Zaun soll Pferde schützen

„Weidevieh wird wie Buffet serviert“: Pferde-Experte sauer wegen Wolfspolitik

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Bernhard Feßler ist stocksauer über die Wolf-Politik. Schutzzäune für Pferde seien für Privathalter nicht finanzierbar.
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Wolfsangriff auf der Pferdeweide? Ein Schutzzaun soll helfen – heißt es zumindest. Diese taugen wenig, sagt hingegen ein Experte und schlägt eine andere Lösung in puncto Wolf vor.

Niedersachsen – Weidetiere müssen dem in Niedersachsen vorkommenden Raubtier Wolf nicht schutzlos zum Opfer fallen – es gibt wirksame wolfsabweisende Herdenschutzzäune, heißt es zumindest. Ein Experte ist allerdings anderer Meinung: Bernhard Feßler ist Leiter des Hauptstadtbüros vom Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht (FN) und auch seit Jahren Wolfsbeauftragter. Was Schutzzäune vor dem Wolf bei Pferden taugen, beantwortet er kurz und knackig.

Nichts, sagt er gegenüber kreiszeitung.de, wenn sie nicht wie Alcatraz wirken sollen. Er kennt sich nicht nur mit Pferden aus, sondern beschäftigt sich auch seit Jahren in dem Wolf. Herdenschutzzäune für Pferde, das sei eine Sache für sich. Wesentliche Aspekte werden nicht berücksichtigt, wenn es um die Empfehlung dieser Zäune geht. Einer davon: Sie seien extrem kostspielig und insbesondere für Privatpferdehalter nicht tragbar. „Das ist finanziell unmöglich“, sagt Feßler. „Es geht nicht nur um die geförderte Anschaffung, sondern um den zeit- und kostenaufwendigen Erhalt und die Pflege“. Den hohen Preis bestätigt auch ein Sprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gegenüber kreiszeitung.de.

Erst vor wenigen Wochen wurden die Pferde einer jungen Frau aus Aurich Opfer einer Wolfsattacke. Für ein Pferd ging dies beinahe tödlich aus. Ein Schafhalter gab aufgrund der prekären Situation seine Tiere ab.

Landwirtschafts-Experte stellt klar: „Wolfsabweisende Zäune für Pferde sind am teuersten“

„Wolfsabweisende Zäune für Pferde sind am teuersten.“ Der Mercedes unter den Zäunen heiße „Hippowire“, so der Sprecher. Genaue Preise konnte er nicht nennen. Eine Internet-Recherche ergibt allerdings schnell Aufschluss: Pro Meter muss ein Preis von 10 Euro gezahlt werden. Da wolfsabweisende Zäune, laut Merkblatt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, aber „mindestens fünf Litzen“, also fünf übereinander gespannte Bänder, vorweisen müssen, kostet ein Wolfzaun von „Hippowire“ ungefähr 50 Euro pro Meter.

Das muss beim Bau eines Herdenschutzzauns gegen den Wolf beachtet werden

  • Für den Grundschutz von Pferden ist wichtig, dass es sich um einen vollständig geschlossenen, elektrisch geladenen Litzen- oder Draht-Festzaun mit einer Höhe von mindestens 1,20 Metern handelt.
  • Der Zaun muss mindestens fünf Litzen mit Reihenabständen von 20, 40, 60 oder 65 Zentimetern jeweils vom Boden aus haben.
  • Ab der vierten Litze sollte ein maximaler Abstand von 30 Zentimetern zur vorherigen haben.
  • Der Zaun sollte je nach Geschlecht und Rasse der Pferde zwischen 120 und 160 Zentimetern haben.
  • Ausschließlich langlebiges, gut leitfähiges und sichtbares sowie tierschutzrechtlich zugelassenes Material sollte verwendet werden.
  • Das Weidetor sollte überkletter- bzw. untergrabe-geschützt sein.
  • Das Weidezaungerät sollte mindestens 1 Joule Entladeenergie an jeder Stelle des Zaunes haben sowie den Zaun auf eine Spannung von mindestens 5000 Volt bringen.

