Landwirtschaft und Wolf

Wolf und Landwirtschaft: Herausforderung für den Herdenschutz

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Dass der Wolf nach Deutschland zurückgekehrt ist, stellt die hiesige Landwirtschaft vor Herausforderungen. Können Wolfsrisse verhindert werden?

Der Wolf ist zurück in Deutschland – und das bereits seit Jahren. Während die Bestände des vor einigen Jahren noch in Deutschland ausgestorbenen Raubtiers jetzt wieder wachsen, steigen auch die Zahlen der Wolfsrisse bei Weide- und Nutztieren. Das stellt unter anderem Naturschützer und die Landwirtschaft vor eine Herausforderung: Wie können die potenziellen Beutetiere adäquat vor dem Wolf geschützt werden? Ein Überblick.

Herausforderung für Landwirtschaft: Wolfsriss-Zahlen verdeutlichen Konflikt um das Raubtier Wolf

Die Wolfspopulation in Deutschland wächst. In ganz Deutschland lebten nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) im Monitoring-Jahr 2021/2022 161 bestätigte Rudel, 43 Paare und 21 territoriale Einzeltiere. Doch während sich Naturschützer freuen, hat die Landwirtschaft das Nachsehen. Die DBBW hat hierzu eine Schadenstabelle veröffentlicht. Aus der geht hervor, dass nicht nur die Anzahl der Übergriffe auf Weidetiere durch Wölfe, sondern auch die Zahl der durch Wolfsrisse getöteten Weidetiere seit 2012 bis einschließlich 2020 jährlich stark zugenommen hat.

Schäfer Karl-Heinz Jahnke kniet neben seinem toten Schaf. Es fiel einem Wolf zum Opfer. Angesichts solcher Bilder stellt sich die Frage: Gibt es eine Lösung für den Konflikt zwischen Wolf und Landwirtschaft?

2021 ging zwar die Anzahl der getöteten Weidetiere zurück, die Zahl der Übergriffe von Wölfen stieg aber dennoch weiter an. Das bleibt nicht unbemerkt: Besonders in den sozialen Medien kursieren immer wieder Videos oder Bilder von möglichen Wolfsrissen. Dabei ist nicht immer klar, ob es sich wirklich um einen Wolfsriss handelt. Agrarheute.de berichtet, dass ein Wolfsriss anhand von acht Punkten erkannt werden kann. Dazu gehören unter anderem schwere Verletzungen am Tier, der typische Drossel- oder auch Kehlbiss, bei großen Tieren Bisse an den Hinterläufen oder ausgeräumte Gedärme.

Acht typische Merkmale eines Wolfsrisses

  • Schwere Verletzungen am Tier
  • den für Wölfe sogenannten Drosselbiss, auch Kehlbiss genannt
  • Bisse an den Hinterläufen, bei größeren Tieren
  • ausgeräumte Gedärme
  • unberührter Pansen
  • abgetrennte Läufe als Futter für Wolfsnachwuchs
  • Fraßspuren an mehreren Stellen, zum Beispiel Keule oder Rücken
  • Trittsiegel des Wolfs sind acht bis zehn Zentimeter lang, mit deutlichen Abdrücken von Krallen

Herdenschutz – eine wichtige Komponente im Konflikt zwischen Landwirtschaft und Wolf

Dramatische Einzelschicksale von geliebten Weidetieren von Privathaltern, aber auch Schäfer, die um ihre Nutztiere, die einem Wolf zum Opfer fielen, trauern. Neben der emotionalen Komponente der Tierhalter kommt auch der Kostenfaktor zu der allgemeinen Misere hinzu. Steigen die Zahlen der Wolfsrisse, wird der Schutz von Weide- und Nutztieren immer wichtiger. Der Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen erklärt, dass vor allem Schafe und Ziege aufgrund ihrer Körpergröße sowie des fehlenden Flucht- oder Verteidigungsvermögens eine leichte Beute für Wölfe sind. Einzelne Wölfe haben zudem gelernt, auch Rinder oder Pferde anzugreifen, was allerdings seltener vorkommt. Es gibt laut Nabu verschiedene Möglichkeiten, Tiere vor einem Wolfsriss zu schützen.

Ein Herdenschutzzaun soll Schafe vor dem Angriff eines Wolfs schützen.

„Elektrozäune und Herdenschutzhunde sind das Mittel der Wahl, Weidetiere als Beute für Wölfe unattraktiv zu machen“, so der Nabu. Werden diese vorbeugenden Maßnahmen eingesetzt, können Wolfsangriffe und -risse stark zurückgehen oder gänzlich ausbleiben, heißt es weiter. Einen hundertprozentigen Schutz vor Wolfsübergriffen gibt es allerdings nicht, so der Nabu. Jede Weide sei anders und die Prävention müsse individuell angepasst werden.

Herdenschutz als Mittel der Wahl gegen Wolfsrisse: Eine Lösung im Konflikt Landwirtschaft und Wolf?

Der Deutsche Bauernverband erklärt hingegen, dass das gar nicht so einfach ist. „Bisher gibt es keine in der Fläche umsetzbare, praktikable Form der Einzäunung, die tatsächlich wolfssicher ist“, teilt der Bauernverband auf seiner Website mit. Hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Zum einen sei die Einzäunung aller Weideflächen in Deutschland nach Herdenschutz-Standards weder naturschutzfachlich zu verantworten, noch wirtschaftlich möglich. „Ein solches Prinzip stünde im deutlichen Widerspruch zum Prinzip der offenen Landschaft.“ Tourismus, Erhalt der Kulturlandschaft sowie Natur- und Artenschutz spielen hier eine entscheidende Rolle.

Hinzu komme zum anderen, dass in großen Grünlandregionen, an Deichen oder Niederungsgebieten mit Grabensystemen sowie in Mittelgebirgen und Almen eine wolfssichere Einzäunung unmöglich ist. Auch scheitern Herdenschutzmaßen oftmals am Geld, da die Kosten aus Sicht des Bauernverbands bisher nur unzureichend bezuschusst werden. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft informiert über etwaige finanzielle Unterstützung. Eine Lösung scheint Herdenschutz somit nicht zu sein, aber zumindest eine Annäherung zwischen Schutz des Wolfs und Schutz der Weidetiere.

Rubriklistenbild: © Brand, Theresa

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