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Dass Stephan Weil Ministerpräsident bleibt, ist unstrittig. Um die meisten anderen Minister-Posten streiten sich SPD und Grüne allerdings. Wer bekommt was?
Hannover – Langsam aber stetig rinnt der Sand durch die Eieruhr. Das letzte Körnchen wird am 8. November durchgesickert sein. An diesem Dienstag kommt der neue Landtag in Hannover das erste Mal nach der Niedersachsen-Wahl 2022 zusammen. Ein zentraler Punkt ist die Wiederwahl von Stephan Weil zum Ministerpräsidenten. Bis dahin müssen die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und Grüne abgeschlossen sein. Zwar betonen beide Parteien, dass die Inhalte im Vordergrund stehen, doch es geht auch ums Personal und den Zuschnitt der Ministerien. Wer wird was unter Rot-Grün?
Namen, die nach der Wahl in Niedersachsen für die Ministerposten gehandelt werden
Wirtschaft: Julia Willie Hamburg, Olaf Lies
Kultus: Grad Hendrik Tonne, Laura Pooth
Inneres: Boris Pistorius
Finanzen: Gerald Heere, Olaf Lies
Soziales: Daniela Behrens
Umwelt: Christian Meyer
Agrar: Miriam Staudte
Justiz: Kathrin Wahlmann
Wissenschaft: Hanna Naber
Europa: Birgit Honé
Regionale Entwicklung: Immacolata Glosemeyer
Landtagswahl in Niedersachsen 2022: Rot-Grün vor Vergabe von Ministerposten
Rückblick: In der Großen Koalition zwischen SPD und CDU stellte jede Partei fünf Ministerien. Die Sozialdemokraten führen die Ressorts Inneres, Kultus, Soziales, Umwelt sowie Bundes- und Europaangelegenheiten, die CDU die Ministerien für Wirtschaft, Finanzen, Landwirtschaft, Justiz und Wissenschaft. Nach der Landtagswahl hatten die Grünen Anspruch auf „drei bis vier“ Ministerien erhoben. Das deutet darauf hin, dass es der Partei wichtiger ist, zentrale Themen zu besetzen, als nominell viele Kabinettsmitglieder zu stellen. Beginn der Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl in Niedersachsen ist der 26. Oktober. Das Ende ist für den 3. November geplant.
Diskutiert wird auch, ob der Zuschnitt einzelner Ministerien nach der Wahl in Niedersachsen 2022 verändert werden könnte, um Kompromisse zu schließen. So könnte beispielsweise der Verkehr vom Wirtschaftsministerium herausgelöst oder das Finanzministerium um den Wohnungsbau ergänzt werden. Allerdings gibt es auch Stimmen, die solche Änderungen kritisch sehen, weil der zusätzliche Verwaltungsaufwand die inhaltliche Umsetzung der Arbeit verzögern kann.
Niedersachsen hat gewählt: Diese Namen werden als Minister derzeit gehandelt – Streit um Ressort Wirtschaft
Wirtschaft – Um dieses Ministerium dürfte es zwischen SPD und Grünen am meisten Streit geben. Denn es gilt als offenes Geheimnis, dass Olaf Lies, derzeit Umweltminister, gerne in seine alte Funktion zurückkehren würde. Schon von 2013 bis 2017 war der SPD-Politiker unter Rot-Grün für die Wirtschaft zuständig.
Julia Willie Hamburg nach Niedersachsen-Wahl 2022: Blick auf Koalitionsgespräche
Allerdings legen dem Vernehmen nach auch die Grünen großen Wert auf dieses Haus, und zwar für ihre Spitzenkandidatin Julia Willie Hamburg, die als stellvertretende Ministerpräsidentin auch dem VW-Aufsichtsrat angehören soll. „Ich denke, am strittigsten wird der Bereich Mobilitätswende sein“, sagte Hamburg bereits mit Blick auf die Koalitionsgespräche. Auch im Bund ist der Wirtschaftsminister mit Robert Habeck ein Grüner – die Partei sieht in dem Ressort eine Schlüsselfunktion für ihren Markenkern, den Klimaschutz.
Möglicherweise Streit um Kultusministerium nach Wahl in Niedersachsen – große Herausforderungen lauern
Das Kultusministerium, das für Schulen und Kitas zuständig ist, ist das vielleicht unbeliebteste Ministerium, denn hier lauern mit dem Lehrer- und Erziehermangel große Herausforderungen. Über kaum ein anderes Landesthema wird so kontrovers diskutiert.
