Frostschutzberegnung

Einfach genial: Panzer aus Eis schützt Blüten vor Frostschäden

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Die Blüten sind in einem Eispanzer vor der Kälte geschützt.
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Um die Blüten und die Ernte ihrer Heidelbeersträucher vor Schäden durch Frost zu schützen, wandten Lukas Reeßing und sein Vater Reiner auf ihrem Hof in Schierholz eine zunächst ungewöhnlich anmutende Technik an.

Eydelstedt – Der Frühling hat sich kürzlich mit seinen ersten wärmenden Sonnenstrahlen und Temperaturen um die 20 Grad blicken lassen. Pflanzen erwachten aus ihrem Winterschlaf und fingen an zu sprießen und zu blühen. Der nächste Frost ließ aber nicht lange auf sich warten und überfiel die Natur in den vergangenen Nächten eiskalt. Um die Blüten und die Ernte ihrer Heidelbeersträucher zu schützen, wandten Lukas Reeßing und sein Vater Reiner auf ihrem Hof in Schierholz eine zunächst ungewöhnlich anmutende Technik an.

„Wir beregnen die Flächen unserer Heidelbeersträucher und auch Tannenbäume während Frost permanent. Dadurch bildet sich ein Eispanzer um die Blüten und frischen Triebe und schützt diese“, sagt Lukas Reeßing. Doch Moment mal: Eis, das vor Frost schützen soll? Bei Eis handelt es sich doch um gefrorenes Wasser? Wie soll das die Blüten schützen? „Beim Gefrieren entsteht Wärmeenergie. Dadurch sinkt die Temperatur im Eispanzer nur auf etwa Null Grad“, erklärt Lukas Reeßing.

Technik der Frostschutzberegnung nutzen auch Weinbauern

Die Technik der Frostschutzberegnung ist nicht neu. Vater Reiner Reeßing wende diese bereits seit rund 30 Jahren an. „Ich habe sie im Weinbau in Rheinland-Pfalz kennengelernt. Im Alten Land ist es bei Obst- und Beerenbauern verbreitet“, sagt Reiner Reeßing. Andere würden ihre Weinfelder mit Rauch von Fackeln oder kleineren Feuer vor Kälte schützen. Frost kann in einer wolkenlosen Frühjahrsnacht mit kaltem Ostwind örtlich gut und gerne mal bis in den zweistelligen Minusbereich rutschen. Besonders in Senken staue sich die kalte Luft an. Pflanzen bestehen zum Großteil aus Wasser. Beim Gefrieren platzen ihre Zellen.

Eine permanente Frostschutzberegnung sorgt dafür, dass die Heidelbeersträucher des Hofs Reeßing keine Schäden davontragen.

Zurück zur Frostschutzberegnung: Mit dem Einfrieren der Blüten ist es nicht getan. Beim Auftauen aus ihrem Eismantel wird wiederum Energie entzogen. Deshalb müssen Lukas und Reiner Reeßing ihre Pflanzen nicht nur die gesamte Nacht hindurch beregnen, sondern auch am Morgen, wenn die Temperatur über den Gefrierpunkt steigt.

Pro Stunde sprühen sogenannte Kreisregner 3,5 Liter Wasser je Quadratmeter über die Felder. „Das ist wiederum ein Problem, weil die Böden dieses Jahr generell schon sehr feucht sind. Das ist nicht gut für die Pflanzen. Wenn wir sie aber nicht beregnen würden, hätten wir einen Totalausfall beim Ertrag“, sagt Lukas Reeßing.

Junge Triebe von Tannenbäumen sind nicht frosthart

Ähnlich sieht es bei den Tannenbäumen aus, die der Hof Reeßing anbaut. „Die jungen Triebe sind noch weich und nicht frosthart. Sie werden nach Frost schnell braun und fallen ab. Dadurch wächst der Baum nicht in die Breite, sondern nur in die Höhe“, erklärt Lukas Reeßing.

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In den vergangenen Jahren habe es auf dem Hof keine Frostschäden gegeben. Dieses Jahr sei der Start der Blütezeit allerdings verfrüht, was die Pflanzen anfälliger mache. Normalerweise beginne diese erst im Mai. Aufgrund der zeitweise bereits hohen Temperaturen samt Sonnenschein fingen die ersten Pflanzen bereits Mitte April an zu sprießen. Die vergangenen Tage mussten Lukas und Vater Reiner sofort reagieren, wenn sich eine frostige Nacht anbahnte. Sie gehen von kleinen Ernteeinbußen aus.

Frostige Nächte und feuchte Böden machen zu schaffen

Besonders empfindlich vor Kälte sind junge Kartoffelpflanzen. Aber auch Maispflanzen können Schäden vom Frost davontragen. Die jungen Blätter werden nur wenige Stunden nach dem Auftauen braun und sterben ab. Dadurch kann die Pflanze zunächst keine Fotosynthese betreiben, was ihr Wachstum hemmt. Die Pflanze muss anschließend zusätzliche Energie aufwenden, um neue Triebe auszubilden. „Auch grüner Spargel kann sich bei Frost nicht ausbilden. Er wächst oberirdisch“, sagt Lukas Reeßing.

Neben den frostigen Nächten macht auch der übermäßig feuchte Boden dem Hof Reeßing zu schaffen. Einige Flächen sind teilweise noch nicht befahrbar. Dadurch geraten Arbeiten in Verzug. „Wetterextreme wie Dauerregen oder auch Dürren aus manchen Jahren sorgen für Probleme. Ideal wäre möglichst abwechslungsreiches Wetter“, sagt Lukas Reeßing.

Mit der Frostschutzberegnung dürfte jetzt aber erst einmal Schluss sein. Denn für das kommende Wochenende ist Frühlingswetter angekündigt. Dann dürften wieder allerlei Pflanzen ungefährdet ihre Blüten zeigen.

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