Fleischerei geschlossen

Nordsee-Traditionsunternehmen macht nach 65 Jahren die Schotten dicht

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Ein weiterer Traditionsbetrieb an der Nordsee muss schließen. Dieses Mal trifft es die Fleischerei von Uwe Bahr in Geestland. Die Gründe sind vielschichtig.

Niedersachsen/Geestland – Noch ist die Fleischerei von Anne und Uwe Bahr hell erleuchtet. Im neuen Jahr hingegen bleibt das Ladenlicht in der Bahnhofstraße 7, Geestland, aus – und das für immer. „Sehr geehrte Kunden, Am 2. Januar 2024 schließen wir unser Geschäft nach 65 Jahren“, steht in schwarzen Lettern auf einem weißen Blattpapier im Schaufenster der Fleischerei Uwe Bahr. Den Betreiber bleibt keine andere Wahl.

Fleischerei an der Nordsee schließt für immer: Uwe Bahr gibt nach 65 Jahren Tradition auf

„Supermärkte und Kundensterben sind dafür verantwortlich“, heißt es. Zur großen Trauer der Kunden. Eine gute Nachricht gibt es aber dennoch: Hausschlachtungen wird die Fleischerei weiterhin durchführen. Auf der Social-Media-Plattform Facebook drücken diese ihre Anteilnahme aus. Viele zeigen sich verständnisvoll. „Der Zwiebelmett war immer der Hammer“, meint Facebook-Nutzer Uwe Z.

Auch das urige Geschäft im Fachwerkhaus einer Achimerin musste kürzlich die Pforten schließen. In Cuxhaven stellten Touristen im Sommer fest, dass der beliebte Currywurst-Stand durch einen anderen ersetzt wurde.

Die Fleischerei Uwe Bahr in Geestland wird im Jahr 2024 seine Türen nicht mehr öffnen. Hausschlachtungen werden allerdings noch durchgeführt.

Andere sind zynisch. „Ist aber auch wirklich gemein, dass Kunden einfach so sterben und diese Supermärkte“, schreibt Facebook-Nutzer Jens R. in einem Kommentar. „Andere Schlachtereien arbeiten doch glatt mit denen zusammen und verkaufen dort ihre Waren. Tztztz.“ (Zitate korrigiert) Trotz seines Hohns finde R. es dennoch schade, dass die Fleischerei schließt. Die Schuld solle allerdings nicht bei anderen gesucht werden. Ist das so? Oder sind die Verbraucher Schuld?

Die Fleischerei Uwe Bahr bestand seit 65 Jahren. Jetzt ist Schluss mit dem Traditionsbetrieb.

Nach Recherchen von kreiszeitung.de fällt eines besonders auf: Wer in die Google-Suche „Fleischerei schließt Niedersachsen“ eingibt, findet hier unzählige Meldungen, allesamt aus diesem Jahr. Wird der Radius auf ganz Deutschland vergrößert, erscheint das Ausmaß sogar noch prekärer: In unzähligen Orten schlossen in diesem Jahr die letzten hiesigen Fleischereien. So ist auch die Fleischerei Uwe Bahr die Letzte im Ort Bad Bederkesa.

Schließung einer Fleischerei an der Nordsee: Supermärkte und Kundenschwund sollen Gründe sein

Ein Grund hierfür könnte der ansteigende Boom von Ersatzprodukten sein. Das Statistische Bundesamt teilt im Mai-Bericht dieses Jahres auf seiner Website mit, dass von 2021 auf das Jahr 2022 die Produktion von Produkten, wie Sojabratwurst, Veggie-Bratling oder Tofuschnitzel 6,5 Prozent angestiegen sei. „Im Vergleich zum Jahr 2019 erhöhte sich die Produktion sogar um 72,7 Prozent“, heißt es. Gleichzeitig sei die Fleisch-Nachfrage gesunken.

Fleischerei an der Nordsee schließt für immer – Sind die Verbraucher Schuld?

„In Deutschland wird seit Jahren immer weniger Fleisch verzehrt: Der Pro-Kopf-Verzehr lag nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Jahr 2022 bei 52,0 Kilogramm pro Kopf“, so das Statistische Bundesamt. Das sei ein Rückgang von knapp 15 Prozent im Vergleich zu dem Jahr 2012 und gleichzeitig der niedrigste Wert, seit Beginn der Berechnungen im Jahr 1989. In puncto ökologischer Fußabdruck ist das eine gute Nachricht.

Wasserverbrauch bei der Herstellung von Lebensmitteln im Vergleich: Fleisch schneidet schlecht ab

Kakao:27.000 Liter pro Kilogramm
Röstkaffee: 21.000 Liter pro Kilogramm
Rindfleisch:15.490 Liter pro Kilogramm
Nüsse: 5000 Liter pro Kilogramm
Eier: 3.000 Liter pro Kilogramm
Karotten 130 Liter pro Kilogramm

Bei kaum einem Lebensmittel wird während der Herstellung so viel Wasser verbraucht, wie bei Fleisch: In einem Kilogramm Rindfleisch stecken im globalen Durchschnitt etwa 15.415 Liter Wasser. Das teilt der Weltfriedensdienst (WFD) mit. Karotten, Gurken oder Tomaten hingegen, verbrauchen laut warenvergleich.de nur einen Bruchteil an Wassermenge. Was aus Sicht von Umweltschützern gute Nachrichten sind, ist allerdings für die jene Existenzen, die an den Fleischerei-Betrieben hängen, eine bittere Pille. „Wir bedauern es sehr“, steht auch auf dem Aushang der Fleischerei Uwe Bahr.

Rubriklistenbild: © dpa/Robert Michael

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