Naturschutz

Ökosystem Wattenmeer bedroht: UNESCO rügt Deutschland, Dänemark und Niederlande

  • schließen

Die UNESCO äußert scharfe Kritik an Deutschland und seinen Nachbarn. Ihre geplanten Aktivitäten im Wattenmeer könnten das Ökosystem gefährden.

Neu Delhi/Niedersachsen – Die UNESCO hat Deutschland, Dänemark und die Niederlande wegen geplanter oder bereits realisierter Projekte und Infrastrukturen im Weltnaturerbe Wattenmeer ins Visier genommen. Sie warnt vor einer möglichen Bedrohung für das Ökosystem.

UNESCO kritisiert Deutschland wegen Wattenmeer-Aktivitäten

Auf der 46. Sitzung des zuständigen Komitees der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (UNESCO) in Neu-Delhi, Indien, wurde eine entsprechende Vorlage ohne Debatte angenommen, teilte ein UNESCO-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur mit. In der Vorlage wurde unter anderem darauf hingewiesen, dass die Förderung von Öl, Gas und Salz nicht mit dem Welterbestatus des Wattenmeers vereinbar ist und zusammen mit dem Anstieg des Meeresspiegels negative Folgen für die Region haben könnte.

Das Welterbe Wattenmeer soll nicht zum „Verlierer der Energiewende“ werden

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) gab bekannt, dass das Komitee mit seiner Entscheidung einer Beschwerde des NABU und anderer Umweltverbände gefolgt ist. NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger betonte, dass mehr als zehn Millionen Wat- und Wasservögel auf ein gesundes Küstenökosystem angewiesen sind.

Unesco kritisiert Deutschland und Nachbarn wegen Wattenmeer-Aktivitäten.

„Millionen Touristen suchen in ihrem Urlaub an der Nordseeküste Erholung in der Natur - unverzichtbar für die Küstenkommunen und die regionale Wirtschaft“, so Krüger. „Das Welterbe Wattenmeer darf nicht zum Verlierer der Energiewende werden. Neue Gasbohrungen riskieren Natur- und Klimaschutz, LNG-Terminals überbauen wertvolle Küstenbiotope und Kabeltrassen, Wasserstoff- und CO2-Pipelines zerschneiden diesen einzigartigen Naturraum.“

Wer als Tourist übrigens im Wattenmeer unterwegs ist, sollte sich am besten einer geführten Wanderung anschließen. Falls man doch einmal feststeckt, gibt es Hilfe bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS).

NABU fordert eine Verlagerung von Kabeltrassen für Offshore-Strom und Pipelines

Der NABU fordert, dass Kabeltrassen für Offshore-Strom und Pipelines im Unesco-Welterbegebiet, wo immer es möglich ist, vermieden und vorrangig in die Schifffahrtsstraßen der Ems, Weser und Elbe verlegt werden.

Das Wattenmeer, das kürzlich den 15. Jahrestag seiner Ernennung zum Weltnaturerbe feierte, wurde von der Unesco am 26. Juni 2009 aufgrund seiner großen geologischen und ökologischen Bedeutung als Weltnaturerbe ausgezeichnet. Damit steht das Wattenmeer auf einer Stufe mit fast 1.200 anderen Welterbestätten, wie etwa dem Grand Canyon oder dem Great Barrier Reef. 2011 wurde der Titel um das Hamburgische Wattenmeer erweitert, 2014 kam das dänische hinzu.

Rubriklistenbild: © Janis Meyer/imago

Kommentare