VonYannick Hankeschließen
Corona macht auch vor der Eisenbahngesellschaft Metronom nicht Halt. Wegen zahlreichen Corona-Fällen müssen Dutzende Verbindungen gestrichen werden.
Bremen/Hamburg/Hannover – Bereits am Freitag, 8. Juli 2022, waren bis zu 60 Metronom-Verbindungen von Zugausfällen betroffen. Nach Angaben der Eisenbahngesellschaft mit Hauptsitz in Niedersachsen sind von den Ausfällen das gesamte Streckennetz, also Bremen-Hamburg, Hamburg-Hannover, Hannover-Göttingen betroffen. Aufgrund eines akuten Personalmangels, der aus zahlreichen Corona-Fällen resultieren würde, kann der gewohnte Service nicht angeboten werden.
Metronom-Züge fallen zahlreich bis Mitte Juli 2022 aus – Corona erwischt das Personal
„Zu Mitte der Woche rechnen wir mit einer Entspannung der Situation, da dann etliche Kollegen und Kolleginnen aus der Quarantäne zurückkehren“, zitiert der NDR Metronom-Sprecherin Miriam Fehsenfeld. Die Engpässe beim Fahrpersonal könnten hingegen noch über Mitte Juli 2022 hinaus andauern. Doch gebe es nach Metronom-Angaben nicht nur dort hohe Krankenstände.
Denn sowohl mit der Disposition als auch mit der Leitstelle in Celle seien weitere zentrale Bereiche betroffen. Vermerkt seien die coronabedingten Zugausfälle der Metronom-Verbindungen in den elektronischen Fahrplanauskunftsmedien. Es wird empfohlen, dass sich Fahrgäste am besten kurzfristig auf den bekannten Webseiten oder über die FahrPlaner- oder Metronom-App informieren. Immerhin gilt das 9-Euro-Ticket mittlerweile auch in IC-Zügen auf bestimmten Strecken zwischen Niedersachsen und Bremen – wenn hier nicht auch noch Personal ausfällt.
Metronom setzt wegen Personalengpass bereits Kollegen vom Schwesterunternehmen erixx Holstein ein
Da auch bei den Busunternehmen keine Kapazitäten vorliegen würden, ließe sich aktuell auch kein Busersatzverkehr einrichten. „Alle zur Verfügung stehenden Kräfte sind bereits an Bord, die Möglichkeiten sind ausgeschöpft“, heißt es von der Metronom-Sprecherin. Schon jetzt seien die verfügbaren Kollegen vom Schwesterunternehmen erixx Holstein bei Metronom im Einsatz. Dabei nimmt erixx Holstein erst Ende 2022 den Betrieb zwischen Lüneburg, Lübeck und Kiel auf.
Die Zugausfälle sind jedoch nicht das einzige Ärgernis für Bahnfahrer. Auch längere Wartezeiten sind immer wieder zu verschmerzen. Erst am Freitag, 8. Juli, hatte die Deutsche Bahn mitgeteilt, dass im Regionalverkehr im Juni nur knapp 89 Prozent der Züge ihr Ziel auch pünktlich erreichten. Und im Fernverkehr seien es sogar nur 58 Prozent gewesen. Beides seien die schwächsten Monatswerte seit 2010. Darüber hinaus fallen auch in einigen Städten und Landkreisen immer wieder Busse aus. Gründe hierfür sind: Corona, Personalmangel und Urlaub.
Busse fallen wegen Personalmangel durch Corona und Urlaub in Niedersachsen aus
Besonders betroffen ist bei den Busausfällen in Niedersachsen demnach die Stadt Göttingen: Dort werden drei Buslinien bis auf Weiteres komplett gestrichen.
Grund für die angespannte Situation sei ein „hoher Krankenstand“, sagte eine Sprecherin der Göttinger Verkehrsbetriebe bei der dpa. Weitere Buslinien in Göttingen würden deshalb nur eingeschränkt bedient. Auch beim hessischen Zugbetreiber Cantus gab es zuletzt Zugausfälle, unter anderem auf der Strecke zwischen Kassel und Göttingen, wie der Nordhessische Verkehrsverbund mitteilte. Wer kann, solle Reisen verlegen oder alternative Strecken nutzen.
Verkehrsverbunde Landkreise mit Problemen im Busverkehr
Im Landkreis Hameln-Pyrmont kommt es zu Problemen im Busverkehr. Fahrten fielen dort zuletzt immer wieder kurzfristig aus, wie eine Sprecherin der örtlichen Verkehrsgesellschaft mitteilte. Die Gründe sind die gleichen wie anderswo: Krankheit, Urlaub, Corona-Quarantäne. Bei einigen Linien wurden deswegen nun einzelne Abfahrten gestrichen oder der Takt vergrößert.
Auch im Gebiet des Verkehrsverbundes Region Braunschweig gibt es laut einer Sprecherin Ausfälle bei einzelnen Linien und Fahrten von Bussen und Bahnen: „Insgesamt sind nur sehr wenige Linien betroffen und auch nicht täglich.“ Unter anderem, wenn die Corona-Infektionszahlen wieder zurückgehen, sei mit einer Verbesserung der Lage zu rechnen.
Die Schwierigkeiten sind allerdings nicht auf das gesamte Bundesland zu übertragen. „Probleme dieser Art haben wir derzeit nicht“, teilte etwa die Verkehrsgesellschaft Regiobus Hannover mit. In den Landkreisen Göttingen, Northeim und Holzminden gebe es zumindest bei den Regionalbuslinien noch keine Ausfälle, wie der Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen mitteilte.
9-Euro-Ticket nicht nur Heilsbringer – sondern auch Verursacher von Verspätungen im Regionalverkehr
Als Ursachen hierfür nennt ein Bahnsprecher die intensive Bautätigkeit im gesamten Netz, aber auch sehr viele Personen- und Güterzüge auf zentralen Schienenwegen. Hinzukomme komme der große Andrang durch das 9-Euro-Ticket, wodurch Regionalzüge häufig nicht pünktlich abfahren könnten. Nach Bahn-Definition seien Halte mit weniger als sechs Minuten Verspätung pünktlich. Wie es wohl erst mit dem möglichen 0-Euro-Ticket wird? (mit Material der dpa)
