Niedersachsens Windenergie-Expansion: Auch im Landkreis Rotenburg

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Windräder in der Samtgemeinde Sottrum. Die Flächen für die Windkraftanlagen sollen aber noch ausgeweitet werden.
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Niedersachsen plant eine Erweiterung der Windenergieproduktion. Der Landkreis Rotenburg soll bis 2032 4 Prozent seiner Fläche für Windenergie ausweisen. Die genauen Standorte sind jedoch noch unklar.

Die Landesverwaltung Niedersachsens möchte, dass noch mehr Windenergie produziert wird. Dafür ist im April ein neues Flächenbedarfsgesetz in Kraft getreten. Für den Landkreis Rotenburg bedeutet das konkret: Bis Ende 2027 sollen 3,07 Prozent und bis Ende 2032 4 Prozent der Kreisfläche für Windenergie ausgewiesen sein. Auch die Samtgemeinde Sottrum muss ihren Flächennutzungsplan daran anpassen. Laura Vendt und Rainer Meyer, Regionalplaner beim Landkreis, haben eine Präsentation mit möglichen Flächen dem Samtgemeindeausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Planung, Wirtschaft und Verkehr vorgelegt.

Um eine Kartierung der Potenzialflächen durchzuführen, gibt es eine lange Liste an Flächen, die von vornherein für Windenergie ausgeschlossen sind. Dazu gehören unter anderem Landschaftsschutzgebiete, Siedlungsflächen, Gebiete mit Stromleitungen oder Schienen, Naturschutzgebiete und militärische Sperrgebiete. Nach der ersten Sortierung bleiben 105 Potenzialflächen mit insgesamt 11 140 Hektar (5,5 Prozent des Landkreisgebiets) übrig.

Wir sind damit aufgewachsen. Unsere Generation stört sich nicht an dem Anblick

Niklas Vajen (CDU), Gemeinderatsmitglied in Hassendorf

Diese Flächen sind im Anschluss noch einmal genauer untersucht worden. Am Ende der zweiten Prüfung gibt es 85 Vorranggebiete, die sich auf insgesamt 8 306,86 Hektar (4,01 Prozent des Landkreises) verteilen. Ob alle davon am Ende infrage kommen stehe noch nicht fest, meint Meyer, es fehlten beispielsweise noch Auskünfte der Bundeswehr über Tiefflugstrecken.

Sieben Vorranggebiete befinden sich davon auf dem Gebiet der Samtgemeinde. Die Gebiete 70 und 82 befinden sich jeweils nördlich und südlich von Reeßum und umfassen jeweils eine Fläche von 30 Hektar. Das Gebiet 71 befindet sich in der Gemeinde Horstedt und umfasst ebenfalls 30 Hektar. Nördlich von Hassendorf gibt es drei Teilflächen, die insgesamt 26 Hektar groß sind und als Gebiet 81 ausgeschrieben sind. Da dort das Umspannwerk von Tennet berücksichtigt werden muss, gebe es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Fläche noch aus dem Plan rausfällt, so Regionalplaner Meyer.

Auf der südlichen Seite von Hassendorf befindet sich das Gebiet 83, bei dem noch angrenzende Hochwassergebiete beachtet werden müssen. Die letzten beiden Gebiete 96 und 97 befinden sich in der Gemeinde Ahausen. Allerdings könnten sie in einer Hubschrauber-Tiefflugstrecke liegen. Die Regionalplaner müssten diesbezüglich noch die Antwort der Bundeswehr abwarten.

Die Lokalpolitik ist gespalten über mehr Windräder

Insgesamt könnten nur 1,47 Prozent der Samtgemeindefläche als Vorranggebiet in Frage kommen. Im Gegensatz dazu kämen 10 Prozent der Fläche von Tarmstedt und 8 Prozent von Scheeßels Fläche und damit deutlich mehr in Betracht. Bis zum 29. November dieses Jahres haben die Verwaltungen noch Zeit Stellungnahmen, zu den sie betreffenden Gebieten abzugeben. Diese Stellungnahmen werden in einer dritten Sortierung berücksichtigt, bis der finale Flächennutzungsplan steht und dieser in den Kreisausschuss komme.

„Sehr bescheiden“, nennt Klaus Dreyer (SPD) den Flächenanteil in der Samtgemeinde. Angesichts der beiden Flächen in der Gemeinde Hassendorf referiert der Hassendorfer auf eine Aussage der Scheeßeler Bürgermeister Ulrike Jungemann, in der sie von Windrädern sprach, die einen umzingeln würden – so fühle es sich für ihn auch mittlerweile an. Niklas Vajen (CDU), gehört zur jüngeren Generation des Hassendorfer Gemeinderats und widerspricht: „Wir sind damit aufgewachsen. Unsere Generation stört sich nicht an dem Anblick.“ Auch Samtgemeindebürgermeister Holger Bahrenburg heißt mehr Windräder willkommen: „Das Landschaftsbild verändert sich extrem“, aber die Windenergieanlagen seien auch eine Chance für die Kommunen.

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