Natürlich gebe es auch günstigere Modelle. Hochgerechnet entstehe dennoch schnell eine beträchtliche Summe. Und das sei nicht alles. „Pferde stellen die höchsten Ansprüche an den Zaun“, so der Sprecher. Sie sind große Fluchttiere, können sich leichter verletzten, weshalb es auf die Sichtbarkeit des Materials ankommt. Hinzukomme: „100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.“ Der Landwirtschaftskammer-Sprecher betont ausdrücklich, dass es sich nicht um „wolfsichere“, sondern um „wolfabweisende“ Zäune handele, die Tierhaltern in Niedersachsen zum Schutz vor dem Raubtier empfohlen werden.

Dennoch werden Schutzzäune immer wieder als eine Art „Wundermittel“ gegen den Wolf verkauft. Oftmals wird den Privathaltern vorgeworfen, sie hätten ihre Tiere besser schützen müssen. Auch eine Nabu-Sprecherin gibt im Interview mit kreiszeitung.de einen entsprechenden Hinweis.

Ohne Erdung „Erfolg gleich null“ – wichtige Montage für Schutzzaun gegen Wolf entscheidend

Aus einem Herdenschutz-Vortrag von Sven Zwirner, ein Vertreter der Fachfirma „Partura“, aus einem Youtube-Video geht hervor, dass auch die richtige Montage des Herdenschutzzaunes zur Hürde werden kann. Ganz wichtig in Hinblick auf die Sicherheit sei „Erdung, Erdung, Erdung“, betont er in dem Video. Ohne diese gebe es nicht genügend Leitfähigkeit des Zaunes. „Dann ist der Erfolg gleich null“, so Zwirner. Für die Überprüfung der Leitfähigkeit empfehle sich ein spezielles Messgerät. Ein weiterer Kostenpunkt um 50 Euro.

Bernhard Feßler weiß, wie schwierig es ist, den Zaun so zu pflegen, damit der Zaun auch wirklich den Strom leitet. Regelmäßiges Mähen in hoher Frequenz sei hier unabdingbar. „Da darf nicht ein Halm stehen.“ Wölfe seien durchaus in der Lage, über Schutzzäune zu springen. Außerdem seien die Pferde stark genug, in Panik den gesamten Zaun einzureißen. Die Signalwirkung durch einen Stromschlag am Zaun bleibe so aus. Kurzum: Teurer Zaun, aber kein vollständiger Schutz. Vor allem Privathaltern seien damit die Hände gebunden. Schuld an der Misere ist laut Feßler die Politik: „Das ist eine Falschpriorisierung eines einzelnen Prädators.“ Sicherlich sei Artenschutz wichtig. Doch die aktuelle Situation habe fatale Folgen für andere Tiere, „Weidevieh wird wie eine Art Buffet serviert.“

Lösung für Schutzzaun-Problem: „Regional differenziertes Bestandsmanagement“ des Wolfes

Hier kann laut dem VN-Wolfsbeauftragten nur eines helfen: regional differenziertes Bestandsmanagement. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass die Anzahl der Raubtiere in gewissen Regionen unterschiedlich stark durch Jagd eingedämmt werden. Laut Berhard Feßler sollten dann in bestimmten Regionen, in denen der Wolf ein Problem geworden ist, Wolfskadaver liegen gelassen werden, als starkes Signal zu Abschreckung.

„Seine Kollegen wissen dann, dass hier etwas tödlich ist.“ Die Wölfe lernen so, laut dem FN-Wolfsbeauftragten: „Wo ein Mensch ist, fällt ein Schuss.“ Der Wolf könne so zurück in die Waldgebiete gedrängt werden. Gehe es allerdings weiter wie bisher, könnte es in absehbarer Zeit für den Menschen gefährlich werden, befürchtet Berhard Feßler.

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