VonMarvin Köhnkenschließen
Bei der Bundestagswahl hat die SPD in Niedersachsen relativ gut abgeschnitten – der politischen Heimat von Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Hannover – Die erste Hochrechnung der Noch-Kanzler-Partei SPD in Niedersachsen zeigt deutlich bessere Zahlen für die Sozialdemokraten als im Bundesschnitt. Der Abstand zur CDU ist merklich geringer als auf Bundesebene oder in anderen Bundesländern. Dennoch: Auch im Stammland der SPD hat die Partei unter Kanzler-Kandidat Olaf Scholz reichlich Federn gelassen.
Boris Pistorius, geboren in Osnabrück, war Anfang 2023 für die mittlerweile gescheiterte Ampel-Regierung nach Berlin gegangen und hatte dort während des von Russland gestarteten Ukraine-Kriegs viele Sympathien gewonnen. Kurz nach dem Bruch in Berlin war er sogar einige Zeit als möglicher Kanzlerkandidat der SPD gehandelt worden, lehnte diese Rolle aber deutlich ab. Dennoch, bei den Bundesbürgern genoss der Politiker aus Niedersachsen durchaus hohe Beliebtheitswerte – ist nun wieder im Rennen um höhere Weihen in Berlin.
Boris Pistorius hatte bei Kanzler-Frage im Vorfeld der Wahl lange die Nase vor Olaf Scholz
In der sogenannten K-Frage sprachen sich bereits im November mehr Menschen dafür aus, Pistorius als möglichen SPD-Kanzler zu bevorzugen – gegenüber dem amtierenden Bundeskanzler Olaf Scholz. Am Ende kam es anders. Und nicht nur Stephan Weil wurde am Wahlabend gefragt, ob das Ergebnis mit Pistorius an der Wahlkampf-Spitze ein anderes, ein positiveres für die SPD gewesen wäre.
Die ersten Hochrechnungen für das Land Niedersachsen von 19:39 Uhr sehen wie folgt aus:
| Union | SPD | AfD | Grüne | Linke | FDP | BSW | Sonstige | |
| Aktuell | 27,7% | 23% | 18,2% | 11,7% | 7,7% | 4,4% | 3,6% | 3,7% |
| +/- | +3,5% | -10,1% | +10,8% | -4,4% | +4,4% | -6,1% | +3,6% |
Im NDR-Fernsehen hatte Niedersachsens Ministerpräsident grundsätzlich klare Worte gefunden, wich der Personalfrage aber aus: „Das ist eine ganz schwere Wahlniederlage“, sagte der Landesvater. Nun nur aufs Personal zu schauen, „wäre viel zu oberflächlich“, betonte Weil und kündigte an, die Politik seiner Partei zu analysieren und nachzujustieren. „Das ist ein ganz mieser Abend“, sagte der Niedersachsen-Politiker der SPD mit Blick auf das Wahlergebnis bei der Bundestagswahl 2025.
Ob das im Bundesvergleich gute Wahlergebnis der SPD bei der Bundestagswahl in Niedersachsen auch auf Pistorius, der auch in seiner politischen Heimat beliebt ist, zurückgeführt werden kann, bleibt vorerst offen. Immerhin regiert die SPD in dem Flächenland an der Nordsee bereits seit vielen Jahren. Allerdings: In den Umfragen vor der nächsten, für Herbst 2027 angesetzten Landtagswahl, ist die SPD auch in Niedersachsen im Sommer 2023 hinter die CDU gerutscht.
Pistorius: SPD ist „gesprächsbereit“ für Regierungsbildung mit der Union
Kurz nach dem Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen der Bundestagswahl 2025 war es zuerst Boris Pistorius, der signalisierte, die SPD sei „gesprächsbereit“ für eine Regierungsbildung mit der Union, die unter Kanzlerkandidat Friedrich Merz als Wahlsiegerin aus dem Wahltag hervorgegangen war. „Wir waren immer gesprächsbereit, wir sind es. Es geht um Verantwortung, aber es ist nicht an uns, jetzt irgendwelche Schritte nach vorne zu machen“, sagte Pistorius.
Olaf Scholz wiederum sagte wenig später, sich bewusst als möglicher Kanzler zur Wahl angetreten zu sein. Ein personeller Wechsel an der Spitze der SPD im Bund steht somit mit hoher Wahrscheinlichkeit bevor. Wie viel Politik aus Niedersachsen dann daran beteiligt ist, wird sich noch zeigen müssen. Die Frage, ob Boris Pistorius als Kanzler-Kandidat das Ergebnis am 23. Februar entscheidend verändert hätte, bleibt auf jeden Fall unbeantwortet.
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