ist. „Sandkastenlehre“, sagt Nielebock. Und im Vergleich zum Zustand vor drei Jahren, vor der Zeit des Beachclubs, habe man doch „eine ganz neue Qualität“ am See erreicht.
Deswegen beteuert auch Bürgermeister Oestmann: „Man muss die Kirche im Dorf lassen.“ Jetzt zum Ende der Badesaison ergebe es keinen Sinn, den Sand am Strand noch einmal aufzufüllen. Das geschehe „ganz normal“ im Frühjahr wieder. Der Bauhof habe zuletzt größere Papierkörbe rund um den See angebracht, die würden regelmäßig geleert. Nur: Sie müssten auch benutzt werden. „Genau das passiert in vielen Fällen leider nicht“, heißt es von der Stadtverwaltung. „Wir wissen um die Situation, doch kommt der Bauhof teils auch kaum dagegen an.“ Viele Stellen rund um den See sind auch bei schlechter Witterung tags wie nachts von Anglern besetzt. Die Stadt überlegt, zur nächsten Saison am Weichelsee ein Glasverbot zu verordnen.
Nach dem Ende der Schonfrist ab 15. September sollen in Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Schilfbestände beschnitten werden. Durch deren Schutz- und Aufenthaltsqualitäten für Vögel und das häufige Vorkommen anderer geschützter Arten ist das nicht früher möglich. Auch die Wege rund um den See werde der Bauhof wieder ausbessern – sobald er dafür Kapazitäten habe. Einen Termin gebe es noch nicht.
Die Wasserqualität des Sees im Übrigen habe bislang nur optisch gelitten. Das Gesundheitsamt überprüfe monatlich, ob es zum Beispiel zu viele Blaualgen gibt. Die letzte Wasserprobe sei am 25. Juli genommen worden. Das Fazit des Labors: alles unauffällig.


