Raubtier auf Norderney

„Nehmen Situation ernst“: Norderney-Bürgermeister sieht keinen Anlass für Wolf-Abschuss

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Anfang Juni ist auf der Nordsee-Insel Norderney ein Wolf abgelichtet worden. Nun hat der Bürgermeister dazu Stellung genommen und ist um Beruhigung bemüht.

Norderney – „Auf Norderney wurde der erste Wolf gesichtet“, hieß es kürzlich in einer Mitteilung der Stadt Norderney. Am Montag, 24. Juni, ergänzte Frank Ulrichs das vier Tage zuvor Gesagte. Er sieht keinen Grund zur Panik. Auch die Kurverwaltung war um Deeskalation bemüht.

Ein Wolf ist auf Norderney fotografiert worden. Er könnte durch das Watt auf die Insel gekommen sein. Ein Grund zur Panik sei das nicht, sagen die zuständigen Experten.

Der Wolf – der erste seiner Art, der jemals auf Norderney nachgewiesen wurde – habe sich seither unauffällig verhalten und sich auch nicht an hiesigen Weidetieren vergriffen. Niemand habe das scheue Raubtier mit eigenen Augen gesehen. Es sei daher sogar möglich, dass der Wolf die Insel bereits wieder verlassen habe.

Wolf auf Norderney gesichtet: Bürgermeister möchte Panik auf Nordsee-Insel vermeiden

Der vermutlich männliche Wolf könnte den Weg zur Insel über bestehende Wildtierpfade durchs Watt genommen haben, hieß es Ende der Woche von Wolf-Experten des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Dass zum Beispiel Damwild durch das Wattenmeer auf die Insel Norderney gelangt, sei nicht ungewöhnlich. Wölfe wiederum waren bislang nur an den Küsten des Festlandes in Niedersachsen unterwegs gewesen.

Man kann beruhigt auf der Insel Urlaub machen.

Norderney-Kurdirektor Wilhelm Loth

„Wir nehmen die Situation ernst, aber es gibt keinen Grund zur Panik“, sagte Bürgermeister Frank Ulrichs. Und Kurdirektor Wilhelm Loth ergänzte: „Man kann beruhigt auf der Insel Urlaub machen, wie es auch in anderen Destinationen möglich ist, in denen Wölfe bereits heimisch sind.“

Wolf auf Norderney zu töten, ist nur mit Abschussgenehmigung erlaubt

Um einen Wolf zu töten, müsse eine Abschussgenehmigung erteilt werden. Diese sei allerdings nur möglich, „wenn zum Beispiel fortwährend hinreichend geschützte Nutztiere erbeutet werden oder wenn vom Wolf eine Gefahr für Menschen ausgeht.“ Beides sei im aktuellen Fall nicht gegeben. Es bestehe demnach kein akuter Handlungsbedarf. Diese Einschätzung teilte am Montag auch das Niedersächsische Umweltministerium in Hannover.

Im Vogelschutzgebiet Südstrandpolder auf Norderney hat eine Wildtierkamera zweimal einen Wolf fotografiert.

Dennoch müsse eine vernünftige Lösung gefunden werden, um die Sicherheit auf der Insel künftig sicherstellen zu können. Dazu stünden Stadt und Kurverwaltung in engem Austausch mit der Nationalparkverwaltung, heißt es in der Meldung von Montag. Auch Landwirte und Campingplatz-Betreiber seien eingeladen, die Lage aus ihren Augen einzuschätzen. Wichtig sei es vor allem, bei Begegnungen mit einem Wolf besonnen zu reagieren.

Norderney „zu wuselig“: Wolf womöglich schon wieder zurück auf dem Festland

„Der Wolf meidet die Nähe des Menschen. Keine Panik“, sagte dazu Gernold Lengert, stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaften im Bezirk Ostfriesland, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Bei einer möglichen Begegnung mit einem Wolf gelte: „Abstand halten, keine Hysterie auslösen.“

Es sei ihm zufolge sehr wahrscheinlich, dass es dem Tier auf der Insel „zu wuselig“ sei und der Rüde bereits auf das Festland zurückgekehrt sei. Zum Beginn der Sommerferien in mehreren Bundesländern befinden sich Tausende Touristen regelmäßig auf der Nordsee-Insel.

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Eine Rangerin des Nationalparks niedersächsisches Wattenmeer hatte auf Aufnahmen einer Wildtierkamera Fotos entdeckt, die einen Wolf zeigen. Der Rüde wurde am 6. und 20. Juni fotografiert. Die Aufnahmen sind nahe der Beobachtungshütte am Südstrandpolder entstanden. Die Bilder markieren die erste Sichtung eines Wolfes auf einer niedersächsischen Insel überhaupt.

Rubriklistenbild: © Volker Bartels/dpa & NLPV

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