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Die „Pflanzenschutzmittel-Reduktionsstrategie“ der EU steht in der Kritik: Für Landwirte aus der Region wären damit erhebliche Einschränkungen verbunden.
Wildeshausen – Mit viel (An)Spannung blickt am heutigen Mittwoch so mancher Landwirt in der Region auf die Sitzung des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments in Brüssel. Dort geht es um die „Pflanzenschutzmittel-Reduktionsstrategie“ (SUR). In der EU soll der Einsatz von Pestiziden bis zum Jahr 2030 halbiert werden. In sensiblen Gebieten sollen sie ganz verboten werden. „Etwa zwei Drittel meiner Ackerflächen liegen im Wasserschutzgebiet“, meint Ralf Stöver, Landwirt aus Bühren und im Ortslandvolk aktiv. „Ich weiß auch nicht, was ich machen soll, wenn dort gar keine Pflanzenschutzmittel mehr eingesetzt werden dürften.“ Wie viele seiner Berufskollegen hofft der Bauer, dass es nicht zu diesem „Worst Case“ kommt. Auch in der Politik gibt es Widerstand.
Dabei ist Stöver durchaus klar, dass sich beim Thema Pflanzenschutz und Pestizide eine Menge tut und weiter tun wird. „Uns ist bewusst, dass wir den Pflanzenschutz weiter entwickeln und Wirkstoffe reduzieren müssen“, sagt er. So seien in den vergangenen Jahren schon weniger Mittel eingesetzt worden. Für die Zukunft setzt er auf die Weiterentwicklung der Technik. Zum Beispiel auf neue Spritzen. Diese sind mit Fotozellen ausgestattet und erkennen so, wo genau die Chemie angewendet werden soll. Oder auf Roboter, die mechanisch auf den Äckern arbeiten. „Aber das Totalverbot, das brennt uns unter den Nägeln.“ Der Bauer aus Bühren wundert sich in diesem Zusammenhang auch, dass erst vergangene Woche der Einsatz des umstrittenen Mittels Glyphosat um zehn Jahre verlängert wurde. „Und jetzt das? Das passt doch alles nicht zusammen.“
Kartoffeln könnten verdrängt werden
Sollte es tatsächlich zum Totalverbot in Wasserschutzgebieten kommen, müsste auf andere Weise gearbeitet werden. Bestimmte Kulturen wie Kartoffeln werde es dort dann wahrscheinlich nicht geben, vermutet Stöver. „Da ist der Druck einfach zu groß, was Krautfäule und Läuse angeht.“ Bei anderen Pflanzen wie Mais gebe es hingegen mechanische Möglichkeiten. „Man könnte mit Striegel und Hacke arbeiten“, überlegt der Landwirt. So könne direkt nach der Saat gestriegelt werden. Im Laufe des Frühjahrs könnten dann noch zwei bis drei Durchgänge folgen – parallel zum Hacken. „Über die CO2-Reduktion muss man dann aber nicht reden.“ Schließlich müssten die Bauern jedes Mal den kompletten Acker befahren. Auch Bodenbrütern könne es schlecht ergehen. Und: „Das Pflügen ist ja weniger geworden, weil die Erosionsgefahr dann steigt, also guter Ackerboden wegweht.“ Ohne Pflanzenschutzmittel könnte eventuell mehr gepflügt und weniger gegrubbert werden, denn „da macht man reinen Tisch und gibt den Kulturen einen kleinen Vorsprung gegenüber Unkräutern“. Insgesamt ist für ihn klar: „Es würde keinesfalls alles besser werden.“
Zumal, so der Bauer aus Bühren, bei einer Reduzierung der heimischen Produktion mehr Lebensmittel aus anderen Teilen der Welt importiert werden würden. Und außerhalb der EU habe man ja überhaupt keine Kontrolle über die Anbaubedingungen, gibt er zu bedenken.