Ob Grant Hendrik Tonne sein Amt behält, ist offen, er wird auch als neuer SPD-Fraktionschef gehandelt. Die grüne Spitzenkandidatin Hamburg legt zwar großen Wert auf Bildungspolitik, dürfte aber, siehe oben, andere Ambitionen haben. Womöglich könnte eine Gewerkschafterin einen Konsens bringen: beispielsweise Laura Pooth, bis vor einem Jahr Landeschefin der Bildungsgewerkschaft GEW und mittlerweile Vorsitzende des DGB-Bezirks Nord.
Boris Pistorius will Innenministerium leiten – Weg nach Landtagswahl wohl frei
Hinter diese Personalie dürfte schnell ein Haken gesetzt werden: Boris Pistorius von der SPD will das Amt behalten und ist profiliert genug, um weiterzumachen – alles andere wäre eine Überraschung. Immer wieder gibt es aber Gerüchte, dass es ihn früher oder später nach Berlin zieht. So wird er als Bundesinnenminister gehandelt, sollte die jetzige Amtsinhaberin Nancy Faeser im kommenden Jahr als SPD-Spitzenkandidatin bei der Landtagswahl in Hessen antreten.
Ministerposten der CDU sind nach der Niedersachsen-Wahl frei: Finanzen muss neu besetzt werden
Das Ressort von Reinhold Hilbers (CDU) wird frei und könnte zur Verhandlungsmasse zwischen SPD und Grünen werden. Inhaltlich sind sich beide Parteien einig, dass der Staat mehr investieren soll, auch auf Kosten neuer Schulden. Rot-Grün dürfte einen Niedersachsenfonds gründen, um beispielsweise den Hochschulen mehr Geld zur Verfügung zu stellen als bisher.
Als Ministerkandidat wird Gerald Heere von den Grünen gehandelt. Allerdings könnten die Grünen auch versuchen, Lies ein aufgepepptes Finanzministerium schmackhaft zu machen, das für die Landesinvestitionen in Wohnen und Infrastruktur zuständig ist, um im Gegenzug das Wirtschaftsministerium zu erhalten.
Sozialministerium könnte an SPD gehen: Daniela Behrens gilt als Krisenmanagerin
Ministerin Daniela Behrens von der SPD ist erst seit eineinhalb Jahren im Amt, hat sich inmitten der Corona-Pandemie aber gleich als Krisenmanagerin im Gesundheitssektor bewährt. Ihr Wort hat Gewicht innerhalb der Partei – gut möglich, dass sie das Amt behält, auch um zumindest auf einigen Posten Kontinuität sicherzustellen.
Minister in Niedersachsen: Nach Landtagswahl werden Ministerien neu vergeben
Im Wahlkampf stand der Co-Spitzenkandidat der Grünen, Christian Meyer, immer etwas im Schatten von Julia Willie Hamburg. Doch parteiintern wurde darauf hingewiesen, dass Meyer ein echter Umweltexperte mit Regierungserfahrung ist. Da liegt es nahe, dass er das grüne Kernthema künftig als Umweltminister besetzen könnte, auch wenn er in der ersten rot-grünen Koalition unter Weil noch für die Landwirtschaft zuständig war. Amtsinhaber Lies hängt nicht an diesem Ressort.
Wie schon von 2013 bis 2017 könnten die Grünen Anspruch auf die Landwirtschaft erheben, auch weil der Agrarsektor als mitentscheidend für den Klimaschutz gilt. Eine naheliegende Kandidatin für das Agrarministerium wäre die bisherige agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Miriam Staudte. Noch ist das Ministerium unter Barbara Otte-Kinast in CDU-Hand.
Gibt es ein Ministerium für regionale Entwicklung?
In den drei Häusern Justiz, Wissenschaft und Europa ist noch keine echte Tendenz erkennbar – Justiz (Barbara Havliza) und Wissenschaft (Björn Thümler) stehen derzeit der CDU zu. Das Europaministerium von Birgit Honé (SPD) wurde von CDU und FDP infrage gestellt, könnte unter Rot-Grün aber weiter bestehen.
Mit Blick auf die regionale Ausgewogenheit und das Verhältnis von Frauen und Männern bringt das Politikjournal „Rundblick“ folgende Konstellation dreier SPD-Politikerinnen ins Spiel: Generalsekretärin Hanna Naber als Wissenschaftsministerin, die Richterin Kathrin Wahlmann als Justizministerin und Immacolata Glosemeyer, die bisher schon in der Fraktion für das Thema zuständig war, als Ministerin für regionale Entwicklung. Entscheidungen werden hier, wie in allen anderen Ressorts, erst die nächsten Wochen bringen.
Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa


