VonFabian Raddatzschließen
Mehr als Tausend Landwirte sind heute aus Niedersachsen nach Berlin gereist, um gegen die Sparpläne der Bundesregierung zu protestieren. Einige kamen auch mit Trecker.
Hannover/Berlin – Nein, sie waren nicht für Lichterfahrten unterwegs: Mit viel Wut im Bauch rollten am Wochenende Hunderte Landwirte aus Niedersachsen mit ihren Traktoren durch die Republik. Ihr Ziel: Berlin. Dort wollen sie am Montag, 18. Dezember, ab 11 Uhr gegen die Sparpläne der Bundesrepublik und die geplante Streichung der Steuervergünstigungen zu Agrardiesel zu protestieren.
Mehr als 1500 Teilnehmer aus Niedersachsen werden zur Kundgebung in der Hauptstadt erwartet, teilte eine Sprecherin des Landvolkes mit. Zehntausende aus ganz Deutschland sollen es insgesamt werden. Die meisten seien mit Zug, Bussen und PKW unterwegs. Hunderte zogen aber auch im Trecker nach Berlin. Um rechtzeitig dazu sein, starteten einige von ihnen bereits am Wochenende.
Landwirte aus Niedersachsen protestieren gegen Änderungen zum Agrardiesel: „Wir fordern den Rücktritt der Regierung“
So wie die Landwirte vom Landvolk Rotenburg-Verden. Sie starteten aus Ottersberg im Landkreis Verden. Bereits am frühen Sonntagmorgen traf sich die Gruppe rund um Organisator Cornelius Traupe in Ottersberg, um gemeinsam im Konvoi mit ihren Traktoren nach Berlin zu reisen. Unterstützt wurden sie dabei von Kollegen aus Bremen.
Etwa zehn Stunden werden die Bauern und Lohnunternehmer auf Landstraßen unterwegs sein, bis sie die Berliner Landesgrenze erreichen. Unterwegs wollen sich weitere Bauern der Kolonne anschließen. Mitten in der Hauptstadt, nahe beim Hauptbahnhof, wird in einem Hostel übernachtet, um am nächsten Morgen ausgeruht pünktlich um 7 Uhr über die „Straße des 17. Juni zu rollen“.
Es gab selten so viel Unruhe bei den Landwirten.
„Von der Politik fühlen wir uns kein Stück wertgeschätzt, sondern wie Ballast behandelt“, sagt Cornelius Traupe. Er schätzt, dass ein durchschnittlicher Betrieb künftig eine Mehrbelastung von 10.000 bis 15.000 Euro jährlich hat. Auf Betriebe, die viel Treibstoff verbrauchen, beispielsweise Lohnunternehmer, kommen noch weitaus höhere Kosten zu. Cornelius Traupe führt weiter aus: „Es gab selten so viel Unruhe bei den Landwirten. Wir fordern den Rücktritt der Regierung und wissen den ganzen Mittelstand hinter uns.“
Zehntausende Landwirte demonstrieren in Berlin: „Erstes deutliches Signal an die Ampelkoalition“
Die unerfreuliche Adventsbotschaft hatte Bauern in der ganzen Republik kalt erwischt: Gleich doppelt sollen sie von Sparplänen der Bundesregierung betroffen sein. Der Deutsche Bauernverband verlangt von der Ampel-Regierung eine Rücknahme der Pläne, Regelungen zum Agrardiesel und zur Kfz-Steuerbefreiung abzuschaffen. Damit will die Ampel Einsparungen im Bundeshaushalt erreichen.
Zu der Demonstration unter dem Motto „Zu viel ist zu viel“ hat der Bauernverband bundesweit auch über seine Landesbauernverbände aufgerufen. Bauernpräsident Joachim Rukwied und weitere Branchenvertreter wollen bei der Kundgebung ihren Unmut über die Pläne deutlich machen. „Wir Bauern werden am Montag ein erstes deutliches Signal an die Ampelkoalition senden“, sagte Rukwied der Deutschen Presse-Agentur. Die Vorschläge zum Agrardiesel und zur Kfz-Steuer müssten komplett zurückgenommen werden.
Das ist schon extrem ungerecht.
Auch der niedersächsische Landvolk-Präsident Holger Hennies kritisiert, dass mit den Bauern ein Prozent der Bevölkerung zehn Prozent der Lasten tragen müsse. „Das ist schon extrem ungerecht“, sagte der Chef des niedersächsischen Bauernverbandes vorige Woche. Hennies verwies darauf, dass in anderen europäischen Ländern Agrardiesel weiterhin steuerlich begünstigt sei und die deutsche Landwirtschaft damit schlechter gestellt würde als die Konkurrenz in den Nachbarländern.
Bei der Demo in Berlin wird auch Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) als Redner erwartet. Der gab den Landwirten unerwartete Rückendeckung und fiel bei dem Thema sogar der Ampel in den Rücken.
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